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Was für ein Arzt will ich sein

Mit einem neuen Lehrprojekt unterstützt das Universitätsklinikum Jena die berufliche Persönlichkeitsentwicklung der Medizinstudierenden.  Friederike Klein  Universitätsklinikum Jena
Mit einem neuen Lehrprojekt unterstützt das Universitätsklinikum Jena die berufliche Persönlichkeitsentwicklung der Medizinstudierenden. Friederike Klein Universitätsklinikum Jena
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Mit einem neuen Lehrprojekt unterstützt das Universitätsklinikum Jena die berufliche Persönlichkeitsentwicklung der Medizinstudierenden.  Friederike Klein  Universitätsklinikum Jena
Mit einem neuen Lehrprojekt unterstützt das Universitätsklinikum Jena die berufliche Persönlichkeitsentwicklung der Medizinstudierenden. Friederike Klein Universitätsklinikum Jena

Das Medizinstudium vermittelt Fachwissen und praktische Fertigkeiten –
hohe Erwartungen haben Patienten, Kollegen und die Gesellschaft auch an
das Verantwortungsbewusstsein und die Integrität von Ärztinnen und Ärzten.
Mit einem neuen langfristigen Lehrangebot zur ärztlichen
Professionalitätsentwicklung will das Universitätsklinikum Jena die
Entwicklung eines wissenschaftlichen und beruflichen Ethos unterstützen.

„Was für eine Ärztin oder ein Arzt möchte ich später einmal sein? Und wie
kann ich das erreichen?“ Um diese komplexe und oft auch persönliche Frage
geht es in den Seminaren von ‚LongProf‘, wenn sich Medizin-Studierende mit
ihrer professionsbezogenen Entwicklung auseinandersetzen. Das
‚Longitudinale Curriculum zur Ärztlichen Professionalitätsentwicklung‘
befindet sich zurzeit in der Pilotphase und ist auf zwei Jahre angelegt.
Die Lehrangebote richten sich an die Studierenden im Klinischen Abschnitt
ab dem fünften Fachsemester, die werden zurzeit von sechs ärztlichen und
zwei psychologischen Lehrenden moderiert. Die Gesamtkoordination übernimmt
das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Jena.

„Im Medizinstudium steht zunächst das Fachliche im Vordergrund: Die
Studierenden lernen Fakten, verstehen Zusammenhänge und trainieren
praktische Tätigkeiten – und das oft in vielen Einzelkursen mit jeweils
anderen Lehrenden. Aspekte, die über die fachliche Expertise hinausgehen,
aber für die berufliche Persönlichkeit wesentlich sind, werden oftmals nur
punktuell oder implizit vermittelt“, so der Leiter des Projektes, Dr. Sven
Schulz. Solche Aspekte will LongProf ansprechen, zum Beispiel die
Verantwortungsübernahme und Autonomie des Arztes, den Umgang mit Fehlern,
auch den eigenen Fehlern, die Schaden-Nutzen-Abwägung oder das
Spannungsfeld von Patientenwohl und Ökonomie.

„Das geht schon ans Eingemachte“, wie es eine Teilnehmerin des
Auftaktseminars ausdrückte. Der Kurs startete im Wintersemester mit 20
Studierenden. Gemeinsam mit dem LongProf-Team nähern sie sich mit
vielfältigen Methoden wie Biographie-Arbeit, Gruppenreflexion und
Rollenspielen den großen Themen. Dabei werden fünf Handlungs- und
Beziehungsebenen der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte berücksichtigt: die
zur Patientin, die zu sich selbst als Arzt, im Team, im Gesundheitssystem
und die Verantwortung für und in unserer Gesellschaft. Die Erfahrungen und
Bedürfnisse der Studierenden werden hier aktiv mit den Lehrangeboten
verknüpft und bilden die Basis für die eigene
Professionalitätsentwicklung.

Der Psychologe Dr. Jens Rißmann betont: „Wir wollen auch zur
Selbstreflexion und Selbstfürsorge anregen, zum Nachdenken über
persönliche und berufliche Befürchtungen und Erwartungen. Dabei gehen wir
auch auf die Anregungen und Erfahrungen der Studierenden ein.“ In einem
wöchentlichen Mentoringangebot können die Studierenden engeren Kontakt zu
einer Ärztin oder einem Arzt knüpfen, den sie nicht nur als Kardiologen
oder Chirurgin kennenlernen, sondern in erster Linie als
Gesprächspartnerin und Begleiter der beruflichen Entwicklung.

Im April startet das Pilotprojekt in sein zweites Semester – Hauptthemen
werden die ärztliche und die Patientenautonomie sein sowie Achtsamkeit und
Resilienz. Neben dem unmittelbaren Feedback der Teilnehmenden plant das
Projektteam eine umfassende qualitative und quantitative Evaluierung für
den gesamten Kurs mit dem Ziel, das Lehrangebot langfristig im
Medizinstudium zu verankern. „Wir wollen die Studierenden darin
unterstützen, eigene Überzeugungen und Werte für ärztliches Handeln
herauszubilden und sich zu einer ärztlichen Persönlichkeit zu entwickeln.
Mit einer solchen Förderung der Professionalität könnte das Jenaer
Medizinstudium bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen“, betont Prof. Dr.
Jutta Bleidorn, Direktorin des Jenaer Instituts für Allgemeinmedizin.

Weitere Informationen:
Das Projekt wird im Rahmen des Strategie- und Innovationsfonds der
Medizinischen Fakultät gefördert.
https://player.vimeo.com/video/577223032  Trailer zum Projekt