Architektur: FHWS-Student wird mit BDA Preis Bayern in der Kategorie Studienpreis ausgezeichnet
Moritz Hahn beschäftigt sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Thema
„Ideal: Zur ethischen Kritik der Architektur“
Eine kluge Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik in der Architektur: Für
diese Leistung wird der FHWS-Absolvent Moritz Hahn mit dem diesjährigen
BDA Preis Bayern 2022 ausgezeichnet. Er studierte Architektur an der
Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Der BDA Studienpreis Bayern wird zum 25.
Mal in München verliehen, 14 Projekte der 131 Einsendungen sind prämiert
worden. Der vom BDA Bayern seit 1967 ausgelobte Ehrenpreis ist einer der
renommiertesten Architekturpreise landesweit. In diesem Jahr wurde nicht
nur die hohe Qualität der Architektur, sondern auch ein verantwortlicher
Umgang mit Ressourcen und eine vorausschauende Planung für zukunftsfähige
Gebäude mit langer Nutzungsdauer, neben dem erfolgreichen Zusammenwirken
von Bauherrinnen und Bauherren sowie Architektinnen und Architekten
gewürdigt. Das Thema lautete „Alles gleich, aber alles anders“. Nach
Julius Bentele, FHWS, der 2019 mit dem BDA Nachwuchspreis ausgezeichnet
wurde, ist Hahn der zweite Absolvent, der mit dem Preis des bundesweit
ältesten Architekturberufsverbandes ausgezeichnet wird.
Die Jury entschied sich einstimmig für Moritz Hahns Bachelorarbeit zum
Thema „Ideal: Zur ethischen Kritik der Architektur“, betreut von Prof.
Wolfgang Fischer und Albert Dischinger. „Die Bachelorarbeit“, so ein
Auszug aus der Jurybeurteilung, „ist eine kluge Auseinandersetzung mit
einer anspruchsvollen Fragestellung. Voller Neugier nähert sich Moritz
Hahn dem Thema Ethik in der Architektur. Er stellt Fragen, die sich sicher
viele Architektinnen und Architekten im Studium und im Beruf stellen. Wie
beispielsweise. `Wer trägt die Verantwortung für ein Gebäude?`, `Was
bedeutet nachhaltiges Bauen?` und `Dürfen wir verschwenden?` Dazu sammelt
und reflektiert der Absolvent Aussagen unterschiedlicher Protagonistinnen
und Protagonisten der Szene und legt seine explorativen Gedankengänge
offen, denen man gerne und mit Interesse folgt. (…) Die große Leistung
dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung, das Schaffen eines Überblicks
und das Anregen einer Diskussion, die sowohl in der Ausbildung, als auch
in der Praxis – leider – kaum oder gar nicht vorkommt.“
Der Studienpreis (vormals Nachwuchspreis) wurde zum dritten Mal im Rahmen
des „BDA Preis Bayern 2022“ vergeben, der von der Präsidentin der
Bayerischen Architektenkammer, Prof. Lydia Haack, überreicht wurde: „Wir
brauchen alle kreativen Köpfe, um den kommenden Herausforderungen
gemeinsam zu begegnen. Die Zusammenarbeit von Berufsstand, Universitäten
und Hochschulen ist dabei mitentscheidend, denn an der Schnittstelle von
Praxis, Forschung und Ausbildung entstehen wichtige Impulse für
Erneuerung!“
Auszug aus der prämierten Bachelorarbeit
„Braucht es in der alltäglichen Architekturpraxis moralische Überlegungen?
Stehen Architektinnen in einer ethischen Verpflichtung? Wer hat Recht? Was
müssen wir buchstäblich in Stein meißeln? Brauchen wir Ideale?
Wer sich auf solchen Fragen keine Antworten zusammenreimen kann, sei
vertröstet – das konnte beziehungsweise kann ich auch nicht. Deshalb
beginnen wir bei null. Dem Wunsch und Anspruch folgend, eine fundierte
persönliche Position zu beziehen, stellte ich mich in meiner Thesis diesen
und weiteren Fragen. Mit dem Ziel, effektive Ansätze für eine
wirkungsvolle und sinnhafte Architekturproduktion zu identifizieren und
Gestaltung mit Moralphilosophie auf einen Nenner zu bringen.
Denn obwohl Architektinnen und Gestalterinnen aller Art seit jeher
Mitspracherecht bei Wertefragen für sich beanspruchen, sind diese
Diskussionen oft sehr unscharf sowie höchst abhängig von Zeitgeist,
persönlicher Überzeugung oder lediglich dem individuellen Geschmack.
Es wird über 'das Schöne', 'das Richtige', 'das Gute' gesprochen. Nicht
zuletzt in den heiligen Hallen der Architekturfakultäten wird im Zuge
solcher Wertezuschreibungen mit allerhand wohlklingenden und mehr oder
weniger schlüssig begründeten Phrasen um sich geworfen. Hier wird jedoch
keineswegs von Schuld befreit der Zeigefinger erhoben, zumindest aber auf
ein paar offensichtliche Probleme hingedeutet: So manchem studierenden
oder praktizierenden Architekten fehlt es an Orientierung, nicht selten
auch an Rückgrat. Es öffnet sich eine große Kluft zwischen theoretischem
Diskurs und moralischen Überzeugungen auf der einen Seite und der
tatsächlichen Produktion unserer gebauten Umwelt auf der anderen.
Die selbst entwickelte Aufgabenstellung der Arbeit nähert sich dieser
Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis von verschiedenen Blickpunkten
ausgehend. Zwei Fotodokumentationen, eine statistische Sammlung, eine
Umfrage und dreizehn themenorientierte Essays fügen sich zu einem in
zwanzig Kapitel sortierten Gedankenspaziergang. Dabei wird für eine
relationale Neudefinition des Sammelbegriffs Architektur plädiert und
damit bewusst über eine gelebte, nicht mehr nur eine gebaute Umwelt
gesprochen.
Anstatt eigene Ideale voreilig zu veräußern oder in einen Entwurf zu
übertragen, wird Zeit und Raum für Introspektion und Erörterung gegeben.
Die Suche ist das Ziel und Naivität hat Vorfahrt. Architektur wird im
besseren Sinne des Wortes wieder etwas Fragwürdiges.“
