Der Emissionshandel entwickelt sich zu einem wesentlichen Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität
Der Emissionshandel hat 2021 weiter an Dynamik gewonnen und wird zu einem
Schlüsselinstrument für die Dekarbonisierung. Das zeigt der Statusbericht
der International Carbon Action Partnership (ICAP) 2022 in
Projektträgerschaft von adelphi.
• Rund 90% der weltweiten Emissionen unterliegen heute Regelungen mit dem
Ziel der Treibhausgasneutralität.
• Mehr als ein Drittel dieser Emissionen fallen unter ein
Emissionshandelssystem (EHS).
• Die 25 sich Anfang 2022 in Betrieb befindlichen EHS decken 55% des
globalen BIP, 17% der globalen Treibhausgasemissionen und fast ein Drittel
der Weltbevölkerung ab.
• 2021 haben EHS 161 Mrd. USD erwirtschaftet, ein Anstieg von mehr als 50%
gegenüber 2020.
Emissionshandelssysteme können einen wesentlichen Beitrag zur
Dekarbonisierung leisten, die dringend erforderlich ist, um bis Mitte des
Jahrhunderts die Klimaneutralität zu erreichen. Sie schaffen Anreize für
Investitionen in neue Technologien und generieren Mittel, die für
Ausgleichsmaßnahmen zugunsten von stark betroffenen Bevölkerungsgruppen
verwendet werden können.
Laut dem neunten ICAP-Statusbericht gibt es Anfang 2022 weltweit 25
funktionierende Emissionshandelssysteme in Ländern, auf die 55% des
globalen BIP entfallen. Diese 25 Systeme decken 37% der Emissionen in den
Bereichen ab, für die es bereits gesetzlich verankerten Zielen für
Klimaneutralität gibt, und 17% der Emissionen in Bereichen, für die solche
Ziele derzeit diskutiert werden. Außerdem sind momentan 22 weitere
Emissionshandelssysteme in der Entwicklung oder Planung.
„Der Emissionshandel kann eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung der
Volkswirtschaften spielen und muss Teil der Pläne für Klimaneutralität
sein“, erklärt Stefano De Clara, Leiter des ICAP-Sekretariats. „Wir kennen
einige der Technologien, die die Welt braucht, um bis zur Mitte des
Jahrhunderts klimaneutral zu werden - und wir wissen, dass der
Emissionshandel ein entscheidendes Preissignal für den Einsatz von solchen
Technologien zur Emissionsminderung und -vermeidung sendet."
Er fügt hinzu: „Die Versuchung, sich von den Klimazielen zu verabschieden,
ist derzeit groß, da die Regierungen mit steigenden Inflationserwartungen
und Energiepreisen zu kämpfen haben. Dies wäre jedoch ein Fehler. Ein
Nachlassen beim Klimaschutz würde zu weiteren Krisen und Preissteigerungen
in der Zukunft führen. Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz bietet eine große
Chance für Innovationen. Der Emissionshandel kann dabei einen wertvollen
Beitrag leisten."
Neben Infografiken und aktualisierten detaillierten Daten zu den
Kohlenstoffmärkten weltweit enthält der diesjährige Statusbericht auch
hochkarätige Artikel über die bisherige Entwicklung der neuen
Emissionshandelssysteme in China und im Vereinigten Königreich. Weitere
Themen sind eine mögliche Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems auf
den maritimen Sektor und ein Bericht darüber, wie Kalifornien
sicherstellt, dass sein Kohlenstoffmarkt eine sozial gerechte
Transformation ermöglicht und wie das Interesse an CO2-Preisen in ganz
Amerika wächst.
„Das Erreichen der Klimaneutralität bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts
ist heute ein übergeordnetes Ziel, das den größten Teil der Weltwirtschaft
betrifft“, bemerkt Dirk Weinreich, ICAP-Ko-Vorsitzender und Leiter des
Referats Klimaschutzgesetz und Emissionshandel im Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz. „Emissionshandelssysteme sind gut geeignet, um
dieses Ziel zu erreichen: Sie bieten sowohl Sicherheit bezüglich der
Emissionsmengen als auch längerfristige Marktsignale, die notwendig sind,
um die für einen kohlenstoffarmen Übergang erforderlichen Investitionen zu
fördern. Eine möglichst umfassende weltweite CO2-Bepreisung hätte den
doppelten Vorteil, dass sie die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen
erhöhen und die verstärkten Klimaambitionen von Vorreiter-Ländern sichern
würde.“
„Die Transformation hin zur Klimaneutralität wird die Aufgabe einiger
kohlenstoffintensiver Industrien und den Ausbau neuer, kohlenstoffarmer
Industrien erfordern“, meint Rajinder Sahota, ICAP-Ko-Vorsitzende und
stellvertretende Geschäftsführerin im Bereich Klimawandel und Forschung
beim California Air Resources Board. "Das Potenzial für ein klimaneutrales
Wachstum ist beträchtlich. Damit diese Transformation gelingt, muss sie
jedoch sozial gerecht sein und darf niemanden zurücklassen. Von Anfang an
haben wir auf ein Portfolio aus Anreizen, Vorschriften und CO2-Preisen
gesetzt. Die Gestaltung von Programmen zur CO2-Bepreisung und die
Reinvestition von Geldern können dazu beitragen, dass die Schwächsten vor
den negativen Auswirkungen dieser Transformation geschützt werden, und so
wirksame und dauerhafte Klimaschutzmaßnahmen vorantreiben."
Über ICAP
Der ICAP-Statusbericht wird seit 2014 jährlich vom Sekretariat der
International Carbon Action Partnership in Berlin veröffentlicht. ICAP
bringt regionale, nationale und subnationale Regierungen sowie Behörden
aus der ganzen Welt zusammen, um wichtige Aspekte zur Gestaltung von EHS
zu diskutieren, unter anderem durch Fachdialoge zu technischen Aspekten
von EHS und Wissensaustausch. Bestimmte Tools und Forschungsprodukte von
ICAP stehen auf der ICAP-Website zur Verfügung. ICAP unterstützt auch den
Aufbau von Kapazitäten in Ländern, die die Einführung von
Emissionshandelssystemen erwägen oder derzeit entwickeln. 37 nationale und
subnationale Regierungen sind ICAP seit der Gründung im Jahr 2007
beigetreten.
Über adelphi
Seit 2008 hat adelphi die Projektträgerschaft ICAPs inne und stellt das
Personal für das ICAP-Sekretariat. adelphi ist Europas führender
unabhängiger Think-and-Do-Tank für Klima, Umwelt und Entwicklung. Als
strategische Politikberatung setzen wir uns ein für einen gerechten
transformativen Wandel und eine lebenswerte und zukunftsfähige
Gesellschaft. 280 kluge Köpfe arbeiten lokal und global zu Umwelt und
Nachhaltigkeit und den Herausforderungen politischer, ökonomischer und
gesellschaftlicher Veränderungen. Wir sind Zukunftsagentinnen in einem
globalen Netzwerk aus Strategen, Praktikerinnen, Vor- und Nachdenkern.
Durch transdisziplinäre Forschung, evidenzbasierte Beratung und im Dialog
mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren und Unternehmen gestalten
wir politische Agenden, vermitteln Themen im politischen Raum und
unterstützen Entscheiderinnen.
