Cloud Computing: Studierende der Hochschule Koblenz optimieren Bewältigung von Großschadensereignissen
Wer an die Flutwelle im Juli vergangenen Jahres denkt, dem kommen Bilder
von zerstörten Häusern und weggerissenen Brücken in den Sinn, aber auch
von den vielen Einsatzkräften. Um die aus ganz Deutschland angereisten
Einsatzkräfte in den betroffenen Regionen unterzubringen, wurden
Basislager errichtet. Wie sich ein solcher Bereitstellungsraum bei
Großschadenslagen mit Hilfe einer webbasierten Datenbank effizient managen
lässt, haben Studenten des Studiengangs Systemtechnik der Hochschule
Koblenz in ihrem Masterkurs „Cloud Computing“ untersucht.
Bei „Cloud Computing“ werden Anwendungen und Daten nicht auf lokalen
Rechnern, sondern über das Internet bereitgestellt, so dass die
Nutzerinnen und Nutzer diese von überall her flexibel abrufen können. Auf
diesem Prinzip basierte etwa schon das Projekt "Translation as a Service",
eine serverlose Cloud-Übersetzungssoftware, mit der Studierende der
Hochschule Koblenz aus demselben Masterkurs 2019 den 2. landesweiten Preis
im Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz erringen konnten. Das von Prof. Dr.
Wolfgang Kiess aus dem Fachbereich Ingenieurwesen in diesem Jahr betreute
Projektteam, bestehend aus Tim Farnschläder, Linus Littauer, Markus Neuss,
Samuel Pauls und Pascal Zepp, wendete nun das Cloud-Prinzip auf das Thema
„Management für Bereitstellungsräume" an. Bei der kursinternen
Präsentation ihres Projektes demonstrierten die Studenten die
Funktionsweise ihres Prototyps dabei sogar an zwei vor der Hochschule
geparkten Einsatzfahrzeugen des THW sowie des DRK.
Bereitstellungsräume sind vergleichbar mit einem Basislager für
Hilfsorganisationen bei Großschadenslagen, wie es etwa nach der
Flutkatastrophe am Nürburgring eingerichtet wurde. Das dabei eingesetzte
System Bereitstellungsraum (SysBR) dient dazu, die Bereitstellungsräume
einzurichten und die Einsatzkräfte bedarfsgerecht zu koordinieren. Das
kurzfristig einsetzbare System ist für die Verwaltung von 500
Einsatzkräften ausgelegt, kann bei Bedarf jedoch noch erweitert werden.
Zur Koordinierung der Kräfte und deren Fahrzeugen ist es notwendig, diese
am Ein- und Ausgang des Geländes detailliert zu erfassen. Dies erfolgt
über sogenannte Meldevordrucke, die für jedes Fahrzeug mit Informationen
über Fahrzeugtyp, Ausstattung, und Besatzung händisch ausgefüllt und dann
zur Einsatzleitung weitergegeben werden. „Die Verarbeitungsgeschwindigkeit
der Informationen ist somit von den geografischen Eigenschaften, also den
Wegen auf dem Gelände, abhängig“, erklärt Tim Farnschläder.
Um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Verarbeitung
zu erleichtern, entwickelten die Studenten eine cloudbasierte Anwendung,
welche die Fahrzeugdaten und die Qualifikationen der Kräfte in einer
Datenbank verwaltet. Neben der Benutzeroberfläche für das Internet
entwarfen sie eine Bereitstellungs-App, in der die relevanten Daten über
ein Dashboard abrufbar sind. Dort lassen sich Infos zur Besatzung und
dessen Qualifikation wie auch über die Ausstattung der Fahrzeuge
hinterlegen. „So lässt sich etwa ganz schnell recherchieren, ob sich im
Bereitstellungsraum ein Notarzt befindet“, so Markus Neuss.
Diese Daten soll die Besatzung der Fahrzeuge bereits während der Anfahrt
in die Anwendung eintragen. Sie werden dann in einer Datenbank hinter dem
Kennzeichen hinterlegt, wie Pascal Zepp erklärt: „Für das An- und Abmelden
im Bereitstellungsraum muss die Verwaltung nur noch das Kennzeichen des
Fahrzeuges in der Anwendung eingeben oder mit der Kamera scannen. Alle
weiteren Daten werden dann anhand des Kennzeichens aus der Datenbank
verarbeitet und bereitgestellt.“ Wie gut das funktioniert, konnte das Team
im Rahmen einer Abschlusspräsentation Prof. Dr. Wolfgang Kiess und ihren
Kommilitonen an den vor dem Campus bereitstehenden Fahrzeugen
demonstrieren. „Für den Zugriff auf die Daten ist eine entsprechende
Authentifizierung mit einem Rechtemanagement erforderlich“, ergänzt Linus
Littauer.
Solche Bereitstellungsräume werden normalerweise da aufgebaut, wo
Infrastruktur mit Zuwegen und Internet bereits vorhanden ist. Der Prototyp
dieses Cloud-Computing-System ließe sich notfalls aber auch im Offline-
Modus nutzen, falls keine Internetverbindung vorhanden ist. Weitere
Erweiterungsmöglichkeiten wären etwa die Zuweisung von Parkplätzen
aufgrund der Fahrzeugabmessungen, die Verwaltung von Einsatzaufträgen oder
die Kennzeichenerfassung aller Hilfsorganisationen.
Tim Farnschläder, der sich in seiner Freizeit selbst ehrenamtlich beim THW
engagiert, betont, dass das aktuelle Verfahren mit den Meldezetteln auf
Papier gut funktioniere. Dennoch habe das Projektteam gerne die
Möglichkeit genutzt, im Rahmen der Vorlesung über Cloud Computing bei
Prof. Kiess nach technischen Lösungsansätzen zu suchen und deren
Machbarkeit zu untersuchen.
