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Stipendiatin der Humboldt-Stiftung forscht am Historischen Institut in Greifswald

Dr. Indravati Félicité  Foto: Jan Reinicke
Dr. Indravati Félicité Foto: Jan Reinicke
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Dr. Indravati Félicité  Foto: Jan Reinicke
Dr. Indravati Félicité Foto: Jan Reinicke

Die französische Wissenschaftlerin Dr. phil. habil. Indravati Félicité hat
im Januar 2022 einen achtmonatigen Forschungsaufenthalt an der Universität
Greifswald begonnen. Im Rahmen eines Humboldt-Forschungsstipendiums für
erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist sie bei Prof. Dr.
Dr. h. c. Michael North am Historischen Institut zu Gast. Sie forscht zum
Thema „Nordeuropa und der Orient bei der Entstehung der modernen Theorie
der internationalen Beziehungen (16.–18. Jahrhundert)“.

Indravati Félicité ist seit 2016 maîtresse de conférences in Geschichte
der frühen Neuzeit an der Université de Paris. Sie promovierte 2012 an der
Sorbonne in Geschichte. 2021 habilitierte sie sich ebenfalls an der
Sorbonne in Geschichte. Ihre Habilitationsschrift trug den Titel „Le
‚vieil Empire‘ face au monde. 1454–1806“ (Das „Alte Reich“ und die Welt,
1454–1806). Darin untersucht sie die globalen Verflechtungen des Heiligen
Römischen Reichs und bringt dieses Reich zurück ins Zentrum der Imperial
Studies.

Ihre Dissertation erschien 2016 unter dem Titel „Négocier pour exister.
Les villes et duchés du nord de l’Empire face à la France 1650–1730“ in
französischer Sprache in der Reihe „Pariser Historische Studien“ des
Deutschen Historischen Instituts Paris bei De Gruyter-Oldenburg.
Anschließend veröffentlichte der Böhlau-Verlag eine deutsche Fassung
(übersetzt von Markus Hiltl) unter dem Titel „Das Königreich Frankreich
und die Norddeutschen Hansestädte und Herzogtümer: Diplomatie zwischen
ungleichen Partnern“. Darin analysiert sie unter anderem die Diplomatie
und Außenpolitik von Mecklenburg-Schwerin, Schleswig-Holstein-Gottorp,
Lübeck, Bremen und Hamburg und zeigt, dass deren Teilnahme am
diplomatischen Konzert nicht nur geduldet, sondern auch strukturell
wichtig sowohl für ihr eigenes Überleben als auch für die europäischen
Großmächte war. Durch diese Forschungen zu den europäischen und weltweiten
Verflechtungen der norddeutschen Stände des Heiligen Römischen Reichs ist
sie vor einigen Jahren in Paris in Kontakt mit Professor Michael North
getreten. Bei ihrem derzeitigen, von der Humboldt-Stiftung unterstützten
Projekt am Historischen Institut der Universität Greifswald, handelt es
sich um eine Neubewertung und Neudefinition des frühen Orientalismus (17.
Jahrhundert). Anhand von Quellen aus den Archiven in Pommern (Greifswald,
Stralsund und andere) soll die Vorstellung revidiert werden, dass sich ab
Mitte des 17. Jahrhunderts eine diplomatische Ordnung in der Welt
ausbreitete, die sich an Regeln orientierte, die auf dem europäischen
Kontinent von imperialen Mächten oder solchen, die es werden wollten,
isoliert ausgearbeitet und ausgehandelt wurden.

Der Forschungsstandort Greifswald eignet sich sehr gut für ein solches
Projekt, wie zum Beispiel die Anstellung von Professoren für orientalische
Sprachen durch die hiesige Universität ab 1650, aber auch die Integration
der Kaufleute der Region in dem Handel nach Asien, bezeugen. In mehreren
Archivzentren der Region befinden sich Akten zu dieser frühen Öffnung des
Ostseeraums zur außereuropäischen Welt. Über den Aufenthalt in Greifswald
hinaus möchte Indravati Félicité die institutionellen Kontakte zwischen
der Universität Greifswald und der Université de Paris, zwischen denen ein
Erasmus-Austausch bereits besteht, wiederbeleben.

Weitere Informationen

Die Alexander von Humboldt-Stiftung <https://www.humboldt-
foundation.de/web/start.html> ermöglicht jährlich über 2000 Forscherinnen
und Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in
Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 30 000
Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 55
Nobelpreisträger.

Mit den Humboldt-Forschungsstipendien für erfahrene Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung
überdurchschnittlich qualifizierten Wissenschaftlern aus dem Ausland, die
ihre Promotion vor nicht mehr als zwölf Jahren abgeschlossen haben,
langfristige Forschungsaufenthalte in Deutschland (6 bis 18 Monate)
einzugehen.