Post von Rufzeichen 50HSC
Die Hochschule Coburg hat 2021 Jubiläum gefeiert – unter anderem mit einer
Sonderpostkarte, die noch bis Ende des Jahres über Amateurfunk angefordert
werden kann. Elektrotechnik-Ingenieur Maximilan Schunk erklärt, warum Funk
im Internet-Zeitalter fasziniert.
Maximilian Schunk zeigt durch ein Fenster des Mitarbeitercafés über den
Innenhof aufs gegenüberliegende Dach der Hochschule Coburg. „Die Antennen
da oben nutzen wir, um über Amateurfunkdienste weltweit Kontakte
herzustellen.“ Begonnen wurde damit bereits zu Zeiten des Staatlichen
Polytechnikums, aus dem 1971 die Fachhochschule entstand und 2008 die
heutige Hochschule für angewandte Wissenschaften. Mittlerweile kann sich
jeder weltweit übers Internet verbinden. „Amateurfunk klingt vielleicht
erst mal altbacken“, sagt Schunk, „aber wir nutzen modernste Technik. Mit
dieser runden Antenne dort können wir zum Beispiel eine WLAN-Strecke über
30 Kilometer aufziehen.“ Es gibt eine Art Internet der Funkamateurinnen
und -amateure.
Faszinierende Physik
Schunk betreut die Funkstation an der Hochschule mit dem weltweit
einzigartigen Rufzeichen DL0FHC. Zum 50. Jubiläum hat er eine
Sonderkennung beantragt: Wer bis 31. Dezember die Distrikts-Ortsverbands-
Kennung (DOK) 50HSC ruft, bekommt über das Netzwerk der Funkverbände eine
Sonder-Postkarte, die die Hochschule eigens dafür druckt. Schunk ist
Laboringenieur in der Fakultät Elektrotechnik und Informatik, und auch
wenn der Amateurfunk nur einen Bruchteil seiner Arbeit ausmacht, ist es
ein Bereich, den er liebt. Der 41-Jährige erzählt angeregt über den
Sonnenwind, der hauptsächlich aus Elektronen und positiven Ionen besteht
und in etwa 80 bis 300 Kilometer Höhe weht. In dieser so genannten
Ionosphäre können Funkwellen weite Entfernungen überbrücken. Je nach
Ausmaß der Ionisierung werden die Wellen unterschiedlich auf die
Erdoberfläche zurückgeworfen, hier wiederum vom Wasser reflektiert und so
wieder zurück in die obere Schicht der Erdatmosphäre geschickt.
„Weil die Ionenkonzentration vom Sonnenstand abhängt, geht nicht jede
Frequenz zu jeder Tageszeit gleich gut“, erklärt Schunk. „Amateurfunk ist
eine Möglichkeit, das gelernte Wissen aus Physik und Elektrotechnik
praktisch anzuwenden.“ Die Technik dient auch heute noch experimentellen
und technisch-wissenschaftlichen Studien, der Weiterbildung, der
Völkerverständigung und der Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und
Katastrophenfällen. „Um Amateurfunk betreiben zu dürfen, braucht man eine
staatliche Lizenz.“ An der Hochschule werden theoretische Inhalte des
Studiums mit Funk-Vorführungen vermittelt, außerdem können die
Studierenden mit dem Ausbildungsrufzeichen hineinschnuppern. „Es geht um
den Spaß an der Technik“, Schunk überlegt kurz, „und um den Kontakt.“ Zum
Beispiel kürzlich mit einem Funkamateur der Ruhr-Uni Bochum: „Das war
nett. Der hat gerade seiner neuen Freundin das Hobby Amateurfunk
vorgestellt.“
Eine Welle geht um die Welt
Manchmal verabreden sich die Funker über Internetplattformen oder
Messenger wie WhatsApp. In der Regel weiß Schunk nicht, wen er erreicht,
wenn er „CQ“ hinaus in die Welt ruft. Die beiden Buchstaben kürzen im
Englischen „Seek you“ ab. Also „Suche dich“. Mit der klassischen
Sprechfunktion kann Schunk Mitteleuropa abdecken – mit dem digitalen
Funkmodus die ganze Welt. Dann erscheint die Nachricht als Text auf einem
Bildschirm bei einem Funkamateur oder einer Funkamateurin in Puerto Rico,
an der Ostküste der Vereinigten Staaten oder auch mal in Melbourne,
Australien. „Funkverbindungen sind immer ein direkter Kontakt von einem
Punkt zum anderen“, sagt Schunk. „Anders als bei Handy oder Internet gibt
es keine Infrastruktur dazwischen. Am anderen Ende sitzt jemand, der auch
etwas Aufwand betreibt, um das Signal zu empfangen.“ Der Elektrotechniker
lächelt. „Das ist irgendwie schön.“
Text: Natalie Schalk
