Zum Hauptinhalt springen

Nach der Kirschblüte lauert die Essigfliege

Pin It

„Der Frühling ist da und die blühenden Obstbäume und -sträucher machen
schon jetzt Lust auf frische Früchte wie Kirschen, Pfirsiche oder
Pflaumen“, so Roger Waldmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL). Doch er weist auf den richtigen Schutz der
Obstbäume vor der Kirschessigfliege hin: „Denn die Larven der Drosophila
suzukii entwickeln sich in manchen Jahren lokal so schnell, dass die
komplette Ernte innerhalb von weniger als 14 Tagen ausfallen kann.“

Die Besonderheit der Kirschessigfliege ist ihre Vorliebe für reifende und
reife Früchte. Dorthinein legt das rund drei Millimeter große Schadinsekt
seine Eier, also auch in Kirschen, die noch am Baum hängen und kurz vor
der Ernte stehen. Dies macht die Bekämpfung des Schädlings mit
Insektiziden schwierig, da nur ein kleines Zeitfenster bis zur Ernte
verbleibt. Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschessigfliege stehen für den
Hausgarten nicht zur Verfügung. Selbst beruflich Anwendende mit
Pflanzenschutz-Sachkundenachweis können nur befristet zugelassene
Insektizide anwenden.

Wie man die Obsternte im heimischen Garten schützen kann:

•       Das „Einnetzen“ der Pflanzen. Diese Methode dient der Vermeidung
des Befalls. Hierbei werden die zu schützenden Bäume und Sträucher in
feinmaschige Netze eingehüllt, sodass die Schadinsekten die Früchte gar
nicht erst erreichen können. Eine Maschenweite von 0,8 bis maximal 1,0
Millimetern verspricht die besten Ergebnisse. Der richtige Zeitpunkt: Um
die Bestäuber nicht zu beeinträchtigen, wird damit erst beim Farbumschlag
(Reifung) der Früchte begonnen.

•       Ein trockenes, besonntes Bestandsklima sicherstellen, da die
Kirschessigfliege feuchte und kühle Bedingungen bevorzugt. Hierbei helfen
geeignete Schnittmaßnahmen und das Entfernen der Blätter um die Früchte
herum, um ein schnelles Abtrocknen des Baums zu ermöglichen.

•       Verzicht auf eine Überkopfbewässerung und das Kurzhalten des
Rasens unter den Obstbäumen, um schattige, kühle Rückzugsbereiche für die
Kirschessigfliegen zu vermeiden.

•       Ein naturnaher Garten. Hierdurch werden die natürlichen Feinde der
Kirschessigfliege, wie Schlupfwespen, Vögel, Spinnen oder Ameisen,
gefördert.
Seit 2011 hat sich die aus Asien stammende Kirschessigfliege in
Deutschland ausgebreitet. Neben Süß- und Sauerkirschen befällt sie
zahlreiche Obstarten wie Brombeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Pflaumen,
seltener Erdbeeren und lokal einige rote Traubensorten. Die
Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum EPPO stuft
die Kirschessigfliege als eine große Gefahr ein, denn:

•       die Klimabedingungen in Europa sind optimal für ihre Vermehrung,
•       die Vielzahl an nutzbaren, in zeitlicher Abfolge reifenden
Obstkulturen stehen während der gesamten Wachstums- und Vermehrungsphase
zur Verfügung,
•       der kurze Generationswechsel sorgt, in Abhängigkeit von den
jährlichen Klimabedingungen, für eine rasche Ausbreitung und sehr schnell
ansteigende Zahlen mit entsprechendem Befall der Wirtsfrüchte.

Kommt es zum Befall, so sollte dieser durch eine frühzeitige und komplette
(bei Kirschen) beziehungsweise kontinuierliche Ernte (bei Himbeeren)
reifer Früchte reduziert werden. Auf die Kompostierung der befallenen
Früchte im eigenen Garten sollte verzichtet werden. Um Eier und Maden
abzutöten, sollten befallene Früchte zunächst in einem luftdicht
geschlossenen Behälter oder einer Plastiktüte mehrere Tage der Sonne
ausgesetzt werden, in reichlich Wasser mit etwas Spülmittel mehrere
Stunden stehen gelassen oder mit kochendem Wasser überbrüht werden. Danach
können die Früchte entsorgt werden. Abgefallene, auf dem Boden liegende
Früchte sollten schnell entfernt werden, denn die gesamte Bestandshygiene
ist sehr wichtig, um den Befall der Früchte gering zu halten.

Quellen und weitere Informationen finden Sie hier:

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
(https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/pflanzenschutz/kirschessigfliege.html)

Wissensportal des Julius Kühn-Instituts
(https://drosophila.julius-kuehn.de/)

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
(https://www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderungen-
Auftraege/Modellvorhaben/Pflanzliche-Erzeugung/Kirschessigfliege
/einnetzen-obstkulturen_node.html)

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
(https://www.lfl.bayern.de/ips/obstbau/096383/index.php)

Hintergrund:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist
die zuständige Behörde für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. An den
nationalen Verfahren sind weitere Behörden beteiligt:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die Auswirkungen auf
die Gesundheit von Mensch und Tier und die Analysemethoden zum Nachweis
möglicher Rückstände.

Das Julius Kühn-Institut (JKI) bewertet die Wirksamkeit, die
Pflanzenverträglichkeit, den Einfluss auf die Nachhaltigkeit und mögliche
Auswirkungen auf Honigbienen.

Das Umweltbundesamt (UBA) bewertet mögliche Auswirkungen auf den
Naturhaushalt.