Fahrrädern gehört die Zukunft
Stiftungsprofessur Radverkehr der Frankfurt UAS: Prof. Dr.-Ing. Dennis
Knese zieht erste Bilanz
Endlich Frühling! Da schwingen sich vermehrt wieder nicht mehr nur die
Hartgesottenen auf den Fahrradsattel. Ein guter Anlass für eine erste
Bilanz der Stiftungsprofessur Radverkehr an der Frankfurt University of
Applied Sciences (Frankfurt UAS) nach etwas mehr als einem Jahr. Prof.
Dr.-Ing. Dennis Knese ist der Radprof(i) der Hochschule am Frankfurter
Nibelungenplatz. Als eine der ersten von insgesamt sieben deutschen
Hochschulen besetzte die Frankfurt UAS die Stiftungsprofessur. Knese nahm
den Ruf zum 1. Januar 2021 an, sodass er noch im Wintersemester 2020/2021
die Lehre aufnehmen konnte. Der 37-jährige Frankfurter ist Experte im
Bereich nachhaltige Mobilität und war zuvor unter anderem in der
internationalen Politikberatung tätig. Gefördert wird die Professur über
fünf Jahre mit knapp 350.000 Euro jährlich vom Bundesministerium für
Digitales und Verkehr (BMDV) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen
Radverkehrsplans. Unter der Leitung von Knese lernen und forschen
Studierende rund um das Thema Radverkehr und stellen Radverkehrskonzepte
auf. Ihr Know-how können die Absolventinnen und Absolventen dann in der
Praxis einsetzen, um etwa Radwege zu planen oder Innovationen für die
Radlogistik auf den Weg zu bringen. Die Expertise der Frankfurt UAS in den
Bereichen nachhaltige Mobilität und insbesondere in diversen
Radverkehrsthemen konnte durch Knese deutlich ausgebaut und intensiviert
werden.
Bundesminister Dr. Volker Wissing: „Mit den Stiftungsprofessuren stärken
wir gezielt Forschung und Lehre im Bereich des Radverkehrs und leisten
einen wichtigen Beitrag zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Hier
besteht insbesondere in der kommunalen Verkehrsplanung ein enormer Bedarf
an qualifizierten Nachwuchskräften. Dank der Stiftungsprofessuren wird das
Fahrrad in Zukunft von Anfang an mitgedacht – sei es in der Gesetzgebung,
in der Verkehrsplanung oder in der Innovationsforschung. Von den
Professuren erhoffe ich mir deshalb auch mehr Verständnis für die
Sichtweisen, die Bedürfnisse und das Zusammenspiel der verschiedenen
Verkehrsteilnehmer. Denn unsere Aufgabe ist es, klimaneutrale Mobilität
für alle zu gewährleisten – mit einem attraktiven, aufeinander
abgestimmten Mobilitätsmix.“
„Seit der Corona-Pandemie sind mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs,
vor allem für kurze Strecken. Der Trend wird nachhaltig sein. Dies zeigt
auch eine Studie unserer Hochschule. Das Fahrrad hat einen ganz anderen
Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Immer mehr sind bereit, viel Geld
für ein qualitativ hochwertiges Rad auszugeben. Gleichzeitig ist es
wichtig, den öffentlichen Personennahverkehr weiter zu stärken, da er
wieder an Popularität gewinnen und dann an seine Kapazitätsgrenzen stoßen
wird. Auch deshalb müssen ÖPNV, Fußgängerverkehr, Radverkehr, Sharing-
Angebote und auch der motorisierte Individualverkehr zusammengedacht
werden. Ein weiterer verheißungsvoller Trend ist die Entwicklung im
Wirtschaftsverkehr. Viele Unternehmen im städtischen Lieferverkehr und
anderen Sektoren haben erkannt, dass Lastenfahrräder und -pedelecs für
ihre Zwecke eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative sind“,
ordnet Knese die aktuelle Situation rund ums Rad ein . Seine Professur
verknüpft Lehre, praxisnahe Forschung und Anwendung stark miteinander.
Dabei ist die Interdisziplinarität fachbereichs- und hochschulübergreifend
von großer Bedeutung. „Ingenieurs-, wirtschafts- und
sozialwissenschaftliche Perspektiven zu vereinen, ist für eine nachhaltige
Verkehrs- und Stadtentwicklung entscheidend“, so Knese. Die Erkenntnisse
aus den Forschungsprojekten werden in den Vorlesungen diskutiert und
fließen direkt in die Lehre ein. Aus den Forschungsprojekten ergeben sich
weitere Themen mit Radverkehrsbezug für Abschlussarbeiten und
Studienprojekte. „Studierende können somit einen wichtigen Beitrag leisten
und erhalten zugleich Einblicke in die Wissenschaft“, erläutert Knese.
