Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zeigt die ältesten Metallfunde Nordeuropas
Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg präsentiert die
sogenannten „Lüstringer Kupferfunde“ vom 11. - 27. März erstmalig in
Oldenburg der Öffentlichkeit. Das hohe Alter der Funde und die Fundregion
macht sie zur Sensation: Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass sie
über 5000 Jahre alt sind und es sich damit um die ältesten Metallfunde
Nordeuropas handelt. Wie alle Funde der Weser-Ems-Region werden sie in die
Sammlung des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg aufgenommen.
Die einzigartigen Funde wurden bereits im Jahr 2016 in Osnabrück-
Lüstringen durch einen ehrenamtlichen Sondengänger bei der Begehung einer
geplanten Baustelle entdeckt. Der gesamte Komplex wurde als sogenannte
Blockbergung von der Stadtarchäologie Osnabrück geborgen und unter
Laborbedingungen in der Restaurierungswerkstatt „ausgegraben“. Die
Computertomografie des Blocks zeigte eine Axt, eine sogenannte
Knaufhammeraxt des 4. Jahrtausend vor unserer Zeit. Sie wird wegen der
charakteristischen Form so bezeichnet. Darunter zeigten sich drei zwischen
25 und 30 cm langen mondsichelförmigen Ringe aus flachem Blech. Diese
Ringe werden als „kleine Monde“ (Lunulae) bezeichnet. Meistens sind sie
aus dünnem Goldblech, Bronze – wie hier in Oldenburg – oder sogar aus
Schiefer hergestellt. Die aufgerollten Enden legen eine Nutzung als Hals-
oder Brustschmuck an einer Schnur nahe. Eine Sensation ist das hohe Alter
der Funde und die Fundregion. Liegt doch das Hauptverbreitungsgebiet
vergleichbarer Funde in Südosteuropa und dem ostalpinen Raum und nicht in
Norddeutschland. Zeitlich gehören sie in die Zeit von 3300 bis 3000 vor
unserer Zeit, sie sind also über 5000 Jahre alt. Archäologisch ist das die
Zeit der so genannten Trichterbecherkultur, die nach ihren
charakteristischen trichterförmigen Gefäßen so benannt wurde. Diese
Menschen der Jungsteinzeit (archäologisch: Neolithikum) errichteten die in
unserer Region so bekannten Großsteingräber, so genannte Megalithgräber
und verwendeten eigentlich kein Metall. Der bisher einzige bekannte
Metallfund aus dieser Zeit und Region ist ein kleines Kupferblech aus dem
Großsteingrab von Kleinenkneten. Es wurde vom Museum in den 1930er Jahren
ausgegraben und ist in der Dauerausstellung im Landesmuseum Natur und
Mensch zu sehen.
Technologietransfer, Handel, Tausch oder Mitbringsel?
Die Kenntnisse einer so hochentwickelten Metallverarbeitung stammen aus
dem Karpatenbecken, Vorderasien und Ägypten wo schon vor 8000 Jahren
hochwertige kupferne Gegenstände angefertigt wurden. Metallanalysen können
helfen, den technologischen Fortschritt in der Bronzeherstellung zu zeigen
und die Herstellungsregionen einzugrenzen.
Die Funde werden nach ihrer Präsentation in Oldenburg zunächst ab dem 1.
April 2022 als ein Highlight in der Ausstellung „Die Erfindung der Götter“
im Landesmuseum Hannover gezeigt.
