Chancen des E-Bike-Booms
Studierende der Frankfurt UAS erarbeiten gemeinsam mit dem Fahrrad-
Hersteller Diamant Handlungsempfehlungen für die Elektrofahrrad-Branche
Der stationäre Fachhandel ist der wichtigste Informations- und Kaufkanal
für E-Bikes¹. Käufer/-innen legen bei der Wahl des E-Bikes insbesondere
Wert auf die Reichweite, die Ausstattung sowie das Gewicht, wohingegen
Lieferzeiten, Fahrmodi oder das Display eine untergeordnete Rolle spielen.
Insbesondere der Tourismus in bergigen Regionen kann vom E-Bike-Boom
profitieren. Das sind einige der Ergebnisse, zu denen Studierende des
dualen Bachelor-Studiengangs Luftverkehrsmanagement der Frankfurt
University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) im Wintersemester 2021/22
kamen. Im Zuge eines Praxisfallprojekts, das in Kooperation mit dem
Fahrrad-Hersteller Diamant durchgeführt wurde, ermittelten die
Studierenden, welche Informationen Kundinnen und Kunden für den Kauf eines
E-Bikes benötigen, was die Kauf- und Nutzungsgründe für ein E-Bike sind
und was der Boom für den Tourismus bedeutet.
„Die 22 Studierenden des fünften Semesters im dualen Studiengang
Luftverkehrsmanagement beschäftigten sich in einem Praxisfallprojekt mit
den Auswirkungen des E-Bike-Booms und analysierten den Markt und
erarbeiteten Handlungsempfehlungen“, erklärt Prof. Dr. Kerstin Wegener,
Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit besonderem Schwerpunkt
Tourismusmanagement. Sie begleitete das Praxisfallprojekt im
Wintersemester 2021/22. „Im Zuge von Praxisfallprojekten beschäftigen sich
die Studierenden mit diversen Themenstellungen aus der Praxis, erwerben
bzw. vertiefen auf diese Weise wichtige fachliche, methodische und soziale
Kompetenzen für den Berufseinstieg und knüpfen gleichzeitig enge Kontakte
in die Wirtschaft.“
„Unsere Kooperationspartner erhalten in der Zusammenarbeit
wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu Fragestellungen in ihrem
Unternehmen und zudem wertvolle Kontakte zur nachwachsenden Generation,
den künftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit ihren
generationsspezifischen Sichtweisen und Lösungsideen“, ergänzt Astrid
Kramer, Leiterin Stabsstelle Hochschulförderung der Frankfurt UAS, die
diese Kooperation vermittelte.
„Für uns ergeben sich spannende Einsichten, die wir so nicht auf dem
Schirm hatten. Das Projekt macht es uns möglich, tiefer ins Detail zu
gehen als üblich. Gleichzeitig freut es uns, mit dieser Kooperation ganz
allgemein das Wissen über E-Bikes und Fahrräder zu stärken. Wir glauben an
eine bessere Welt durch mehr Bewegung. Das fängt mit Einsicht an“, sagt
Thomas Eichentopf, Brand Manager von Diamant.
Informationen rund um den E-Bike-Kauf
Um Informationen rund um den E-Bike-Kauf zu sammeln, führten die
Studierenden – neben mehreren Experteninterviews – eine Online-Befragung
durch. An dieser beteiligten sich insgesamt 1.367 E-Bike-Besitzer/-innen
sowie Personen, die den Kauf eines E-Bikes planen. Als entscheidend für
die Kauf- und Nutzungsgründe gaben rund 85 % der Teilnehmenden an, dass
sie besonderen Wert auf die Reichweite des Rads legen. 76 % der Befragten
antworteten zudem, dass sie insbesondere auf die Ausstattung (Federung,
Schaltung, etc.) des E-Bikes achten; 67 % der Teilnehmenden priorisierten
zudem die Gewichtsangabe. Käufer/-innen und Kauf-Interessierte lassen
sich, so das Ergebnis der Befragung, im Fachhandel beraten, lesen Tests
sowie Erfahrungsberichte und besuchen die Webseite einzelner Hersteller.
76 % der E-Bike-Besitzer/-innen berichteten, darüber hinaus den
stationären Fachhandel zur Kaufberatung aufgesucht zu haben. Als
Entscheidungshilfen vor Ort dienten vor allem Probefahrten, die haptische
Wahrnehmung des Rads sowie die Besonderheiten einzelner Modelle. Speziell
jüngere Teilnehmende wickelten aber den Kauf vermehrt im Online-Handel ab.
Sie begründeten dies durch einen Preisvorteil, die Lieferung nach Hause
sowie die zeitliche Flexibilität des Kaufs. Basierend auf diesen
Ergebnissen entwickelten die Studierenden Handlungsempfehlungen für den E
-Bike-Handel: Online-Präsenzen müssten, so die Studierenden, für die
jüngere Zielgruppe ausgebaut werden. Für den stationären Fachhandel
empfehlen sie, zudem das Angebot längerer Probefahrten sowie die
Kaufberatung weiter auszubauen.
