Ressource Wasser wird knapp – auch in Deutschland: Handlungsempfehlungen an Politik und Wirtschaft
In vielen Teilen der Welt, so auch hierzulande, werden Wasserressourcen
und insbesondere Grundwasser-Reserven immer knapper. Dieses Thema steht
beim diesjährigen Weltwassertag der Vereinten Nationen am 22.3. im Fokus.
Der Ukraine-Krieg verschärft das Problem. Eine beschleunigte Energiewende
erfordert den nochmal verstärkten Einsatz teils wasserintensiverer
Technologien zur regenerativen Energieerzeugung. Forscher*innen haben nun
neue Instrumente entwickelt, damit dieser Herausforderung begegnet werden
kann.
Berlin, 21.03.2022. Wie lässt sich die wertvolle Ressource Wasser besser
erkunden, schützen und nachhaltiger nutzen? Dazu haben zwölf
Forschungsprojekte in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) geförderten Maßnahme „Globale Ressource Wasser (GRoW)“ neue, auch
digitale, Werkzeuge erschlossen und Analysen veröffentlicht. Die GRoW-
Gemeinschaft richtet nun folgende Handlungsempfehlungen an
Entscheider*innen aus Politik und Wirtschaft in Deutschland und aller
Welt:
Ressource Wasser bei Energiewende mitdenken
Technologien mit geringem bis keinem CO2-Ausstoß stehen im Fokus der
Energiewende. Sie verbrauchen teils jedoch enorme Mengen Wasser, das durch
den Klimawandel ohnehin knapper wird. Im GRoW-Projekt WANDEL haben sich
Wissenschaftler*innen mit der Frage befasst, wie viel Wasser für
verschiedene Formen der Energieerzeugung gebraucht wird und was das für
die Energiewende bedeutet. Diese Frage ist seit Ausbruch des Kriegs in der
Ukraine umso relevanter, denn eine Beschleunigung der Energiewende ist nun
noch dringlicher geworden - um das Klima zu schützen und um
energiepolitisch unabhängig zu werden. Die Forschenden haben weltweit die
Verfügbarkeit erneuerbarer Wasserressourcen berechnet und dieser geplante
Wasserentnahmen entgegengesetzt. Dazu bezogen sie auch 48.000 Standorte
von Energiegewinnungsanlagen und deren Wasserverbrauch ein. Das Ergebnis:
An bis zu 42 Prozent der weltweit untersuchten Standorte ist ein Defizit
zu erwarten, weil dort künftig mehr Wasser benötigt wird als verfügbar
ist.
Digitalisierung wirksam für besseres Grundwassermanagement einsetzen
Nicht nur der erhöhte Wasserbedarf neuer Technologien für die
Klimaneutralität erfordern ein besseres Management unserer
Grundwasserressourcen. Die Klimakrise führt ohnehin weltweit, so auch in
Deutschland, zu deutlichen Steigerungen der Grundwasserentnahmen. In
Dürrejahren müssen deutsche Wasserversorger schon jetzt zum Teil auf
Grundwasser-Sicherheitsreserve
haben Forschende die Kapazitäten zur Neubildung von Grundwasser in eines
besonders von der Klimakrise betroffenen Grundwasserleiters in Israel und
dem Westjordanland untersucht. Sie haben festgestellt, dass dort die
Grundwasserneubildung bis 2070 um bis zu 25% abnehmen kann. Doch genauso
haben sie festgestellt, dass durch die in diesem Projekt zum Einsatz
gekommenen besseren Modellierungen weltweit Grundwasserschutzmaßnahmen
deutlich effektiver eingesetzt werden können. Auch Probleme wie die
Küstenversalzung und Nitrateinträge ins Grundwasser können besser
analysiert und im Blick behalten werden.
