Vor tiefgreifender Transformation“ DBU-Online-Salon zur Energiewende im globalen Süden
Der Ruf nach einem erheblichen Ausbau erneuerbarer Energien
(EE) wird stärker und hat nach Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine
zusätzlichen Aufwind erhalten. Ein Gamechanger für einen EE-Ausbau könnte
der globale Süden werden – vor allem mit Hilfe von Abgeordneten dort in
Kommunal- und Landesparlamenten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
stellt in ihrer DBU-digital-Reihe in einem Online-Salon ein von ihr
gefördertes Parlamentarier-Netzwerk vor, das mehr als eine Energiewende im
globalen Süden erreichen will: Regenerative Energien sollen sozial gerecht
wirken und Wertschöpfung vor Ort schaffen. DBU-Generalsekretär Alexander
Bonde: „Sonne, Wind und Wasser im globalen Süden werden so zu einem Win-
Win: globalen Treibhausgas-Emissionen sinken, neue Jobs entstehen, Armut
nimmt ab.“
Bonde: Notwendig ist eine nachhaltigere, unabhängigere Energieversorgung
„Wir stehen vor einer tiefgreifenden Transformation“, so Bonde weiter.
Notwendig sei eine „nachhaltigere, unabhängigere Energieversorgung“.
Weltweite Macht- und Rohstoffkonflikte und auch der Ukraine-Krieg lassen
nach seinen Worten daran keinen Zweifel mehr. Zugeschaltet sind beim
erstmals rein englischsprachigen DBU-Online-Salon morgen (Dienstag) von 13
bis 14:30 Uhr Gäste aus den Philippinen und Costa Rica. Fragen zu
Verzahnungen zwischen Energiewende und globaler Gerechtigkeit widmet sich
das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“. Eine Teilnahme am Online-
Salon „Working together for a Just Energy Transition in the Global South“
ist möglich unter: https://www.dbu.de/@OnlineSalo
Weltweites Abgeordneten-Netzwerk Global Renewables Congress (GRC)
Zur Sprache kommen das von der DBU geförderte weltweite Abgeordneten-
Netzwerk Global Renewables Congress (GRC) für erneuerbare Energien sowie
das Folgeprojekt, eine sozial gerechte Energiewende voranzutreiben (just
energy transition). Bonde: „Nach der Netzwerk-Gründung wollen wir
gemeinsam mit den Parlamentarierinnen und Parlamentariern des globalen
Südens ausloten, wie Pläne zum EE-Ausbau in Gesetze münden können.“
Leitgedanken seien „globale Lösungen durch lokales Handeln auf
wissenschaftlicher Basis“. Dazu gehören laut Bonde entsprechendes Know-How
im globalen Süden und fachlicher internationaler Austausch.
Höhn: Jetzt die Weichen für erneuerbare Energien stellen und auf
Kohleeinstieg verzichten
GRC-Vorsitzende ist Bärbel Höhn, derzeit Energiebeauftragte für Afrika des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
sowie Ex-Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen. Viel Zeit für eine
sozial gerechte Energiewende im globalen Süden bleibt nicht, meint Höhn.
Jetzt sei der Moment, „um die Weichen für erneuerbare Energien unter
Verzicht auf einen Kohleeinstieg in den Ländern des globalen Südens zu
stellen“. Denn viele Länder etwa in Asien seien „gerade in den
Startlöchern, massiv in Kohlestrom zu investieren“. Auch in Afrika planen
Höhn zufolge viele Länder mit Kohle oder Gas. „Alle merken aber, dass sich
durch Lieferengpässe wegen der Corona-Pandemie und nun nach dem
Angriffskrieg Russlands in der Ukraine Gas, Kohle und Öl massiv verteuern.
Der Wind und die Sonne stehen jedoch preiswert zur Verfügung; durch den
Ausbau werden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen, die eigene
Energieunabhängigkeit wird gestärkt.“
Fehler der westlichen Industriestaaten vermeiden
Höhn setzt große Hoffnung in den neuen GRC, weil in diesem Netzwerk
Parlamentarierinnen und Parlamentarier unterschiedlicher Parteien aus
National- und Regionalparlamenten in Afrika, Asien und den USA mitmachen.
Man wolle „im besten Sinn Überzeugungsarbeit leisten: dass es nämlich
nicht nur klimafreundlicher, sondern auch kostengünstiger ist, den EE-
Ausbau voranzutreiben, statt in Kohlekraftwerke zu investieren“. Es geht
laut Höhn nicht darum, den Ländern des globalen Südens Lektionen zu
erneuerbaren Energien zu erteilen. Vielmehr sollten gemeinsam mit den
Abgeordneten solcher Staaten auf Basis internationaler und
interdisziplinärer Expertise EE-Möglichkeiten erörtert werden – „um in
diesen Ländern die Fehler der westlichen Industriestaaten zu vermeiden,
die zu lange bei der Energieversorgung auf Kohle-, Gas- und Atomkraft
gesetzt haben“.
Völlig neue Optionen für das tägliche Leben
Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Ländern des globalen Südens sei
„ein hervorragendes dezentrales Instrument“, das vielen Bürgerinnen und
Bürgern vor Ort zugutekomme, so Höhn. „In Afrika hat die Hälfte der
Bevölkerung keinen oder kaum Zugang zu Strom. Und von dieser Hälfte der
Bevölkerung leben wiederum fast 90 Prozent auf dem Land.“ Durch Strom
könnten die Menschen ihre Lebenssituation erheblich verbessern, sie hätten
„plötzlich völlig neue Optionen, ihr tägliches Leben zu gestalten; sie
können zum Beispiel Wasser fördern, Getreide mahlen, Gemüse und Obst
trocknen oder Fische und Medikamente kühlen, kurz: Arbeitsplätze schaffen,
Einkommen generieren und Armut überwinden“, sagt die GRC-Vorsitzende.
Fotos nach IPTC-Standard zur kostenfreien Veröffentlichung unter
www.dbu.de.
Wann immer das generische Maskulinum verwendet wird, dient dies lediglich
der besseren Lesbarkeit. Gemeint sein können aber alle Geschlechter.
