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Zuse-Gemeinschaft fordert 1,15 Milliarden Euro pro Jahr für anwendungsorientierte Industrieforschung

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Bundesregierung muss anwendungsorientierte Industrieforschung
bedarfsgerecht finanzieren ∙ Haushaltsentwurf für 2022 bleibt dahinter
deutlich zurück ∙ Herausforderungen für Gesellschaft sind nur mit deutlich
intensivierter Forschung und Innovationen zu bewältigen ∙ Nachhaltige
Anreizsysteme für Mittelstand zur Steigerung der Innovationskraft schaffen

Berlin, 4. April 2022. „Die Kürzung der Budgets für Industrieforschung und
das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) auf Vor-Corona-Niveau
ist ein verstörendes, desaströses Signal in Richtung der forschungsaffinen
mittelständischen Unternehmen und der Industrieforschungseinrichtungen“,
kommentiert Prof. Dr. Martin Bastian, Präsident der Deutschen
Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e.V. (Zuse-Gemeinschaft) den
Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2022. Er fordert die
Bundesregierung auf, ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einzuhalten
und die anwendungsorientierte Industrieforschung endlich bedarfsgerecht zu
finanzieren: „Nach unseren Berechnungen sind für eine bedarfsgerechte
Finanzierung der anwendungsorientierten Forschung insgesamt pro Jahr gut
1,15 Milliarden Euro anzusetzen. Analog zum Pakt für Forschung und
Innovation muss auch dies unbedingt regelmäßig überprüft und angepasst
werden.“

Dr. Klaus Jansen, Geschäftsführer der Zuse-Gemeinschaft, ergänzt: „Eine
wirklich bedarfsgerechte Finanzierung läge nach unseren Berechnungen für
INNO-KOM und IGF bei mindestens 350 Mio. Euro, für ZIM sollten wenigstens
800 Mio. Euro angesetzt werden. Der aktuelle Haushaltsentwurf zeigt jedoch
in eine ganz andere Richtung. Er steht in eklatantem Widerspruch zu den
vollmundigen Versprechungen des Koalitionsvertrages.“ Laut
Regierungsentwurf sinken die eingeplanten Mittel für die
anwendungsorientierte Industrieforschung insgesamt um gut sechs Prozent
von 905,5 Mio. Euro auf nur noch 855 Mio. Euro – ein Minus von 50,5 Mio.
Euro. Dazu weiter Dr. Jansen: „Die Praxis hat bereits in den Vorjahren
gezeigt, dass die anwendungsorientierte Industrieforschung – ein zentraler
Träger für Transfer und Innovation in Deutschland – chronisch
unterfinanziert ist. Die stark gesunkene Innovatorenquote im deutschen
Mittel-stand unterstreicht das eindrucksvoll.“

Die Zuse-Gemeinschaft sieht angesichts dieser Kürzungen für die
anwendungsorientierte Forschung den gesellschaftlichen
Transformationsprozess hin zur sozial-ökologischen Marktwirtschaft sowie
die erfolgreiche Bewältigung der anstehenden Aufgaben der Mobilitäts-,
Energie-, Produktionswende und des Klimawandels in Gefahr, so Prof.
Bastian weiter: „Mit Blick auf diese immensen Herausforderungen, denen
sich unsere Gesellschaft stellen muss, sind solche Einschnitte in ohnehin
viel zu knappe Budgets als dramatisch zu bewerten. Diese können nur durch
deutlich intensivierte Forschung und die so zu erreichenden Innovationen
bewältigt werden. Das erfordert zwingend eine ausreichende, verlässliche
und bedarfsgerechte finanzielle Förderung.“ Dazu müsse die Bundesregierung
unbedingt auf Anreizsysteme für den Mittelstand setzen, betont der
Präsident der Zuse-Gemeinschaft: „Wenn es gelingt, dessen Innovationskraft
zu steigern, lassen sich die Mehraufwendungen für die
anwendungsorientierte Industrieforschung durch die so erzielten
Steuermehreinnahmen deutlich überkompensieren.“