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Wann sollten Straßen umbenannt werden?

Goethe und Schiller gelten als zwei der bedeutendsten Dichter der deutschen Geschichte. Kein Wunder also, dass sie die beiden vordersten Plätze in der Liste der am meisten nach Personen benannten Straßen in Deutschland belegen.  Michael Hitzek
Goethe und Schiller gelten als zwei der bedeutendsten Dichter der deutschen Geschichte. Kein Wunder also, dass sie die beiden vordersten Plätze in der Liste der am meisten nach Personen benannten Straßen in Deutschland belegen. Michael Hitzek
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Goethe und Schiller gelten als zwei der bedeutendsten Dichter der deutschen Geschichte. Kein Wunder also, dass sie die beiden vordersten Plätze in der Liste der am meisten nach Personen benannten Straßen in Deutschland belegen.  Michael Hitzek
Goethe und Schiller gelten als zwei der bedeutendsten Dichter der deutschen Geschichte. Kein Wunder also, dass sie die beiden vordersten Plätze in der Liste der am meisten nach Personen benannten Straßen in Deutschland belegen. Michael Hitzek

Masterarbeit: Absolventin der Ostbayerischen Technischen Hochschule
Regensburg (OTH Regensburg) hat ein Handlungskonzept zur Überprüfung von
Straßennammen erarbeitet.

Was soll eine Stadt tun, wenn eine Person, nach der eine Straße benannt
wurde, als Akteur*in des Nationalsozialismus enttarnt wird? Oder wenn
Orte, die an kolonialistische Bestrebungen Deutschlands erinnern, als
Namensgeberinnen eines Platzes oder einer Gasse fungieren? Dies sind
Fragen, die in aktuelle gesellschaftliche Debatten um die (Um-)Benennung
von Straßen einmünden, und mit denen sich aktuell auch die Stadt
Regensburg beschäftigt. Nelly Klein, ehemalige Masterstudentin an der
Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), hat ein
Handlungskonzept zur Überprüfung der Regensburger Straßennamen erarbeitet.

„Erarbeitung eines Handlungskonzepts zur Überprüfung der Regensburger
Straßennamen auf koloniale, nationalsozialistische und anderweitig
belastende Zusammenhänge“ heißt die Masterarbeit von Nelly Klein, die im
Studiengang „Soziale Arbeit – Inklusion und Exklusion“ entstanden und von
Prof. Dr. Clarissa Rudolph und Prof. Dr. Philip Anderson an der Fakultät
Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaftenbetreut worden ist.

Straßennamen, so hat Nelly Klein herausgearbeitet, haben vor allem zwei
Funktionen: sie dienen der Orientierung und dem Gedenken. Letzteres ist
als Bestandteil eines kollektiven und kommunikativen Gedächtnisses einer
Gesellschaft zu verstehen. Somit könnte man Straßennamen als einen Spiegel
der Geschichte betrachten, in dem sich städtisches Erinnern dokumentiert,
weshalb eine Umbenennung Stadtgeschichte zerstört oder unsichtbar macht.
Allerdings verweist Nelly Klein mit Saskia Handro darauf, dass es dabei um
„historisch gewachsene politische Machtstrukturen und Modi der Ausgrenzung
und Integration gesellschaftlicher Gruppen aus dem symbolischen Haushalt
städtischer Ehrungen“ handelt. So wird deutlich, an wen sich eine
Gesellschaft erinnern will, wer zum Kanon wichtiger Persönlichkeiten
gehört und wer die Macht hat(te), diesen Kanon zu definieren. „Dass sich
dies im Laufe der Zeit verändert, macht den Wandel von Gesellschaft
deutlich und zeigt die Möglichkeit auf, sich aktiv mit der globalen, der
nationalen und der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen“, sagt Prof. Dr.
Clarissa Rudolph. Denn es hat sich ein breiter Konsens etabliert, dass
öffentliches Gedenken nicht dazu beitragen darf, Personen oder Taten zu
ehren, die andere Menschen oder soziale Gruppen diskriminieren oder die
die nationalsozialistische Vergangenheit relativieren.

In diesem Kontext sind die kommunalen Überlegungen zu verstehen, sich mit
den Straßennamen der Stadt auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung kritisch
zu reflektieren. Allerdings sind diese Prozesse der Überprüfung von
Straßennamen meistens komplizierte und langwierige Prozesse, deren
Ergebnis selbst bei belasteten Personen oder Orten nicht zwangsläufig eine
Umbenennung sein muss. Auch Möglichkeiten der Kontextualisierung durch
eine erklärende Gedenktafel oder durch digital aufgearbeitete
Straßenkarten und geschichtliche Einordnungen können einen sinnvollen
Umgang mit belasteten Straßennamen darstellen. Wichtig ist, dass ein solch
aktiver und diskursiver Prozess, der durchaus länger dauern kann, unter
Einbezug sowohl von Expert*innen als auch von Mitgliedern der Zivil- und
Stadtgesellschaft stattfindet. Das von Nelly Klein vorlegte Konzept für
einen solchen Prozess in Regensburg geht auf die differenzierte
Auseinandersetzung mit den theoretischen Hintergründen und Erfahrungen
anderer Kommunen zurück und entwickelt einen konkreten Vorschlag zur
Umsetzung. Dabei liegt die Herausforderung darin, ein solches Projekt, wie
Geschichte überhaupt, nicht als abgeschlossen zu betrachten, sondern als
Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung einer offenen Stadtgesellschaft
mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen: Wer wollen wir
sein und wo wollen wir uns verorten?

Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bezeichnet
Nelly Kleins Masterarbeit als „wichtigen Meilenstein“ in der Debatte vor
Ort. 900 von 1.300 Straßen in Regensburg müssten noch überprüft werden,
400 Straßennamen wurden bereits als eindeutig unbelastet eingestuft.
Letztlich soll eine Expertenkommission Vorschläge erarbeiten, wie mit
jedem einzelnen der belasteten Namen am besten zu verfahren ist.