Bald spannende Touristenattraktion? Studierende der HBC vermessen Burgruine Hohengenkingen
Stein oder doch Mauerüberrest? Vor dieser Frage standen 70 Studierende des
Studiengangs Bauingenieurwesen im vergangenen Semester des Öfteren. Sie
haben das Gelände rund um die Burgruine Hohengenkingen - bei der Gemeinde
Sonnenbühl im Landkreis Reutlingen - vermessen. Von der einstigen Burg,
die vermutlich im 12. Jahrhundert vom Ortsadel Genkingen, Angehörigen der
Grafen von Achalm, erbaut wurde, ist aufgrund eines Brandes nicht mehr
viel übrig geblieben. Vermessungsarbeiten und archäologische Unterschungen
sollen nun Aufschluss darüber geben, wie die Burg einmal aussah und sie
für die Region attraktiv machen.
Auf den ersten Blick ist es ein gewöhnlicher, dicht bewachsener Waldhang.
Hier ein paar bemooste Steine und Felsen, da ein kleiner Graben. Doch wer
genauer hinsieht, erkennt auf der Bergkuppe, die etwa 1,5 Kilometer
südöstlich von Genkingen, einem Teilort von Sonnenbühl (Landkreis
Reutlingen) liegt, Mauerüberreste. Überreste der Burg Hohengenkingen -
eine von drei Genkinger Burgen. Genaue Daten zur Burg sind nicht bekannt,
es wird aber vermutet, dass die Burg im 12. Jahrhundert vom Ortsadel
Genkingen, Angehörigen der Grafen von Achalm, erbaut wurde. Um mehr über
die Höhenburg zu erfahren und sie bekannter zu machen, hat die Gemeinde
Sonnenbühl diverse Untersuchungen in Auftrag gegeben. So führen
Studierende des Studiengangs Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach
(HBC) Vermessungsarbeiten an der Burgstätte durch.
„Unsere Aufgabe war es, das Gebiet mit zwei unterschiedlichen
Messverfahren zu vermessen. Dem tachymetrischen Messverfahren und dem
terrestrischen 3D-Laserscanning“, erklärt Lukas Bühler, der im dritten
Semester Bauingenieurwesen studiert und am Projekt beteiligt war. An vier
Terminen haben 70 Studierende das Gelände untersucht. Beim tachymetrischen
Messverfahren hat das Projektteam einzelne Punkte des Geländes, der
Höhenlage der Mauerreste und der ersichtlichen Wege aufgenommen, um einen
Geländeplan zu erstellen. „Beim 3-D-Laserscanning haben wir mit Hilfe des
Geräts eine Million Punkte pro Sekunde aufgenommen, wodurch eine sehr
große Datenmenge zustande kam“, so Matthias Hillebrand, der ebenfalls im
dritten Semester studiert. Mithilfe des Verfahrens und der gewonnen Daten
soll ein digitaler Zwilling erstellt werden, der es ermöglicht, sich
ortsunabhängig einen Überblick vom Gelände zu verschaffen.
Bisher frei verfügbare Informationen zur Burg sind unstimmig und häufig
falsch. Lesefunde erlauben es aber, die Laufzeit der Anlage auf die Zeit
zwischen 1200 und dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts einzugrenzen.
Man geht davon aus, dass die Burg eines Tages abgebrannt ist. Sowohl
verbrannte Mauerreste und Mörtel als auch verbrannte Holzziegel im Schutt
belegen dies. Gerade das fehlende Wissen habe den Studierenden vor Ort ein
wenig Schwierigkeiten bereitet: „Manchmal war es nicht ganz einfach zu
erkennen, ob es sich nun um einen Stein oder einen Mauerrest handelt“,
gibt Hillebrand zu. Und auch das steile Gelände sei zum Vermessen
„herausfordernd“ gewesen, nennt sein Kommilitone Felix Hund eine weitere
Schwierigkeit. Unterstützung erhielten die Studierenden stets von Prof.
Dr. Hans Quasnitza, Professor für Vermessungskunde an der Hochschule
Biberach, der vorab in Vorlesungen auf das besondere Vorhaben vorbereitet
hatte und auch vor Ort bei den Vermessungen mit seinem Expertenwissen den
Projektgruppen zur Seite stand. Vor allem die Nutzung der Geräte in der
Praxis, die sie zuvor nur aus den theoretischen Vorlesungen kannten, habe
den Studierenden Spaß gemacht. Das praktische Arbeiten ist ein großer
Bestandteil des Studiums und wichtige Voraussetzung für den Start ins
Berufsleben.
Mit ihren Vermessungen haben die Studierenden eine Grundlage geschaffen,
die für eine weitere konzeptionelle Planung wichtig ist. Die Gemeinde
Sonnenbühl erhofft sich nun weitere Antworten auf ihre Fragen, um die Burg
in die Region reintegrieren zu können. Wie kann das Bodendenkmal erhalten
werden, wie wird mit den übriggebliebenen Mauerresten umgegangen und
machen weitere Ausgrabungen Sinn? Denn zukünftig soll auf dem von dichtem
Wald umgebenen Gelände noch mehr geforscht werden. Es könnte sich ein
interdisziplinäres Projekt entwickeln, welches weiteren Hochschule und
Universitäten die Möglichkeit gibt, sich an der Forschung zu beteiligen.
Der Reutlinger „Zeit“-Journalist Wolfang Bauer, der aus der Gemeinde
Sonnenbühl kommt, gilt als Triebfeder des Projekts. Er hat eine Zeit lang
in Undingen gewohnt und die Ruine habe ihn nicht mehr losgelassen.
Gemeinsam mit Dr. Mathias Hensch vom Landesamt für Denkmalpflege im
Regierungspräsidium Stuttgart (LAD) und dem freiberuflichen Archäaologen
Dr. Sören Frommer soll nun die Geschichte und die historische Bedeutung
der Anlage erforscht werden. Neben der Hochschule Biberach ist auch die
Universität Tübingen mit ihrem Institut für Geschichtliche Landeskunde und
Historische Hilfswissenschaften beteiligt.
