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Neuer Platz für eine alte Mumie

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Eine Mumie im Museum präsentieren: Darf man das? Mit dieser Frage haben
sich Museologiestudierende der Uni Würzburg befasst. Das Ergebnis zeigt
eine Sonderausstellung auf Kloster Banz.

Was macht eine ägyptische Mumie in einem ehemaligen Kloster in
Oberfranken? Was ist über den Menschen bekannt, dessen konservierter
Körper dort zu sehen ist? Und: Ist es überhaupt ethisch vertretbar, eine
Mumie öffentlich auszustellen?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich 17 Studierende der
Museologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) über zwei
Semester hinweg befasst. Das Ergebnis dieses Projekts zum Ende ihres
Bachelorstudiums ist jetzt als Sonderausstellung im Museum Kloster Banz zu
sehen. Unter dem Titel „Wissenschaft ENTwickelt“ zeigt sie die spannende
Geschichte rund um die Banzer Frauenmumie und präsentiert aktuelle
Untersuchungsergebnisse.

Auf Einkaufstour im Orient

Wie kommt überhaupt eine Jahrtausende alte Mumie aus Ägypten ins
oberfränkische Koster Banz, das sich heute im Besitz der Hanns-Seidel-
Stiftung befindet? „Diese Mumie sowie drei weitere mumifizierte Köpfe sind
Teil der ‚Orientalischen Sammlung‘, die Herzog Max in Bayern, der Vater
der späteren österreichischen Kaiserin Sisi, 1838 bei einer Reise nach
Ägypten und ins Heilige Land zusammengetragen hat“, erklärt Dr. Stefanie
Menke. Diese Sammlung stelle eines der letzten Raritätenkabinette der
Wittelsbacher dar und sei bis auf den heutigen Tag nahezu vollständig
erhalten, so die Museologin.

Menke ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Museologie
der JMU. Gemeinsam mit Brigitte Eichner-Grünbeck, der Leiterin des Museums
Kloster Banz, und mit Edna Elisa Horst (JMU) hat sie die Studierenden bei
der Konzeption der Ausstellung angeleitet und begleitet. Ziel des Projekts
sei es gewesen, den Studierenden die Erfahrung zu ermöglichen, eine
konkrete Ausstellung zu planen und umzusetzen, die anschließend öffentlich
zu sehen sein wird. Schließlich könne dies später ein zentraler
Bestandteil ihres Jobs sein. Womit die Organisatorinnen bei der
Vorbereitung allerdings nicht gerechnet hatten, war die Tatsache, dass es
dabei jede Menge an besonderen Herausforderungen zu bewältigen geben
würde, so Menke.

Etliche Hürden erschweren die Arbeit

Erste Hürde: „Die Studierenden mussten eine Ausstellung zu einem Thema zu
entwickeln, das stark naturwissenschaftlich ausgerichtet war und somit in
eine inhaltlich weitgehend fremde Welt führte“, erklärt Menke. Schließlich
sei es nur mit dem Einsatz modernster Technik möglich gewesen,
Erkenntnisse über das Leben der mumifizierten Frau zu gewinnen.

Zweite und weitaus größere Hürde: die Coronapandemie. „Über zwei Semester
hinweg waren Unterrichtssitzungen und Arbeitstreffen nur online möglich,
was die Kommunikation enorm erschwerte und gelegentlich zu
Missverständnissen führte“, sagt Menke. So trafen beispielsweise
pandemiebedingt jüngste Ergebnisse der Mumienforschung erst sehr spät ein
– zu spät für einen Teil der Ausstellungstexte, die die Studierende
verfassen sollten.

Wegen Corona war es den Studierenden auch nicht möglich, Räume und
Exponate vor Ort in Augenschein zu nehmen – „eigentlich ein Ding der
Unmöglichkeit, wenn man eine Sonderausstellung und eine alternative
Präsentation der Mumie im Rahmen der Sonderausstellung konzipiert“, sagt
Menke. Erst ganz am Ende des Projektes war ein Besuch auf Kloster Banz
wieder möglich, zu einem Zeitpunkt also, zu dem ein Großteil der Arbeiten
bereits abgeschlossen war.

