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Technik im Sinne der Nutzenden gestalten

Entwicklerinnen und Entwickler werden oft durch unvorhergesehene Verwendungsweisen ihrer Produkte überrascht. Forschende am KIT suchen nach Wegen, mögliche Umnutzungen von Technik besser zu antizipieren. (Grafik: Dominika Rogocka/modus media).  Grafik: Dominika Rogocka/modus media
Entwicklerinnen und Entwickler werden oft durch unvorhergesehene Verwendungsweisen ihrer Produkte überrascht. Forschende am KIT suchen nach Wegen, mögliche Umnutzungen von Technik besser zu antizipieren. (Grafik: Dominika Rogocka/modus media). Grafik: Dominika Rogocka/modus media
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Entwicklerinnen und Entwickler werden oft durch unvorhergesehene Verwendungsweisen ihrer Produkte überrascht. Forschende am KIT suchen nach Wegen, mögliche Umnutzungen von Technik besser zu antizipieren. (Grafik: Dominika Rogocka/modus media).  Grafik: Dominika Rogocka/modus media
Entwicklerinnen und Entwickler werden oft durch unvorhergesehene Verwendungsweisen ihrer Produkte überrascht. Forschende am KIT suchen nach Wegen, mögliche Umnutzungen von Technik besser zu antizipieren. (Grafik: Dominika Rogocka/modus media). Grafik: Dominika Rogocka/modus media

Digitale Technologien formen unseren Alltag. Bei der Gestaltung der
Technik steht die reine Funktionalität im Vordergrund. Angesichts des
Klimawandels oder gesellschaftlicher Fragen wandeln sich jedoch die
Ansprüche von Nutzerinnen und Nutzern: Ein technisches System, das
ökologischen oder moralischen Anforderungen nicht genügt, ist für viele
ein schlechtes Produkt. Hersteller müssen bei der Entwicklung von Technik
also über die Funktionslogik hinausgehen. Forschende des Karlsruher
Instituts für Technologie (KIT) wollen Wege für eine reflektierte
Technikentwicklung und -gestaltung aufzeigen.

Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_2022_014_technik-im-sinne-der-nutzenden-
gestalten.php


„Wir erarbeiten Werkzeuge und Methoden, um die digitale Revolution
einerseits besser zu verstehen und sie andererseits verstärkt im Interesse
der Nutzenden und der Gesellschaft zu gestalten“, sagt Dr. Bruno Gransche
vom Institut für Technikzukünfte des KIT. „Ein Problem für durchdachte und
bewusste Technikgestaltung ist, dass Entwicklerinnen und Entwickler häufig
überhaupt nicht voraussehen können, auf welche Art und Weise die Menschen
eine Technologie tatsächlich nutzen werden“, sagt der Philosoph. Diese
sogenannte Multistabilität von Technik führe zu Umnutzungen und
Zweckentfremdungen, aber auch zu Innovationen.

Unvorhergesehene Verwendung von Produkten

Als Beispiel nennt Gransche die Nutzung autonomer Fahrzeuge: Dass es beim
Fahren von A nach B gleichzeitig möglich ist zu arbeiten, Zeitung zu
lesen, Videos zu schauen oder zu schlafen, haben die Entwickler
beabsichtigt. Das Drehen etwa von Sexfilmen während der Fahrt mit dem
Auto-Piloten – so geschehen in einem Videoclip, der vor wenigen Jahren in
den Sozialen Medien für Aufmerksamkeit sorgte – dagegen nicht. Diese
Verwendung habe auch er nicht abgesehen, kommentierte Elon Musk, Gründer
und Chef des amerikanischen Automobilherstellers Tesla, damals auf
Twitter: „Es stellt sich heraus, dass es mehr Möglichkeiten gibt, den
Autopiloten zu verwenden, als wir uns vorgestellt haben – hätte es kommen
sehen sollen.“ „Autonome Autos haben also vielschichtige Auswirkungen auf
den Straßenverkehr, den nicht einmal zentrale Technologietreiber
durchschauen. Das gleiche gilt etwa für die Verbreitung von
Digitaltechnik, KI-Systemen, oder Sprachassistenten“, erläutert Gransche.

Mögliche Umnutzung von Technik besser voraussehen

„Wer Technik gestaltet, ist zwar nicht verantwortlich dafür, welches
Verhältnis die Nutzenden zu dieser tatsächlich eingehen, wohl aber dafür,
welche Nutzungsmöglichkeiten und Potenziale sich bieten“, so der Experte.
Entwicklerinnen und Entwickler müssten also vorab bestimmte Entscheidungen
treffen, die nicht nur Nutzungsweisen bestimmten, sondern auch daraus
folgende weitreichende Handlungspotenziale beeinflussten. Wer diese
Komplexität bewusster und früher berücksichtigen könne, könne besser
verantwortliche Innovationsstrategien entwickeln, gezielter die
vielschichtigen Ansprüche der Nutzenden berücksichtigen und letztlich
vorausschauender gesellschaftlichen Wandel mitgestalten. „Dafür wollen wir
ihnen eine möglichst fundierte und dabei konkret handhabbare Grundlage
bieten“, sagt Gransche. „Phänomene wie die Multistabilität besser zu
verstehen, kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.“

Das Projekt „Lebensformen in Digitalisierten Lebenswelten“, kurz LeDiLe,
ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,75
Millionen Euro geförderten Clusters Integrierte Forschung. Das KIT erhält
davon 550 000 Millionen Euro. (mex)

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 600
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 23 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter:
https://www.kit.edu/kit/presseinformationen.php