Hierfür sollten die neuen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters
konsequent und systematisch genutzt werden, um nachhaltiges
Wassermanagement überall und in allen Bereichen zu erzielen und zu
verbessern. Insbesondere in den datenarmen Regionen der Erde, oftmals
Entwicklungsländer mit großen Wasserrisiken, kann moderne Forschung aus
neuen Datenströmen von Umweltsatelliten und Modellsimulationen die bisher
fehlenden Informationen gewinnen. Nicht nur durch Fernerkundungs- und
globale Wetterdaten, sondern auch durch den lokalen Einsatz von Drohnen
und Online-Sensoren konnten in GRoW-Projekten hochaufgelöste Daten für die
Gewässermodellierung erfasst werden.
Möglichkeiten zur saisonalen Vorhersage konsequent nutzen
Wenn Wasserknappheit und Dürren rechtzeitig vorhergesagt werden, können
verantwortliche Akteure Maßnahmen ergreifen, um größere Schäden so gut es
geht abzuwenden. Hierfür sind saisonale Vorhersagen notwendig, die extreme
Wetterereignisse um Monate vorhersagen. Solche Vorhersagen sind inzwischen
mit einem hohen Grad an Verlässlichkeit möglich. So hat das GRoW-Projekt
SaWaM ein System zur saisonalen Vorhersage entwickelt, welches
Dürreereignisse bis zu sieben Monate im Voraus akkurat vorhersagen konnte.
Das System liefert eine wichtige Entscheidungsunterstützung für das
Dürremanagement sowie die Steuerung von Staudämmen. Behörden können
frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um das Wassermanagement an die
bevorstehende Situation anzupassen. Ein derart optimiertes
Wassermanagement ermöglicht auch erhebliche wirtschaftliche Einsparungen.
Eine im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichte Untersuchung des
SaWaM-Projekts für den Upper-Atbara-Staudamm im Sudan zeigt, dass in einem
Beispieljahr bei einem frühzeitigen Betrieb des Staudamms aufgrund von
Dürren Verluste in Höhe von 16 Mio. US-Dollar vermieden werden könnten.
Über GRoW – Globale Ressource Wasser
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) leistet mit der
Fördermaßnahme „Globale Ressource Wasser (GRoW)“ als Teil des BMBF-
Rahmenprogramms „Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA)“ einen
Beitrag zum Erreichen des SDG 6. GRoW umfasst 12 internationale
Kooperationsprojekte mit 90 Partnerinstitutionen aus Deutschland und mehr
als 40 Fallstudien weltweit, an denen über einen Zeitraum von vier Jahren
ca. 300 Expertinnen und Experten aus Forschung, Politik und Praxis
beteiligt waren. Ihre Erkenntnisse zum Schutz der Wasserressourcen in
einer globalisierten Welt haben die mehr als 300 Mitwirkenden an den GRoW-
Projekten in übergeordneten Empfehlungen veröffentlicht. Eine Übersicht
der innovativsten GRoW-Produkte findet sich im BMBF Innovationsatlas
Wasser und in Technical Briefs für Anwender. adelphi leitet das
Vernetzungs- und Transfervorhaben „GRoWnet“, das die GRoW-
Forschungsaktivitäten beim Transfer ihrer Forschungsergebnisse und
Problemlösungsansätze in Politik und Praxis begleitet. Die Fördermaßnahme
wird im Auftrag des BMBF vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut.
Über adelphi
adelphi ist Europas führender unabhängiger Think-and-Do-Tank für Klima,
Umwelt und Entwicklung. Als strategische Politikberatung setzen wir uns
ein für einen gerechten transformativen Wandel und eine lebenswerte und
zukunftsfähige Gesellschaft. 280 kluge Köpfe arbeiten lokal und global zu
Umwelt und Nachhaltigkeit und den Herausforderungen politischer,
ökonomischer und gesellschaftlicher Veränderungen. Wir sind
Zukunftsagentinnen in einem globalen Netzwerk aus Strategen,
Praktikerinnen, Vor- und Nachdenkern. Durch transdisziplinäre Forschung,
evidenzbasierte Beratung und im Dialog mit politischen und
gesellschaftlichen Akteuren und Unternehmen gestalten wir politische
Agenden, vermitteln Themen im politischen Raum und unterstützen
Entscheiderinnen.
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