Fahrbahnmarkierungen auf Knopfdruck beurteilen
m Rahmen des Projekts „GeoSmartChange“, das die Städte Gelsenkirchen,
Bottrop und den Kreis Recklinghausen mit digitalen Informationen versorgt,
hat die Westfälische Hochschule jetzt Daten zur Erkennung und
Zustandsbeurteilung von Fahrbahnmarkierungen geliefert. Das erspart bei
der Straßeninstandhaltung aufwendigere Erfassungsmethoden wie etwa das
Abfahren aller Straßen.
Gelsenkirchen/Bottrop/Kreis Recklinghausen. Die Digitalisierung soll aus
den Städten der Emscher-Lippe-Region „Smart Cities“ werden lassen und
dadurch kommunale Dienstleistungen vereinfachen und Bürgern online
zugänglich machen. Gelsenkirchen, Bottrop und der Kreis Recklinghausen
haben dazu ihre Gebiete per Bildbefahrung digitalisieren lassen. Ergebnis
ist ein „digitaler Zwilling“, der hochaufgelöste Panoramabilder und
räumliche, zentimetergenaue Punktwolken von Straßen und Gebäuden liefert.
„Solche Daten gab es vorher nicht“, so Prof. Dr. Christian Kuhlmann, „sie
sind in ihrer Dichte und Präzision neuartig und eröffnen den Kommunen
vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.“ Kuhlmann und sein wissenschaftlicher
Mitarbeiter Alexander Roß haben ein mit künstlicher Intelligenz
arbeitendes Computersystem entwickelt, das aus der Fülle der Daten des
digitalen Zwillings zunächst die bestehenden Straßenmarkierungen von
Bottrop erkennt und ihren Zustand beurteilt. Dazu haben sie die Panorama-
Bilder in Senkrechtbilder von oben umgewandelt und die
Fahrbahnmarkierungen ausgefiltert. Die ersten rund 100 Bilder hat
Alexander Roß gemeinsam mit Tiefbauingenieuren aus Bottrop mit
menschlicher Intelligenz ausgewertet und die Linien auf ihren Zustand
beurteilt. Damit hat er dann die künstliche Computerintelligenz trainiert,
sodass diese weitere Bilder selbst analysieren kann. Entstanden ist eine
Karte der Markierungen und ihres Zustands. Die Ergebnisse hat die
Westfälische Hochschule Bottrop, Gelsenkirchen und dem Kreis
Recklinghausen bereits bereitgestellt – in Bottrop etwa dem dortigen
Fachbereich Tiefbau und hat das dabei entstandene KI-Programm gleich
mitgeliefert. Auf diese Weise kann die Stadtverwaltung zukünftig zu
erneuernde Markierungen vom Schreibtisch aus ermitteln und für ein
bedarfsgerechtes Ergebnis planen, anstatt die Straßen abzufahren. „Die
Ergebnisse sind bei der zukünftigen Erneuerung von Markierungen ein
wichtiges Instrument, um den Bedarf zu ermitteln und den Aufwand zur
Ermittlung von schlechten und fehlenden Markierungen drastisch zu
reduzieren“, ist sich Frank Skiba, Sachgebietsleiter für das
Straßenmanagement im Fachbereich Tiefbau der Stadt Bottrop, sicher.
