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Mit dezentralen Flexibilitäten eine Milliarde Euro Stromerzeugungskosten sparen und Stromnetze entlasten

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Neue Anlagen bauen und das Stromnetz flexibilisieren: das sind die zwei
Entwicklungen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben.
Szenarienberechnungen zeigen, dass dezentrale, flexible technische
Erzeuger und Verbraucher erneuerbarer Energien – vor allem Wärmepumpen und
Elektrofahrzeuge – die jährlichen Kosten der Stromerzeugung um bis zu eine
Milliarde Euro reduzieren können. Im Jahr 2020 lag das technische
Flexibilitätspotenzial dezentraler Erzeuger und Verbraucher noch bei rund
zehn Terawattstunden (TWh). Das waren knapp zwei Prozent des
Stromverbrauchs (558 TWh). Bis zum Jahr 2050 kann sich die
flexibilisierbare Strommenge auf rund 220 TWh verzwanzigfachen
(Infografik).

Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen geändert werden. Diese hat ein
Forschungsteam des Öko-Instituts erarbeitet und in einem Policy Brief
zusammengefasst.

Die derzeitigen Rahmenbedingungen
Im heutigen gesetzlichen Rahmen für das Engpassmanagement (der sogenannte
Redispatch 2.0) können die Netzbetreiber nur auf Stromerzeuger zugreifen,
die mindestens 100 Kilowatt Leistung aufweisen, wie in Paragraf 13a im
Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung (EnWG) festgeschrieben.
Stromverbraucher hingegen werden heute noch nicht zur Beseitigung von
Netzengpässen eingesetzt. Sie können mit ihrer Flexibilität lediglich
Regelleistung erbringen, wenn sie die Voraussetzung erfüllen, mindestens
fünf Megawatt Leistung einzusetzen (§13i (2) Satz 4 EnWG). Eine Leistung
die kleine Verbraucher, wie Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge, nicht
erreichen.

Paragraf 14a im EnWG konkretisieren
Einen ersten Schritt in Richtung Steuerung dezentraler Verbrauchsanlagen
macht Paragraf 14a im EnWG. Ein Netzbetreiber kann Betreiberinnen und
Betreibern von Verbrauchern basierend auf diesem Paragrafen ein
reduziertes Netzentgelt anbieten. Dieser gewährt ihm im Gegenzug die
Steuerung einer Verbrauchseinrichtung. Wie genau diese Einigung zwischen
Verbraucherinnen und Verbrauchern und Netzbetreiber aussieht und wie hoch
die Netzentgeltreduktion ausfällt, ist bisher nicht definiert. Eine
konkrete Ausgestaltung in einer Verordnung, die diese Punkte regelt, steht
noch aus. Diese sollte in einem Dialog zwischen relevanten Stakeholdern
erarbeitet und anschließend von der Politik umgesetzt werden.

Flexibilitätsangebot und -nachfrage zusammenbringen
Damit dezentrale Verbraucher und Erzeuger einen netzdienlichen Beitrag
leisten können, sind Mechanismen nötig, die das Angebot und die Nachfrage
nach Flexibilität zusammenbringen. Dabei sind unterschiedliche
Verfahrensweisen denkbar: Es kann sich etwa um Flexibilitätsmärkte
handeln. Auf diesen Märkten bieten Verbraucher und Erzeuger ihre
Flexibilität an. Netzbetreiber fragen sie dort nach und setzen sie
netzdienlich ein. Flexibilitätsmärkte wurden bereits in den SINTEG-
Projekten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erarbeitet und
erprobt. So auch im Projekt Enera, an dem das Öko-Institut in den
Bereichen Szenarien, Modellierung und Roadmap maßgeblich beteiligt war.
Mechanismen-Design muss diskutiert und beschlossen werden
Neben Flexibilitätsmärkten sind auch andere Instrumente denkbar. Das
können etwa vertragliche Einigungen zwischen Netzbetreibern und einzelnen
Anbietern sein.
Auch werden zeitvariable Netzentgelte diskutiert. Diese orientieren sich
an der Netzbelastung und fallen in Zeiten kritischer Zustände hoch aus.
Verbraucher sollen so ihren Verbrauch daran ausrichten und bereits
präventiv Netzengpässen gegensteuern.
Welche Mechanismen schließlich zum Einsatz kommen, ist in einem Dialog
zwischen Netzbetreibern, Flexibilitätsanbietern, der Regulierungsbehörde
und politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern auszuhandeln.

Infografik „Das technische Flexibilitätspotenzial im Stromsystem bis zum
Jahr 2050“
(https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/51971887527/in/dateposted/)

Policy Brief „Dezentrale Flexibilitätsoptionen: Bausteine einer
klimaneutralen Stromversorgung“ des Öko-Instituts
(https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Policy-Brief_Oeko-
Institut_Dezentrale-Flexibilitaet-Uebertragungsnetz-Strommarkt.pdf)

Projekt „Enera“ (https://projekt-enera.de/)

Projekt „Sinteg“ (https://www.sinteg.de/)

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