Nachhaltigkeit im Onlinehandel: Produkt bestimmt Großteil der Emissionen
Der Umsatz im Internet- und Versandhandel wuchs im Jahr 2021 um mehr als
ein Drittel gegenüber 2019. Am meisten werden Bekleidung und Schuhe online
gekauft. Doch was ist besser fürs Klima: Online bestellen oder einkau-fen
vor Ort? Darauf antwortet Forscherin Dr. Nele Kampffmeyer im Podcast
„Wenden bitte! Der Podcast zu Wissenschaft und nachhaltigen Transformati-
onen“ des Öko-Instituts.
Zum Podcast des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/podcast/e
der-onlinehandel-nachhaltig-se
Faktoren für die Nachhaltigkeitsbewertung
„Ob ein Einkauf nachhaltig ist, bestimmt an erster Stelle das Produkt, das
im Warenkorb landet“, fasst Kampffmeyer zusammen. „Das gilt für den
Online- und Offline-Handel.“ Die erste Frage, die sich Käuferinnen und
Käufer des-halb stellen sollten: „Ist das Produkt nachhaltig hergestellt?“
und als zweites: „Brauche ich es überhaupt?“
Darüber hinaus sind Logistik und Transport für den Klimafußabdruck
wichtig: Mit welchem Verkehrsmittel fährt man selbst zum Geschäft im
stationären Handel? Wie wird das online bestellte Produkt bis zur Haustür
geliefert? Be-sonders die „letzte Meile“ schlägt hier bei den Emissionen
zu Buche. Vor al-lem, weil dort teilweise wenig ausgelastete
Kleintransporter eingesetzt wer-den.
„Kritisch ist die sogenannte ‚Instant Delivery‘ zu bewerten, das heißt
wenn ein Produkt am selben Tag bestellt und ausgeliefert wird“, sagt
Kampffmeyer. Denn hier lässt sich eine effiziente Logistik schwer
umsetzen. Doch immer häufiger wird für die letzte Meile inzwischen auf
Lastenräder gesetzt – hier-durch werden die Logistikemissionen deutlich
gesenkt.
Auch das Ladengeschäft oder das Lager der Online-Händler verursachen
Emissionen: Wie werden die Räume beheizt? Wie wird der Strom erzeugt? Gibt
es eine Kühlung? Im Vergleich dazu fallen Versandverpackungen nicht so
stark ins Gewicht. Die ideale Verpackung sei hier Mehrweg, doch bei ihrer
Nutzung stehe man in Deutschland leider noch am Anfang.
Retouren: Pflicht zur Berichterstattung, Vernichtung stoppen
Ein großer Faktor bei der CO2-Bilanz seien die Retouren. Wie groß das
Prob-lem tatsächlich ist, so bemängelt Kampffmeyer, sei nicht bekannt, da
es hier-zu keine zuverlässigen Daten gebe. Gerade die großen Onlinehändler
geben hierzu keine Auskunft. Deshalb plädiert sie für eine Pflicht zur
Berichterstat-tung.
Darüber hinaus werden retournierte Artikel entweder als A- oder B- Ware
wiederverkauft oder vernichtet und das aus zwei Gründen: Entweder, weil
die Produkte beschädigt sind oder aus hygienischen Gründen, zum Beispiel
ge-öffnete Kosmetika. Oder aus betriebswirtschaftlichen Gründen, etwa,
weil die Wiederaufbereitung zu teuer ist – je nach Artikel sind das
zwischen fünf und 20 Euro – oder weil es teurer ist, die Lagerkosten zu
zahlen, als das Produkt zu vernichten.
„Die Vernichtung von Retouren darf aus Klimasicht nicht sein“, so Kampff-
meyer. Jedoch sei die Vernichtung nicht auf den Onlinehandel beschränkt,
sondern betreffe auch den stationären Handel, zum Beispiel wenn die
textile Saisonware nicht komplett abverkauft wurde. Auch hier müssten die
Bericht-erstattungspflicht und das Kreislaufwirtschaftsgesetz greifen.
Wissen statt Alltagsberatung
Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit
politi-schem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien,
NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderiert Nadine Kreutzer,
Journalistin und Moderatorin unter anderem mit Schwerpunkt auf
Nachhaltigkeitsthemen. 45 bis 60 Minuten spricht sie mit Mandy Schoßig,
Leiterin Öffentlichkeit & Kommunikation, und jeweils einem Gast über
anstehende Nachhaltigkeits-transformation
„Langstrecke der Umweltpodcasts“.
Staffel 2
Episode 3: „Kann der Onlinehandel nachhaltig sein?“ mit Dr. Nele
Kampffmeyer, erschienen am 14. April 2022
(https://www.oeko.de/podcast/e
sein)
Episode 2: „Brauchen wir die Kernenergie für den Klimaschutz?“ mit Dr.
Christoph Pistner, erschienen am 10. März 2022
(https://www.oeko.de/podcast/e
den-klimaschutz)
Episode 1: „Wie viel Klimaschutz kann die EU?“ mit Sabine Gores, er-
schienen am 28. Januar 2022 (https://www.oeko.de/podcast/e
klimaschutz-kann-die-eu)
Staffel 1 (2021)
Episode 1: „Warum ist Wasserstoff der Champagner der Energiewende?“ mit
Dr. Felix Chr. Matthes, erschienen am 8. April 2021
(https://www.oeko.de/podcast/e
der-energiewende)
Episode 2: „Wie geht es mit dem Flugverkehr nach Corona weiter?“ mit
Jakob Graichen, erschienen am 21. Mai 2021
(https://www.oeko.de/podcast/e
corona-weiter)
Episode 3: „Was bringt die Bürgerbeteiligung bei der Endlagersuche?“ mit
Julia Mareike Neles, erschienen am 1. Juli 2021
(https://www.oeko.de/podcast/e
bei-der-endlagersuche)
Episode 4: „Wie verlängern wir das Leben unserer Elektrogeräte?“ mit
Siddharth Prakash, erschienen am 5. August 2021
(https://www.oeko.de/podcast/e
unserer-elektrogeraete)
Episode 5: „Wie sozial kann die Energiewende sein?“ mit Dr. Katja
Schumacher, erschienen am 23. September 2021
(https://www.oeko.de/podcast/e
sein)
Episode 6: „Was bringen internationale Klimaverhandlungen?“ mit Anke
Herold, erschienen am 28.Oktober 2021 (https://www.oeko.de/podcast/e
/was-bringen-internationale-kl
Der Podcast ist erhältlich auf allen gängigen Podcast-Portalen – etwa bei
Apple Podcasts (https://podcasts.apple.com/de
podcast-zu-wissenschaft-und-na
(https://open.spotify.com/show
Zum Podcast auf der Website des Öko-Instituts mit Shownotes und weiteren
Hintergrundinformationen (https://www.oeko.de/podcast/e
onlinehandel-nachhaltig-sein)