Lehre im Bereich des Radverkehrs konnte an der Frankfurt UAS stark
ausgebaut werden
In diversen Bachelor- und Master-Studiengängen der Frankfurt UAS wurden
unter der Leitung von Knese Lehrinhalte zum Radverkehr integriert.
Studierende befassten sich in verschiedenen Projekten mit Themen wie einer
fahrrad- und fußgängerfreundlichen Straßenraumgestaltung, Potenzialen und
Herausforderungen der Radlogistik sowie Konzepten der Intermodalität
(Verknüpfungsanlagen, Bikesharing, Fahrradmitnahme im ÖPNV). Einige
Studierende erhielten eine Aufgabenstellung durch eine Kommune:
Beispielsweise ist in Zusammenarbeit mit der Stadt Eltville eine
Potenzialuntersuchung für die gewerbliche Belieferung mit Lastenrädern
entstanden und eine vielversprechende Kooperation zwischen der Kommune und
einem Belieferungsunternehmen initiiert worden. Abschlussarbeiten mit dem
Fokus auf Radverkehr widmeten sich den Auswirkungen des
Nachhaltigkeitsbewusstseins von jungen Erwachsenen auf die Entwicklung des
Modal Splits in Deutschland, einer systematischen Vergleichsanalyse von
bestehenden Radschnellverbindungen sowie der Ableitung von
Gestaltungsempfehlungen und einem Radverkehrskonzept für die Megacity
Dhaka in Bangladesch. Der neue Master-Studiengang Nachhaltige Mobilität,
in dem Studierende eine Vertiefung Radverkehr wählen können, startet zum
Wintersemester 2022/23 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Main,
der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Hochschule Darmstadt.
Gleichzeitig werden zwei neue Bachelor-Studiengänge an der Frankfurt UAS
beginnen, in denen Nahmobilitätsthemen durch die Stiftungsprofessur
gelehrt werden: Stadtplanung sowie Infrastruktur und Umwelt.
Neue und laufende Forschungsprojekte im Bereich Radverkehr sowie
Promotionen
Zur Stiftungsprofessur an der Frankfurt UAS gehören vier wissenschaftliche
Mitarbeitende, alle streben eine Promotion an. Drei Vorhaben befinden sich
in der Konzeption und werden im Laufe des Jahres konkretisiert. Das von
Dana Stolte eingereichte Forschungsvorhaben „Ansprüche des
Ausflugsradverkehrs an die Infrastruktur“ wurde bereits vom
hochschuleigenen Promotionszentrum angenommen. „Dadurch entstehen auf
fachlicher Ebene neue Erkenntnisse und auf personeller Ebene neue
Expertise, die der Stärkung des Radverkehrs in Deutschland zugutekommen“,
freut sich Knese.
Das BMDV geförderte Projekt „ParkRight“ beschäftigt sich mit dem Halten
und Parken von Fahrzeugen u. a. auf Radfahrstreifen bzw. in zweiter Reihe.
Diese Situation stellt für Radfahrende eine besonders hohe Gefährdung dar,
da sie bei diesen Falschparkdelikten in den fließenden Verkehr ausweichen
müssen. Im Vordergrund steht eine Verkehrsdatenanalyse, u. a. mittels
Bildbefahrungsdaten, im Zusammenhang mit dem ruhenden Verkehr, der
Straßenverkehrsordnung und dem Radverkehr. Das Verbundvorhaben
„NaTourHuKi“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF), beschäftigt sich mit der Entwicklung einer nachhaltigen
Tourismusstrategie für den Landschaftsraum „Kinzigtal“ im Main-Kinzig-
Kreis. Hier stehen die Gründe für die Verkehrsmittelwahl sowie eine
Untersuchung der unterschiedlichen Nutzergruppen im Freizeitradverkehr im
Fokus der Analysen. Im Rahmen von „Project-mo.de“, einem LOEWE-
Schwerpunktprojekt, wurden zuletzt eine Bestandsanalyse zu Fahrradboxen in
der Rhein-Main-Region durchgeführt sowie die Anforderungen von
Lastenrädern an die Infrastruktur untersucht. Im Projekt „Begleitforschung
bike+business“ wird in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für
Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) die Nutzung verschiedener
Fahrradtypen (u. a. Pedelecs und Lastenräder) durch Unternehmen
betrachtet. Die Frankfurt UAS untersucht die Akzeptanz und
Substitutionspotenziale in betrieblichen Flotten. In der Stadt Frankfurt
am Main sollen die Auswirkungen der geplanten „fahrradfreundlichen
Nebenstraßen“ mittels quantitativer und qualitativer Befragungen sowie
Verkehrszählungen und -beobachtungen wissenschaftlich untersucht werden.
