Gift für Mensch und Natur - Humboldt-Stipendiat in Analytischer Chemie
Zigaretten schaden nicht nur der menschlichen Lunge. Auch die Umwelt
bekommt was ab. Wie stark es Gewässer trifft, erforscht unter anderem
Professor Sina Dobaradaran an der Fakultät für Chemie der Universität
Duisburg-Essen (UDE). Gefördert wird sein Aufenthalt durch ein
Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung.
Weltweit werden mehr als 5,4 Billionen Zigaretten pro Jahr verkauft und
landen geraucht oft in Wald und Flur statt im Abfall. „Die meisten Filter
zersetzen sich in der Umwelt nur langsam, denn sie bestehen aus
Celluloseacetat (CA). Und das ist biologisch nicht einfach abbaubar“,
erklärt Professor Dobaradaran. Er hat Umwelt- und Gesundheitstechnik an
drei iranischen Universitäten studiert und erforscht.
CA wird zwar auch bei der Produktion von Textilien, Handydisplays oder
Flachbildschirmen genutzt, die Herstellung der Zigaretten-Filter ist
mengenmäßig jedoch ungeschlagen. Da die Filter die Bestandteile des Rauchs
idealerweise absorbieren, gelangen die gefährlichen Chemikalien des Tabaks
und die Schadstoffe, die in den Stummeln zurückbleiben, über die falsche
Entsorgung direkt in die Umwelt. „Wie giftig der Rauch für den Menschen
ist, wurde schon untersucht. Kaum aber, wie die Gewässer und
Wasserorganismen durch die potenziell giftigen Chemikalien der Zigaretten
bedroht werden“, so der 45-jährige Nichtraucher.
An der UDE möchte der gebürtige Iraner bei Professor Torsten C. Schmidt in
der Analytischen Chemie bis 2023 mit Unterbrechung neun Monate lang
untersuchen, welche und wie viele aromatische Amine aus den Glimmstängeln
ins Wasser übergehen. „Außerdem möchte ich untersuchen, ob die
weggeworfenen Zigaretten samt den darin enthaltenen Stoffen die
Wasserressourcen bedrohen und werde dazu Proben aus der Ruhr nehmen.“
Stipendiat Sina Dobaradaran hofft, dass seine Ergebnisse in politische
Entscheidungen einfließen, wenn es um die Umsetzung nachhaltiger
Entwicklungsziele geht.
