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Geothermieportal für die Wärmewende in Deutschland: Projekt zur Erweiterung von GeotIS gestartet

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Das Geothermische Informationssystem GeotIS des Leibniz-Instituts für
Angewandte Geophysik (LIAG) bietet mit zahlreichen Daten einen Überblick
über die tiefe Geothermie in Deutschland – zum Beispiel in Form von
Temperaturprognosen im Untergrund. Im Projekt ArtemIS ergänzen das LIAG,
die Georg-August-Universität Göttingen und die Technische Universität
Darmstadt GeotIS nun um die mitteltiefe Geothermie und machen die
Plattform für Fachfremde noch benutzerfreundlicher. 3-D-Untergrundmodelle
sollen zudem eine Abschätzung der geothermischen Leistung einer Dublette
in einer Region ermöglichen. Auch das E-Learning-Angebot wird erweitert.
Das BMWK fördert das Projekt mit rund zwei Millionen Euro.

Mit dem Verbundprojekt ArtemIS unterstützen die Kooperationspartner
kommunale Entscheidungsbefugte und Projektideen mit Daten und
Informationen über das Potenzial von tiefer und mitteltiefer Geothermie im
Rahmen einer Wärmewende. Das Projektteam, das mit fünf Stellen für das
LIAG bewilligt wurde, startet nun mit den Arbeiten.

Einbindung von Fündigkeitstypen, Künstlicher Intelligenz und Deep Learning

Die Forschenden planen viele detaillierte Erweiterungen. So sollen die
Daten für alle in Deutschland vorkommenden Fündigkeitstypen (Play Types)
der geothermischen Reservoire aufbereitet werden, um so regionale
Informationen über die besten Nutzungsmöglichkeiten – wie zum Beispiel der
Nutzung in Form von Fernwärme – zu bieten. Hierzu möchten die Forschenden
hypothetische 3-D-Untergrundmodelle generieren, die ein breites Spektrum
an geologischen Rahmenbedingungen abdecken. Damit würde es möglich sein,
mit GeotIS die geothermische Leistung einer Dublette innerhalb einer
Region abzuschätzen.

Ein weiterer, wichtiger Teil des Projekts umfasst die Erfassung und
Anpassung verifizierter Methoden der künstlichen Intelligenz und des Deep
Learnings zur Bohrdatenerfassung und -analyse. Damit soll der
Arbeitsaufwand bei der Erschließung von Bohrlochdaten zur
Reservoirparametrisierung langfristig reduziert werden. Ziel ist zudem,
das bestehende erste interaktive E-Learning-Portal zur Tiefen Geothermie
noch weiter auszubauen, und mit der mitteltiefen Geothermie zu erweitern.

Insgesamt arbeiten acht Geowissenschaftler*innen und Informatiker*innen
bis Ende 2024 an dem Projekt. Bereits seit 2006 wird GeotIS über
verschiedene Projekte und Aufbauvorhaben vom BMWK – Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz – gefördert.

Hintergrundinformationen

Über GeotIS
Das Geothermische Informationssystem vom LIAG ist deutschlandweit
einzigartig. Mehr als 30 000 Bohrungen bilden die Datengrundlage für
GeotIS, das damit ein einzigartiges Potenzial für weitere Forschung und
Publikationen bietet. Die Plattform umfasst überwiegend Ergebnisse aus
LIAG-Forschungsprojekten, Daten aus Erdöl-Erdgas-Bohrungen, aber auch
Geothermie-, Thermal- und Mineralwasserbohrungen sowie Bergbaubohrungen.
Sie enthält zusätzlich hydraulische Daten aus dem Fachinformationssystem
Kohlenwasserstoffe des LBEG, aus den Datenbeständen der Projektpartner
sowie dem „Hauptspeicher Bohrungsdaten“ aus der ehemaligen DDR.
Eingearbeitet sind zudem Temperaturdaten aus dem LIAG und Strukturdaten
aus diversen Kartenwerken von Projektpartnern.

Die Recherche-Oberfläche ermöglicht die dynamische Generierung von
interaktiven Karten, in denen Fachinformationen mit topographischen und
statistischen Daten kombiniert werden. Einen detaillierten Einblick in den
Untergrund bieten zudem dynamisch generierte Vertikal- und
Horizontalschnitte bis in eine Tiefe von 5000 Metern. GeotIS beinhaltet
zudem das Auskunftssystem „Geothermischen Standorte“ über tiefe
geothermische Anlagen in Deutschland, die sich in Betrieb oder im Bau
befinden.