Dabei geht es um die Akzeptanz und die Folgeeffekte der
Umgestaltungsmaßnahmen unter anderem in Bezug auf die
Verkehrsmittelanteile, Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Das Projekt
„ModelRad“, welches im Mai 2022 mit einer BMDV-Förderung starten soll,
befasst sich mit Einflussfaktoren auf die Verkehrsmittel- und Routenwahl
und soll belastbare Parameter für die Radverkehrsmodellierung liefern. Im
Projekt „Digitale Schnittstelle zur Förderung klimafreundlicher
Mobilitätskonzepte im Güterverkehr (DiMoG)“, welches durch das HMWEVW
gefördert wird, wird der Fokus auf der Kooperation von Kommunen und
Unternehmen im Rahmen von Radlogistik-Konzepten liegen. Weitere Projekte
mit Radverkehrsbezug befinden sich in der Akquise.
Veranstaltungen rund um Radverkehr und -logistik
Die Stiftungsprofessuren Radverkehr organisieren seit Sommer 2020 die
Online-Seminarreihe „Roadshow Radverkehr“. Am 21. Mai 2021 fand die von
der Frankfurt UAS organisierte Roadshow „E-Mobilität auf 2 Rädern –
Pedelecs & Co auf der Überholspur?“ statt. Ein Stream steht unter
<https://www.frankfurt-univers
Die nächste Roadshow zum Schwerpunktthema Radlogistik ist für den 5. Mai
2022 um 12:00 Uhr geplant. Nähere Informationen dazu werden in Kürze auf
den Webseiten <www.relut.de> und <https://zukunft-
radverkehr.bmvi.de/bmvi/de/hom
2. Nationalen Radlogistikkonferenz zeigte die Frankfurt UAS im September
2021 auf, dass die Radlogistik einen immer größeren Stellenwert im urbanen
Raum einnimmt und eine Branche entsteht, die den Wirtschaftsverkehr
nachhaltig verändern kann.
Die Stiftungsprofessur an der Frankfurt UAS
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert an sieben
Hochschulen Professuren für den Radverkehr. Ziel ist es, den Radverkehr in
Forschung und Lehre zu verankern – von der Infrastrukturplanung über
Mobilitätsmanagement bis zur fahrradfreundlichen Gesetzgebung und damit
die Interessen von Radfahrerinnen und Radfahrern in einem nachhaltigen
Mobilitätsmix angemessen zu berücksichtigen. Die Stiftungsprofessur an der
Frankfurt UAS ist in das Research Lab for Urban Transport (ReLUT), welches
an den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik sowie
Wirtschaft und Recht angesiedelt ist, eingebunden. Sie fungiert als
Kontakt für alle Belange des Radverkehrs. Der Schwerpunkt der Tätigkeit
liegt im Rhein-Main-Gebiet, reicht aber bis ins europäische und weitere
Ausland. Die Anschlussfinanzierung der Frankfurter Stiftungsprofessur ist
gesichert: Die beiden Fachbereiche stellen zu je 50 Prozent die Mittel für
die unbefristete Finanzierung der Professur. Im forschungsstarken Bereich
der Mobilität und Logistik hat die Frankfurt UAS ein Promotionszentrum
unter ihrer Federführung gegründet, um das eigenständige Promotionsrecht
voranzutreiben.
Zur Person Dennis Knese:
Von 2016 bis 2020 war Knese als Berater für nachhaltige Mobilität bei der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn
tätig. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Architektur,
Bauingenieurwesen, Geomatik der Frankfurt UAS war er von 2010 bis 2016 an
zahlreichen Forschungsprojekten in den Bereichen Elektromobilität, Stadt-
und Verkehrsplanung beteiligt. Im Anschluss unterstützte er die Hochschule
als Lehrbeauftragter. Die Promotion in den Ingenieurwissenschaften
erfolgte 2018 an der Universität Kassel am Institut für Verkehrsplanung
und Verkehrssysteme des Fachbereichs Bauingenieur- und
Umweltingenieurwesen. Das Thema der Dissertation lautete „Integration der
Elektromobilität in die Stadtplanung und Straßenraumgestaltung –
Lösungsansätze für Strategien, Konzepte und Maßnahmen“. Internationale
Erfahrung sammelte Knese durch zahlreiche Auslandseinsätze bei der GIZ
oder als Forschungsmitarbeiter der Vancouver Economic Development
Commission in Kanada. Knese ist gelernter Geograph und Verkehrsplaner, und
ist privat überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad
unterwegs. Ein Auto besitzt er nicht.
Mehr zum Thema Radverkehr an der Frankfurt UAS: <https://www.frankfurt-
university.de/radverkehr-studi
ReLUT unter <www.relut.de/> und zur Fachgruppe Neue Mobilität unter <www
.frankfurt-university.de/verke
Radverkehr unter <https://zukunft-radverkehr.bm
