Zum Hauptinhalt springen

Operationen bei Neugeborenen mit Fehlbildungen – Kinderchirurgen: Kompetenzen bündeln, Versorgung verbessern

Pin It

Jeweils rund 250 Kinder kommen in Deutschland pro Jahr mit einer
Fehlbildung der Speiseröhre, einer sogenannten Ösophagusatresie, oder des
Anorektums auf die Welt. Während Säuglinge mit einer fehlgebildeten
Speiseröhre die Nahrung nicht aufnehmen beziehungsweise transportieren
können, machen Fehlbildungen des Enddarms oder des Anus die Ausscheidung
von Stuhl auf unterschiedliche Weise unmöglich. Beide Arten von
Fehlbildungen müssen daher in komplexen kinderchirurgischen Eingriffen
kurz nach der Geburt korrigiert werden.

Warum es bei diesen und anderen angeborenen Fehlbildungen bei Neugeborenen
und Kleinkindern sinnvoll sein kann, kinderchirurgische Kompetenzen in
Zentren zu bündeln, ist ein Thema auf der Online-Pressekonferenz im
Vorfeld des 139. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
(DGCH) am Donnerstag, den 24. März 2022, von 11.00 bis 12.30 Uhr (online,
Link zur Anmeldung:
<https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_Y1bPZlNSRIKIz_RE6LurSQ>). Der
Deutsche Chirurgen Kongress (DCK) 2022 findet vom 6. bis 8. April in
Leipzig statt.

*****************************************************************

Etwa jedes 15. Neugeborene kommt mit einer Fehlbildung der inneren Organe,
der Knochen oder anderer Körperteile auf die Welt (1). Fehlbildungen
prägen nicht nur das Leben der betroffenen Kinder, sie stellen auch eine
Herausforderung für die ärztliche Versorgung dar. „Dabei geht es
heutzutage bei der Behandlung einer angeborenen Fehlbildung in der Regel
nicht mehr um die Frage, ob das Kind überlebt“, sagt Professor Dr. med.
Udo Rolle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie
(DGKCH) und Direktor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie am
Universitätsklinikum Frankfurt am Main. „Dank moderner kinderchirurgischer
Operationsmethoden und guter interdisziplinärer perioperativer Versorgung
können wir uns heute darauf fokussieren, die Fehlbildung nicht nur zu
beheben, sondern den Neugeborenen und Kleinkindern auch ein möglichst
hohes Maß an Lebensqualität zu verschaffen“, so Rolle.

Gerade bei angeborenen Fehlbildungen entscheide die Qualität des
Eingriffes darüber, wie die kleinen Patientinnen und Patienten den Rest
ihres Lebens verbringen. Die Kinderchirurgie ist daher besonders
sensibilisiert, Komplikationen zu vermeiden und ein exzellentes
Behandlungsergebnis zu erzielen. „Der erste Eingriff muss sitzen“, betont
der DGKCH-Präsident und fügt hinzu: „Ob eine Operation eine Fehlbildung
wie gewünscht korrigieren kann, hängt in hohem Maße von der Erfahrung der
Chirurginnen und Chirurgen ab.“ So liegen für verschiedene Arten von
Fehlbildungen Studien vor, die dafür sprechen, die Versorgung solch
komplexer Eingriffe in Spezialzentren mit besonderer Expertise zu bündeln
(2).

Dies treffe vor allem dann zu, wenn eine Fehlbildung nur bei sehr wenigen
Neugeborenen pro Jahr auftrete – etwa die Ösophagusatresie oder die
anorektale Fehlbildung, die mit einer Inzidenz von jeweils 250 Fällen pro
Jahr in Deutschland zu den seltenen Fehlbildungen zählen. In einer
Operation kurz nach der Geburt verbindet die Kinderchirurgin oder der
Kinderchirurg die beiden Ösophagusssegmente oder stellt auf andere Art und
Weise die Durchlässigkeit der Speiseröhre her. „Je häufiger ein Operateur
diesen hochkomplexen Eingriff vorher bereits durchgeführt hat, desto
seltener treten während und unmittelbar nach der Operation Komplikationen
auf, die wiederum die Patienten, ihre Familie und auch das
Gesundheitssystem belasten“, so Rolle. Das gilt auch insbesondere für
Korrektureingriffe bei anorektalen Fehlbildungen. Daher fordert der DGKCH-
Präsident, die Behandlung seltener Fehlbildungen auf spezialisierte
Zentren zu konzentrieren. „So stellen wir eine hohe Behandlungsqualität
bei dem so wichtigen Ersteingriff sicher“, so Rolle. Auch die weitere
Betreuung nach dem Eingriff sollte in spezialisierten Zentren erfolgen.

Quellen:
(1) Queißer-Luft A, Spranger J: Fehlbildungen bei Neugeborenen. Dtsch
Arztebl 2006; 103(38): A-2464 / B-2136 / C-2060
(2)     Elrod J, Boettcher M, Mohr C, Reinshagen K: An analysis of the
care structure for congenital malformations in Germany. Dtsch Arztebl Int
2021; 118: 601–2. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0213