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Massive Open Online Course für eine optimale Patientenversorgung

Vorsitzender des Massive Open Online Course (MOOC): Dr. med. Urs Schneider vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.  Fraunhofer IPA
Vorsitzender des Massive Open Online Course (MOOC): Dr. med. Urs Schneider vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Fraunhofer IPA
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Vorsitzender des Massive Open Online Course (MOOC): Dr. med. Urs Schneider vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.  Fraunhofer IPA
Vorsitzender des Massive Open Online Course (MOOC): Dr. med. Urs Schneider vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Fraunhofer IPA

Auf der OTWorld, der größten internationalen Fachmesse mit Fachkongress
für Hersteller, Händler und Leistungserbringer in der modernen
Hilfsmittelversorgung, stellen Forschende einen Online-Kurs für die
interdisziplinäre Versorgung von Patienten vor. Das internationale
Pilotprojekt zeigt, wie sich die Betreuung von Beinamputierten verbessern
lässt.

»Eine Amputation ist ein traumatisches Erlebnis, das für die Betroffenen
eine enorme psychische und physische Belastung darstellt. Wie gut sie
damit fertig werden, hängt entscheidend davon ab, wie lange es dauert, bis
sie in ihr soziales Umfeld und ihren Beruf zurückkehren können«, erklärt
Dr. med. Urs Schneider, Leiter der Abteilung Biomechatronische Systeme am
Fraunhofer IPA. »Wenn alles gut läuft, kann sich der Patient mit Hilfe
einer provisorischen Prothese schon wenige Tage nach der Amputation wieder
ans Laufen gewöhnen und nach einigen Monaten sein gewohntes Leben
wiederaufnehmen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Ärzte, Physio-
und Ergotherapeuten, Orthopädietechniker, Medizintechnikingenieure sowie
Verwaltungsfachangestellte der Krankenkassen eng zusammenarbeiten. Leider
ist das selten der Fall.«

Schneider spricht aus Erfahrung. Seit zwanzig Jahren beschäftigt sich der
Mediziner und Spezialist für orthopädische Rehabilitation mit
Amputationen. Sein Resümee: »In den meisten Fällen geht wegen der
mangelnden Abstimmung der Behandelnden beziehungsweise Leistungserbringer
wertvolle Zeit verloren.« Damit Patienten künftig im wahrsten Wortsinn
schnell wieder auf die Beine kommen, hat er zusammen mit einem
internationalen Forscherteam jetzt einen Online-Kurs entwickelt, in dem
die beteiligten Berufsgruppen voreinander lernen können.

Kooperation macht fit

»Der Blick über den Tellerrand ist die Grundvoraussetzung für eine
gelungene Kooperation: Man muss wissen, wer welche Kompetenzen hat, wie
die einzelnen arbeiten und welche Vorgaben sie erfüllen müssen«, betont
Schneider. »Nur wenn man diese Informationen hat, kann man auf Augenhöhe
zusammenarbeiten.« Dieses Wissen wurde bisher allerdings in den
verschiedenen medizinischen, technischen und therapeutischen
Berufsausbildungen nicht vermittelt. Der kostenlose Online-Kurs soll diese
Lücke jetzt schließen. Vorgestellt wird das Pilotprojekt auf dem Kongress
der internationalen Fachmesse OTWorld (Messe Leipzig 10. bis 13. Mai).

Best Practice aus aller Welt

In den englischsprachigen Kurs-Videos, die ab Mitte Mai auf der Webseite
der Messe zu finden sind, kommen Expertinnen und Experten aller
beteiligten Berufsgruppen ausführenden Amputationszentren in Deutschland,
El Salvador, Thailand und den USA zu Wort. Außerdem gibt es
Impulsvorträge, die beispielsweise die Rolle von Peers im Krankenhaus
zeigen: Betroffene, die selbst schon eine Amputation hinter sich haben und
die frisch operierten Patienten besuchen und sie bei der Kommunikation mit
den Behandelnden unterstützen. Das Kursprogramm wird zwei Jahre lang
online abrufbar sein, wer alle Beiträge gesehen hat, bekommt ein
Teilnahme-Zertifikat.

»Wir haben bewusst das Format Massive Open Online Course gewählt, das
große Teilnehmerzahlen erlaubt und auf Bezahlschranken und
Zugangsbeschränkungen verzichtet. Damit wollen wir vor allem junge
Menschen erreichen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und wenig Geld
haben, aber hochmotiviert sind, das Beste für ihre Patientinnen und
Patienten zu tun«, erklärt Schneider, der nicht nur Initiator des
Projekts, sondern auch Mitglied des Planungskomitees der OTWorld ist.

Rechtzeitig zur nächsten OTWorld in zwei Jahren soll das Pilotprojekt
evaluiert werden. »Wenn wir sehen, dass sich das neue Lernwerkzeug
bewährt, wollen wir das Kursangebot ausbauen«, versichert Schneider. »Es
gibt noch viele Möglichkeiten durch interdisziplinäre Zusammenarbeit die
Patientenversorgung zu verbessern – beispielsweise bei der Behandlung von
Schlaganfällen oder Querschnittslähmungen.«

Weitere Informationen: https://www.ot-
world.com/kongressprogramm/otworld/8585