Kauf und Nutzungsgründe
Die Anforderungen an ein E-Bike sowie die hiermit verbundenen Kaufgründe
sind entscheidend für Strategien, um den mobilen Wandel zu fördern. Oft
bleibt die Frage: Wann wird ein/-e Nicht-Fahrer/-in denn nun wirklich
zum/zur Fahrer/-in, also was ist der ausschlaggebende Punkt? Die
Studierenden befassten sich daher mit den Fragestellungen, warum E-Bikes
gekauft und gefahren werden und wie jemand zur Radfahrerin bzw. zum
Radfahrer wird. Dafür definierten sie zwei große Kundengruppen – private
sowie gewerbliche Nutzer/-innen. Während gewerbliche Nutzer/-innen das
E-Bike eher im Rahmen von finanziellen Unterstützungsprogrammen sowie zur
Erfüllung von CO2-Emissionszielen verwenden, entscheiden sich private
Nutzer/-innen bspw. aufgrund eines starken Umwelt- und
Gesundheitsbewusstseins sowie aufgrund von finanziellen
Unterstützungsprogrammen und der weiterhin anhalten Corona-Pandemie für
den Wechsel auf das E-Bike. Die Teilnehmenden der Befragung gaben zudem
an, dass nachhaltigere Batterien (25 %), mehr und besser ausgebaute
Radwege (26 %) sowie geringere Anschaffungskosten (25 %) erforderlich
seien, um andere Verkehrsmittel künftig durch das E-Bike zu ersetzen. Die
Studierenden entwickelten verschiedene Personas, die in der E-Bike-
Vermarktung und in der Produktentwicklung gezielt adressiert werden
können. Dies sind Seniorinnen und Senioren, Pendler/-innen,
Abenteurer/-innen, Familien sowie sogenannte Performer/-innen. Gewerblich
werde das E-Bike bspw. von Lieferdienstleistern genutzt. Die Studierenden
empfehlen eine größere Produktdifferenzierung bei höherpreisigen E-Bike-
Modellen sowie ein Angebot von niedrigpreisigen Produkten zur Gewinnung
neuer Kundengruppen. Gleichzeitig solle, so eine weitere
Handlungsempfehlung, vermehrt auf Gewicht, Reichweite, einfacheres
Handling sowie eine selbsterklärende Bedienung bei der Entwicklung neuer E
-Bike-Modelle geachtet werden. Um die Attraktivität von E-Bikes zu
steigern, schlagen die Studierenden zudem Kooperationen von E-Bike-
Herstellern mit gewerblich Nutzenden vor.
Der E-Bike-Boom und seine Bedeutung für den Tourismus
Auch für Urlaubsreisen werden E-Bikes zunehmend attraktiver, so das
Ergebnis der Befragung. Insbesondere in bergigen Regionen können
Reiseveranstalter, Hotels sowie Fahrradverleihe vom E-Bike-Boom der
vergangenen Jahre profitieren, denn 71 % der Befragten gaben an, Interesse
an einer Reise mit dem E-Bike zu haben. 51 % der Befragungs-Teilnehmenden
würden hierfür ein E-Bike vor Ort mieten. Vor allem mit zunehmendem Alter
werde die Nutzung eines E-Bikes im Urlaub deutlich attraktiver.
Touristinnen und Touristen ab 50 Jahren würden, so ein weiteres Ergebnis,
zudem stärker dazu tendieren, ihr eigenes E-Bike mit an den Urlaubsort zu
nehmen. Zwar gäbe es keine wesentliche Veränderung hinsichtlich des
Reisezeitraums, jedoch zeigten die Teilnehmenden der Befragung eine
leichte Tendenz zu längerem und häufigerem Reisen mit einer optimalen
Reisedauer von vier bis sieben Tagen. Nicht nur das Naturerlebnis, sondern
auch das Gesundheitsbewusstsein seien die wichtigsten Gründe für die
Reisenden, auf das E-Bike zurückzugreifen. Durch das Befahren von
unerschlossenen Regionen und Wegen, die bspw. nicht für E-Bikes ausgelegt
sind, gebe es jedoch auch Interessenskonflikte mit dem Naturschutz, der
Landwirtschaft sowie Wandernden. Die Studierenden kommen aufgrund der
Befragung zu dem Ergebnis, dass für die Hotellerie, Radverleihe sowie die
allgemeine Infrastruktur große Chancen im Hinblick auf den E-Bike-Boom
bestehen. Sie empfehlen bspw. Kooperationen mit Initiativen wie
„Bett+Bike“, das Angebot individueller und geführter Radpauschalreisen,
eine fahrradfreundliche Gastronomie mit sicheren Abstellplätzen und dem
Ausbau von Ladestationen sowie ein größeres Angebot von Fahrradverleihen
in der Reiseregion.
¹Der Begriff „E-Bike“ bezieht sich hier sowohl auf herkömmliche E-Bikes
als auch auf Pedelecs. Pedelecs bieten nur Unterstützung, wenn die Pedale
betätigt werden. Bei E-Bikes ist die Nutzung der Pedale für die
elektrische Unterstützung nicht zwingend notwendig; daher ist die E-Bike-
Nutzung in Deutschland zulassungspflichtig.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt Praxisfallprojekt: Frankfurt University of Applied Sciences,
Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Kerstin Wegener,
Kontakt Hochschulkooperationen: Frankfurt UAS, Astrid Kramer, Leiterin
Hochschulförderung, +49 69 1533-2131,
