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• Die Humusauflage, eine Schicht aus abgestorbener Biomasse in unterschiedlichen Zersetzungsstadien, die den Mineralboden in Wäldern bedeckt, reagiert sehr sensitiv auf Klimawandel und Baumartenzusammensetzung. • Team um Friederike Lang unters

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•       Die Humusauflage, eine Schicht aus abgestorbener Biomasse in
unterschiedlichen Zersetzungsstadien, die den Mineralboden in Wäldern
bedeckt, reagiert sehr sensitiv auf Klimawandel und
Baumartenzusammensetzung.
•       Team um Friederike Lang untersucht zusammen mit
Forschungsinstituten in verschiedenen Ländern die Funktionsweise und
Vulnerabilität der Humusauflage.
•       Viele Prozesse, die ausschlaggebend für die Eigenschaften des
gesamten Bodens oder sogar des Ökosystems sind, laufen in der Humusauflage
ab. Diese ist damit die bisher erst wenig untersuchte Drehscheibe des
Ökosystems Wald.

Ganz anders als Ackerböden werden Waldböden nicht maschinell durchmischt.
Dadurch reichern sich unter anderem Blatt-, Nadelstreu, Reisig und Samen
an der Oberfläche an und bilden eine einzigartige Zone des Übergangs
zwischen der frischen Biomasse und dem mineralischen Boden, die in der
Fachsprache als Humusauflage bezeichnet wird. Humusauflagen können große
Mengen CO2 speichern, ernähren Lebensgemeinschaften und beeinflussen die
Vitalität und Stabilität der Wälder. Der Einfluss des Klimawandels auf
diese sensitive Bodenzone wirft viele offene Fragen auf. Hier setzt die
kürzlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte
Forschungsgruppe „Forest Floor“ um die Sprecherin Prof. Dr. Friederike
Lang, vom Institut für Forstwissenschaften an der Fakultät für Umwelt und
Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg an: „Wir wollen die
Eigenschaften und Funktionsweise der Humusauflage in Wäldern erforschen,
und damit den Teil des Bodens der wohl am empfindlichsten auf den
Klimawandel reagiert aber für die Waldökosysteme von zentraler Bedeutung
ist“, erklärt Lang das Forschungsziel. Die DFG unterstützt die Gruppe ab
Juli 2022 für zunächst vier Jahre mit insgesamt 4,8 Millionen Euro.

Gemeinsames Vorhaben von zwölf internationalen Forschungsprojekten

Unter dem Motto „Humusauflage: Funktionsweise, Dynamik und Vulnerabilität
im Wandel“ schließen sich zwölf verschiedene internationale
Forschungsprojekte zu einem gemeinsamen Vorhaben zusammen. Vom Freiburger
Institut für Forstwissenschaften arbeiten neben Friederike Lang auch Prof.
Dr. Jürgen Bauhus, Dr. Cornelia Herschbach, Dr. Martin Kohler, Dr. Helmer
Schack-Kirchner und Prof. Dr. Christiane Werner mit, sowie Prof. Dr.
Markus Weiler vom Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften. Weitere
Mitglieder sind Forschende der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt
Baden-Württemberg, der Technischen Universität München, des Helmholtz-
Zentrums München, des Johann Heinrich von Thünen-Instituts – das
Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, der
Universität Göttingen, der Universität Hamburg, der Universität
Kopenhagen/Dänemark, der ETH Zürich/Schweiz, der Eidgenössischen
Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft Birmensdorf/Schweiz, des
Kew Royal Botanic Gardens und des Imperial College London/England. „Die
Förderung ermöglicht uns die Fortsetzung einer großartigen
interdisziplinären Zusammenarbeit zu Waldböden, die wir in der
Antragsphase bereits als sehr erfreulich, anregend und erfolgreich
empfunden haben“, sagt Lang. Im Rahmen des Projekts werden Stellen für
zwölf Promovierende sowie eine Koordinationsstelle geschaffen.

Eigenschaften der Humusauflage bestimmen

Das Team wird an zwölf Standorten in Buchenmischwäldern in Deutschland und
der Schweiz durch Messungen im Ökosystem und gemeinsame Experimente die
Funktionen der Humusauflage analysieren. Die Forschungsgruppe möchte
überprüfen, ob die Eigenschaften der Humusauflagen europäischer Wälder
geprägt werden durch Anpassungen der Bäume und assoziierten
Mikroorganismen an den Nährstoffgehalt der Böden – und welchen Einfluss
die Klimaerwärmung darauf hat. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem
Vergleich zwischen der Humusauflage unter Buche, Fichte und Ahorn.

Bedeutung der Humusauflage soll klarer werden

„Die Humusauflage enthält lebensnotwendige Mineral- und Nährstoffe für das
Pflanzenwachstum, bietet Lebensraum für Mikroorganismen und Bodentiere und
verbessert den Luft- und Wärmehaushalt der Böden“, erklärt Lang. „Viele
Prozesse die ausschlaggebend für die Eigenschaften des gesamten Bodens
oder sogar des Ökosystems sind, laufen in der Humusauflage ab. Diese ist
damit die Drehscheibe des Ökosystems Wald.“ Ziel der Forschenden ist es,
die Rolle der interagierenden Faktoren in der Humusauflage besser zu
verstehen, wie beispielsweise die Temperatur oder das Nährstoff- und
Wasserangebot sowie die Zusammensetzung der Bodenfauna und
Mikroorganismen. Mit diesen Informationen soll auch die Bedeutung der
Humusauflage als Lebensraum für Bodenorganismen, Baumwachstum und
Verjüngung klarer werden.

Pressemitteilung der DFG:
https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung_nr_06/index.html