BIO-GEEC: Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt in Ecuador
Unzählige bislang noch unbekannte Tierarten leben in den Nebelwäldern und
im Tropenwald Ecuadors. Doch ihr Lebensraum schrumpft rapide. Das deutsch-
ecuadorianische Forschungsprojekt BIO-GEEC etabliert unter Beteiligung des
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) Maßnahmen
zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Ökosysteme. In enger
Zusammenarbeit haben Forschende unterschiedlicher Disziplinen in der
ersten Phase des Projektes einen großen Schritt zum
Biodiversitätsmonitoring und zum Schutz der Artenvielfalt in Teilen
Ecuadors getan.
Ecuador gehört zu den artenreichsten Ländern der Erde und ist Teil zweier
Biodiversitäts-Hotspots, des pazifiknahen Berggebietes Choco und der
Anden. Der Anteil endemischer Arten ist hier besonders hoch. Doch leiden
Flora und Fauna extrem unter Entwaldung und einer starken Fragmentierung
der natürlichen Lebensräume. Wo früher artenreiche Wälder standen, findet
sich heute Plantagen- und Landwirtschaft. Im Rahmen des German-Ecuadorian
Biodiversity Consortium (BIO-GEEC) wurde in den vergangenen drei Jahren
eine Basis für umfassende Schutzmaßnahmen geschaffen. Erste
Forschungsprojekte konnten umgesetzt und wissenschaftliche Infrastrukturen
aufgebaut werden.
Ein enges deutsch-ecuadorianisches Netzwerk mit neun beteiligten
Forschungseinrichtungen engagiert sich dank BIO-GEEC inzwischen für die
Ökosystemforschung, den Umweltschutz und Anwendungen in der nachhaltigen
Landschaftsnutzung. Weitere Rahmenbedingungen für den Verbraucherschutz,
die Arbeit des Zolls und die Gesundheitsvorsorge werden aktuell
geschaffen. Erweitert wird dieses Netzwerk durch ecuadorianische
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die sich im Zuge von
BIO-GEEC in wissenschaftlichen Methoden und Inhalten sowie in Feld- und
Laborarbeit fortbilden können. Mit ihnen fließt das Wissen in Unternehmen
und die Forschung, in staatliche Einrichtungen und die Politik.
„Wir haben viel in diesen drei Jahren erreicht und hoffen, dass es weiter
geht“, zieht Dr. Danilo Harms, Sektionsleiter Spinnentiere im LIB, Bilanz.
An der Seite der Botanikerinnen und Botaniker des Nees Instituts der
Universität Bonn, die vornehmlich die Hochlandsteppe der Anden mit ihrem
Ökosystem Páramo untersuchen, hat er zusammen mit Nadine Dupérré,
Sammlungsmanagerin Arachnologie, und Dr. Lars Podsiadlowski,
Wissenschaftlicher Leiter des Molekularlabors im LIB, die Forschung und
Forschungsinfrastruktur auf dem Gebiet der Spinnentiere in Ecuador
vorangetrieben.
Mit Hilfe von DNA-Barcodes und Methoden der morphologischen
Identifizierung legten die am Projekt beteiligten deutschen und
ecuadorianischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Datenbank
der Spinnentiere (Spinnen, Skorpione und ihre Verwandten) Ecuadors an.
Diese kann von Forschenden, Studierenden und Mitarbeitenden in
Naturschutzgebieten Ecuadors für angewandte Projekte genutzt werden.
Darüber hinaus werden DNA-Sequenzen und Fotos der Tiere über die neu
etablierte Web-App EcBioDiv (Ecaudorian Biodiversity) zur Verfügung
gestellt.
Mit der Erfassung der Spinnentiere wollen die Forschenden ein besseres
Verständnis für die Vielzahl der Arten und ihrer Lebensräume erhalten und
damit einen Beitrag zum Naturschutz in Ecuador leisten. Gleichzeitig haben
sie die Grundlagen für praktische Anwendungen, wie beispielsweise die
Analyse von Spinnentier-Giften, geschaffen. In Rückgriff auf eine Biobank
für Giftproben sollen die wichtigsten Charakteristika erforscht und die
Bevölkerung über relevante Arten und ihre Gifte in Ecuador informiert
werden.
Zur schnelleren und kostengünstigeren Genanalyse stellten die deutschen
Partner den ecuadorianischen Instituten hochentwickelte Pipelines für DNA-
Barcodierung von Pflanzen und Mikroben sowie Tieren bereit. Insgesamt
sammelten und identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
im Rahmen von BIO-GEEC circa 2.500 Spinnentier-Proben. Sieben neue
Vogelspinnenarten haben die Arachnologen während der ersten Phase des
Projektes bereits beschrieben. Weitere sollen folgen.
Denn während die drei Spinnentierarten Ecuadors, die für uns Menschen
hochgefährliche Gifte produzieren, bereits erforscht sind, wie die braune
Einsiedlerspinne (Loxosceles, Blutgifte), die Bananenspinne (Gattung
Phoneutria, Nervengifte) und der Dickschwanzskorpion (Gattung Tityus,
Neurotoxine), sind die Gifte vieler anderer Spinnentiere in Ecuador
gänzlich unbekannt. Daher wurden im Zuge des BIO-GEEC Projektes 300
Giftproben von 20 verschiedenen Skorpion- und Spinnenarten genommen, die
nun weiter mit Biochemikerinnen und Biochemikern an der Universität
Hamburg analysiert werden sollen.
„Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden unterschiedlicher
Disziplinen und Länder ist die Projektarbeit der Zukunft“, betont Harms.
„Expertinnen und Experten aus Ecuador und Deutschland haben unter einer
Zielsetzung eng zusammengearbeitet, jeder hat sein Spezialwissen
eingebracht und geteilt. Wir haben die Basis gelegt, um zukünftig
gemeinsam die Lebensräume in Ecuador zu erforschen und besser schützen zu
können.“
BIO-GEEC wird finanziert durch den „Deutschen Akademischen Austausch
Dienst“ (DAAD) und die „Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit” (GIZ) und in enger Zusammenarbeit mit dem ecuadorianischen
„Instituto Nacional de Biodiversidad” (INABIO) umgesetzt.
