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Innovative Kirchen-App mit Strahlkraft

Sandra Holzinger gestaltete das Branding Design für Leuchtfeuer – vom Logo bis zu den Stelen-Tafeln.  HAWK
Sandra Holzinger gestaltete das Branding Design für Leuchtfeuer – vom Logo bis zu den Stelen-Tafeln. HAWK
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Sandra Holzinger gestaltete das Branding Design für Leuchtfeuer – vom Logo bis zu den Stelen-Tafeln.  HAWK
Sandra Holzinger gestaltete das Branding Design für Leuchtfeuer – vom Logo bis zu den Stelen-Tafeln. HAWK

Wie HAWK-Studentin Sandra Holzinger dem Projekt „Leuchtfeuer“ in der
Sigwardskirche ein Gesicht gibt.

Viele Kirchen stehen als Sehenswürdigkeiten Besucher*innen offen, doch
gerade bei kleinen Gemeinden gibt es oftmals nicht ausreichend Personal,
um Fragen zu beantworten oder Führungen anzubieten. Genauso ist dies bei
der Sigwardskirche im niedersächsischen Idensen, nahe des Steinhuder
Meeres, der Fall.
Mit dem digitalen Projekt „Leuchtfeuer“ sollen Besucher*innen nun
eigenständig die Kirche erkunden können –  unter anderem mit Hilfe von
Sandra Holzinger, Studentin an der HAWK-Fakultät Gestaltung in Hildesheim.
Am Sonnabend wurde „Leuchtfeuer“ mit vielen geladenen Gästen vor Ort
eingeweiht.

Die kleine romanische Kirche, erbaut im 12. Jahrhundert durch Bischof
Sigward von Minden und mit einer noch in Teilen im Original erhaltenen
Ausmalung gilt als einer der bedeutendsten sakralen Kleinbauten der
Romanik. Über 10.000 Besucher*innen lockte das kunstgeschichtliche Kleinod
in den letzten drei Jahren an. Rund zehn Prozent der Gäste erhielten eine
Führung. Durchschnittlich 200 bis 300 Kirchenführer werden pro Jahr
verkauft.

„Eine besondere Herausforderung war es, dass wir hier nicht nur im
physischen Raum stehen, sondern durch den Multimedia-Guide auch immer den
digitalen Raum mitdenken müssen“, so Holzinger, die selber aus der
Innenarchitektur kommt, über ihren Projektauftrag: „Im besten Fall sollten
beide Räume natürlich miteinander verschmelzen.“

Insgesamt vierzig kleine Sendeeinheiten, sogenannte „beacon“, sind im
Kirchenraum versteckt installiert. Die App zeigt über Bluetooth, sobald
das Handy in die Nähe der beacon bewegt wird, entsprechende Inhalte an,
aus denen Besucher*innen auswählen können. Die Wahl erfolgt ähnlich wie
bei einer Zeitung nach den Überschriften. Nach dem Klick erscheinen Texte
und Videos. Vor dem Besuch muss die kostenlose App installiert werden. In
der Anwendung sind auch alle Inhalte vorhanden, so dass es keiner direkten
Datenverbindung während des Besuches bedarf. Es braucht keine feste Route,
sondern der Ablauf ergibt sich intuitiv durch die Bewegung im Raum sowie
auf der Freifläche der Kirche.

Die meisten Menschen, darunter Pilger*innen, Kunstinteressierte,
Tourist*innen, Einheimische und einfach Neugierige, kommen, schauen sich
um – und gehen wieder, berichtet Jörg Mecke vom „Freundeskreis
Sigwardskirche“ und Projektleiter von „Leuchtfeuer“. Sie finden keine
Erklärungstafeln, weil aufgrund des Denkmalschutzes nichts an die Wände
der Sigwardskirche geschraubt oder geklebt werden darf. „Und dann kam die
Idee, wie man diesen Menschen die Kirche näherbringen kann, ohne dass wir
irgendwie die Wand beschädigen und mithilfe von Geräten, die die Menschen
selbst mitbringen“, so Mecke über die Projektanfänge.  Die Kirchenleitung
entscheid, auf ein Medium zu setzen, das sehr viele Menschen nutzen: ihr
eigenes Smartphone. Mecke ist sich sicher, dass diese Lösung Schule machen
wird und betont: „Dieses Projekt, das die Romanik mit modernster Technik
verbindet, ist dahingehend besonders, als dass es in Deutschland nach
unserer ausgiebigen Recherche keine andere Kirche gibt, die eine solche
Technologie im Einsatz hat.“

Doch wie entdecken die Besucher*innen das Angebot? An dieser Stelle kam
die Innenarchitektin Sandra Holzinger ins Spiel. Die HAWK-Studentin im
Masterstudiengang Gestaltung gestaltete im Bereich UI/UX-Design die
intuitive Nutzung der Inhalte der App. Sie entwickelte das Branding Design
vom Logo bis zum gesamten Auftritt. Sie entwarf alle Grafiken für die
Kommunikationsmittel, die als Orientierungshilfen vor Ort einen wichtigen
vermittelnden Zweck erfüllen, vom Flyer für den Innenbereich bis zu den
Schildern auf den Stelen – die sie übrigens als gelernte Tischlerin
ebenfalls entwarf und sogar produzierte.  „Das Projekt an sich ist ein
Paradebeispiel für die interdisziplinäre Gestaltungslehre an der HAWK“,
erklärt Sandra Holzinger.

„Das Projekt Leuchtfeuer ist für die Hochschule besonders interessant,
weil es Neues und Altes zusammenbringt, moderne Digitalisierung und ganz
altes Kulturgut – wie hier die Wandmalerei in der Kirche durch digitale
Medien“, so Dr. Marc Hudy, HAWK-Präsident. „Das finde ich großartig und es
spricht auch wieder für das, was uns ausmacht: interdisziplinär arbeiten
und vernetzt mit unserer Region.“

Genauso sieht es auch Patrick Pütz, betreuender Professor und Dozent für
Innenarchitektur an der HAWK: „Es ist ein Projekt, das sehr
interdisziplinär laufen konnte und wofür gerade wir an der Fakultät
Gestaltung stehen: Wir konnten auf der digitalen und auf der
gestalterischen Ebene von Print bis zur Skulptur unterstützen und helfen –
und das Ganze zum Leben erwecken.“

Sandra Holzinger wünscht sich vor allem, dass das Projekt funktioniert und
von Besucher*innen angenommen wird: „Ich hoffe, dass es auch die
Strahlkraft besitzt und
anderen Vereinen, Kirchen, Institutionen zeigt, dass dies eine sehr gute
Art und Weise ist, um Geschichten weiter zu erzählen“.