Der Schritt in die Realität

Lea Sophie Formhals und Lukas Jörger sind zwei der 17 Studierenden, die an
dem Projekt beteiligt waren. Die Aufgabe, eine Ausstellung zu konzipieren
sei für sie eine „wahnsinnig wichtige praktische Erfahrung“ gewesen, sagen
sie. „Nach der ganzen Theorie im Studium sind wir damit in die Realität
getreten“, ergänzt Lea Sophie Formhals.

Zusammen mit ihrer Gruppe hat sie sich vor allem um Layout und
Grafikdesign rund um die Ausstellung gekümmert – angefangen bei der Suche
nach einer lesefreundlichen Schriftart für die Info-Tafeln über das
passende Farbschema bis zum Aussehen von Plakaten und Broschüren. „Das war
wirklich spannend, denn im Studium hatten wir bislang wenig mit
Grafikdesign zu tun gehabt“, sagt die Studentin. Deshalb sei die
Zusammenarbeit mit der Grafikdesignerin Sandra Trunk aus Bamberg für sie
eine interessante Erfahrung gewesen.

Vermittlungsfragen standen im Zentrum der Gruppe, an der Lukas Jörger
beteiligt war. „Wir wollen neue Zielgruppen für die Ausstellung gewinnen,
angefangen bei Kindern über Schülerinnen und Schüler sowohl aus der
Grundschule als auch aus der Oberstufe bis hin zu Familien“, erzählt
Jörger. Gelingen soll dies unter anderem mit der Hilfe von
Vermittlungsheften, die mit Informationen und Rätseln den jeweiligen
Zielgruppen einen leichten Einstieg in das Thema bieten.

Wichtige Erfahrungen für das Berufsleben

Was hat ihm die Arbeit in dem Projekt gebracht? „Ich habe erleben können,
dass die Arbeit im Team und die Vernetzung mit anderen Akteuren
wesentliche Teile einer Ausstellungvorbereitung sind. Das war mir vorher
nicht so bewusst gewesen“, sagt er. Eine andere wichtige Erfahrung sei der
Aspekt „Zeitmanagement“ gewesen. „Mit Fristen und Terminen zu arbeiten,
ist man als Student ja gewohnt. Wenn man sich aber mit anderen
koordinieren und alles zu einem fixen Termin fertig sein muss, ist das
schon anspruchsvoller.“

Teamwork, der Kontakt mit Fachleuten aus den unterschiedlichsten Bereichen
und die Verantwortung für das konkrete Vorhaben: Diese Punkte führt Lea
Sophie Formhals als für sie prägende Erfahrungen an. Und, ganz wichtig:
„Ich habe gemerkt, dass nicht immer alles nach Plan läuft.“ Dann sei es
wichtig, flexibel zu bleiben und schnell Alternativen zu finden.

Einig sind sich die beiden in einem Punkt: „Das fertige Ergebnis zu sehen,
ist ein wahnsinnig tolles Gefühl“. Das kann vermutlich auch Stefanie Menke
nachempfinden. Sie jedenfalls findet: „Dank ihres großen Engagements haben
die Studierenden das Projekt mit viel Kreativität zu einem guten Abschluss
gebracht und in ein sehenswertes Ergebnis überführt.“ Wer will, kann sich
noch bis zum 30. Juni 2022 selbst davon überzeugen bei einem Besuch im
Museum Kloster Banz.

Die Ausstellung

„Wissenschaft ENTwickelt – Eine Mumie zwischen Forschung und
Verantwortung“ – Sonderausstellung der Professur für Museologie der JMU in
Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung/Museum Kloster Banz. Bis 30.
Juni 2022 im Museum Kloster Banz (Bad Staffelstein).

Von Dezember bis einschließlich Februar ist das Museum nur für
vorangemeldete Gruppen geöffnet. Kontakt: (09573) 33 77 44,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., www.hss.de/museum