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Grundwasser: BfG macht unsichtbaren Schatz sichtbar

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Ausbleibende Niederschläge, steigende Temperaturen, erhöhte
Nährstoffeinträge – Einflüsse, die unsere Grundwasserressourcen immer mehr
belasten. Die Vereinten Nationen (VN) stellen daher den diesjährigen
Weltwassertag am 22. März unter das Motto „Unser Grundwasser: der
unsichtbare Schatz“. Zusammen mit den VN lenkt die BfG die Aufmerksamkeit
auf diese kostbare Ressource: Im BfG-Podcast „GewässerWissen“ geht es an
die Mosel auf Spurensuche. Außerdem zeigen wir, welche Folgen der
Klimawandel auf unsere Grundwasservorräte hat.

Grundwasser ist für Mensch und Natur lebensnotwendig und dauerhaft
schützenswert. Zum einen als Trinkwasserreservoir: In Deutschland stammen
laut Umweltbundesamt 74 % des Wassers in unseren Leitungen aus dem
Grundwasser. Zum anderen wird Grundwasser von der Landwirtschaft in
Anspruch genommen, wenn es in niederschlagsarmen Monaten – also
insbesondere im Sommer –zur Bewässerung der landwirtschaftlich genutzt
wird. Aber auch Industrie und Gewerbe zapfen das Grundwasser an. Die
Gesellschaft insgesamt profitiert also von einem gefüllten und
schadstoffarmen Wasserspeicher im Boden. Die Nutzer stehen aber
gleichzeitig durch verschiedene Bundesregelungen, wie zum Beispiel die
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung, in der Pflicht, diesen
unsichtbaren Schatz zu schützen.

Den Transport von Stoffen besser verstehen

Dennoch ist das Grundwasser einigen Belastungen ausgesetzt. Zum einen ist
die Entnahme vielerorts größer als die Menge, die dem Boden durch zum
Beispiel Niederschlag wieder zugeführt wird. Zum anderen ist der Eintrag
von Nähr- und Schadstoffen in einigen Regionen noch immer hoch, und hier
besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten.

Wie diese Nähr- aber auch Schadstoffe mit dem Wasser transportiert und in
unser Grund- und Oberflächenwasser gelangen, damit beschäftigt sich das
BfG-Projekt OGIMo – Interaktionen zwischen Oberflächenwasser und
Grundwasser entlang von Bundeswasserstraßen am Beispiel der Mosel. Die
BfG-Wissenschaftler/-innen untersuchen die Wege der Stoffe durch den Boden
in die aquatische Umwelt. Besonders interessant dabei: Welche Bedeutung
hat dabei die Wechselbeziehung zwischen Oberflächen- und Grundwasser im
Bereich des Flusses?

BfG-Podcast geht auf Spurensuche

Neugierig geworden? Dann hören Sie doch einfach mal rein in den neuen BfG-
Podcast GewässerWissen und erfahren Sie mehr über OGIMo. In der Folge
„Spurensuche“ berichtet Podcast-Host Martin Labadz über neue Methoden, um
herauszufinden, wie und wo Oberflächen- und Grundwasser miteinander
verbunden sind. Gehen Sie mit ihm an Bord des Forschungsbootes der BfG,
der Tinca, und seien Sie dabei, wenn Projektkoordinator Dr. Simon Mischel
die Radonkonzentration in der Mosel misst. Und begleiten Sie Dr. Dirk
Radny zu einer Grundwassermessstelle in einem Weinberg. Der Hydrogeologe
und Mitinitiator des OGIMo-Projektes erklärt unter anderem, wie eine
Grundwasserprobenahme abläuft und wie man die Höhe des Grundwasserspiegels
bestimmt, der einem sagt, wie tief unter den Füßen eigentlich das
Grundwasser „fließt“.
Zum BfG-Podcast „GewässerWissen“ geht es hier:
https://www.bafg.de/DE/05_Wissen/04_Pub/06_Podcast/podcast_node.html

Grundwasserneubildung: Ein wichtiges Maß für den Wasserhaushalt

Einen entscheidenden Einfluss darauf, wieviel Wasser im Untergrund im
Porensystem der Gesteine und Sedimente unserer Landschaften gespeichert
ist, hat die Grundwasserneubildung (GWN). Diese zeigt an, wieviel „neues“
Wasser aus dem Niederschlag über den Boden in das Grundwasser gelangt. In
den Wintermonaten ist die GWN entscheidend für das Auffüllen der
Grundwasservorräte. Diese tragen in den trockenen Sommermonaten dazu bei,
den Basisabfluss zu stützen. Je nach Region erfolgt dies über mehrere
Monate hinweg.

Gemessen wird die GWN direkt nur an wenigen Standorten in Deutschland.
Indirekt wird sie unter anderem mithilfe von computergestützten
Wasserhaushaltsmodellen bestimmt. In diesen mathematischen Modellen können
alle wichtigen Komponenten des Wasserkreislaufs, also Niederschlag,
Abfluss, Verdunstung, Speicherung und Entnahme, simuliert und bestimmt
werden. In der BfG kommt dafür das Modell LARSIM-ME (Large Area Runoff
Simulation Model für Mitteleuropa) zum Einsatz. Dieses berücksichtigt alle
deutschen Flusseinzugsgebiete inklusive der internationalen
Flussgebietsanteile und deckt dabei eine Fläche von insgesamt 800.000 km2
ab. Mit der Modellierung ergänzt die BfG ihren Auftrag des
Bundesumweltministeriums zum Wasserhaushaltsmonitoring. „Unsere
Modellergebnisse zeigen, dass besonders innerhalb der letzten zehn Jahre
die GWN überwiegend unter dem langjährigen Durchschnitt lag“, erklärt
Peter Krahe. Der Diplom-Meteorologe ist Teil des Experten-Teams, das sich
mit der Wasserhaushaltsmodellierung in der BfG beschäftigt.

Grundwasserneubildung und der Klimawandel

Wie wird sich die Grundwasserneubildung und folglich der für die
Flusswasserstände wichtige Basisabfluss in Zukunft gerade auch in Bezug
auf den Klimawandel entwickeln? Um dieser Frage nachzugehen, erstellen die
BfG-Experten/-innen hydrologische Zukunftsbilder, sogenannte Projektionen
mit den Klimaszenarien des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on
Climate Change). Diese Arbeit ist Teil des Basisdienstes "Klima und
Wasser", der durch die BfG gemeinsam mit weiteren Fachbehörden des Bundes
betrieben wird. Der Dienst ist für jedermann nutzbar und bietet auch
persönliche Beratung rund um die Themen "Klimawandel" und "Wasser".