Erfolg für Würzburger Masterstudierende
Wie können sich Städte wirksam gegen steigende Temperaturen schützen?
Studierende der Universität Würzburg haben dafür ein neues Konzept
entwickelt. Ihre Idee wurde jetzt mit dem DLR Copernicus Master
ausgezeichnet.
„Durch den Klimawandel sind weltweit mehr als 200 Millionen Menschen dem
Risiko steigender Temperaturen ausgesetzt, die zu einer höheren Rate
hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle führen können. Diese Zahl
könnte bis 2050 auf 1,6 Milliarden ansteigen. Da es an Daten mangelt, sind
viele Städte nicht darauf vorbereitet, geeignete Maßnahmen zur Eindämmung
und Anpassung zu ergreifen.“
Mit diesen Worten beschreiben Sofia Garcia, Nils Karges, Andreas Bury,
Antonio Castañeda und Annika Ludwig ein Problem, das weltweit vor allem
Städte und große Ballungsräume zunehmend herausfordert. Die fünf sind an
der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) im internationalen
Masterstudiengang „Applied Earth Observation and Geoanalysis of the Living
Environment“ (EAGLE) eingeschrieben. In diesem Studiengang lernen
Studierende, wie sie mit Hilfe von Satellitendaten und Daten aus anderen
Geoinformationsquellen zu einer nachhaltigen Nutzung und Entwicklung des
Lebensraumes Erde sowie seiner Ressourcen beitragen können.
Daten vor Ort und aus dem Weltraum
Einen solchen Beitrag will das Team mit einer neuen, von ihm entwickelten
interaktiven Plattform leisten. UrbanSens, so der Name der Plattform, soll
das Leben in Städten auch unter den Bedingungen des Klimawandels angenehm
machen. Mit dieser Idee hat die Gruppe jetzt die DLR Challenge
„Environment, Energy & Health“ im Rahmen der Copernicus Master gewonnen.
„Am Anfang stand die Idee, die Kenntnisse und die Überwachung von
Umweltparametern in städtischen Gebieten zu verbessern und sie mit
weltraumgestützten Umweltbeobachtungen zu kombinieren“, beschreibt Sofia
Garcia das Vorgehen der Gruppe. Mit Hilfe dieser Daten sei es möglich,
Phänomene wie städtische Wärmeinseln und Luftverschmutzung besser zu
verstehen.
Straßengenaue Informationen
Zum Einsatz kommen dabei sowohl statische als auch mobile Sensoren, die
vor Ort wesentliche Umweltparameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und
den Grad der Luftverschmutzung erfassen. Das Hauptziel ist der Aufbau von
Sensornetzwerken in städtischen Gebieten, die verlässliche Vor-Ort-
Messungen ermöglichen und eine Datenkommunikation nahezu in Echtzeit
gewährleisten.
In einem nächsten Schritt werden diese Informationen verknüpft mit
Erdbeobachtungsdaten, die von Satelliten gewonnen werden. „Auf diese Weise
erhalten Entscheidungsträger und Bürgern tiefere Einblicke in die
Situation bei ihnen vor Ort mit Informationen bis hin auf die Ebene
einzelner Straßen“, erklärt Nils Karges.
Verknüpfung mit Gerechtigkeitsfragen
Ziel ist es, „die Trends von Umweltparametern in städtischen Gebieten mit
hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung zu modellieren“, ergänzt Andreas
Bury. Um dies zu erreichen, sei eine Fusion von multispektralen und
multitemporalen Fernerkundungsdatensätzen, digitalen Höhen- und
Oberflächenmodellen und Sensordaten vorgesehen.
„Unsere Plattform könnte eine digitale Innovation und eine Initialzündung
auf dem Weg zum Konzept der intelligenten Stadt sein“, ergänzt Andreas
Bury. Darüber hinaus könne sie „der erste Schritt zur Entwicklung lokaler
Strategien für eine urbane Resilienz sein, die auch Gerechtigkeitsfragen
berücksichtigen“, so Annika Ludwig. Deshalb bezieht das Team auch
sozioökonomische Daten ein, um die am stärksten gefährdeten Gebiete in der
Stadt zu erfassen.
5000 Euro Daten im Wert von 10.000 Euro sind das Preisgeld für das
UrbanSens-Team. Es soll für die weitere Umsetzung des Projekts eingesetzt
werden.
Über den Wettbewerb
Die Copernicus Masters sind ein globaler Wettbewerb, in dessen Mittelpunkt
die Nutzung von Erdbeobachtungsdaten steht. Ausgezeichnet werden Konzepte,
die den Nutzen der europäischen Copernicus-Dienste für das tägliche Leben
aufzeigen und neue Lösungsansätze für aktuelle Probleme aufzeigen.
Initiatoren des Programms sind die European Space Agency (ESA), die
Europäische Kommission und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR).
Schon im vergangenen Jahr hatte ein EAGLE-Student der Universität Würzburg
die DLR Challenge gewonnen. Henrik Fisser hat es geschafft, dass LKW aus
dem All gezählt werden können. Seine Daten zeigten, dass der Lastverkehr
während der coronabedingten Einschränkungen auf den Straßen deutlich
zurückgegangen war.
