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Hamsterkäufe: Drei Fragen an eine Wirtschaftspsychologin

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Leere Regale im Einzelhandel, volle Vorratskammer daheim: Im Zuge des
Krieges in der Ukraine werden bestimmte Konsumgüter über den üblichen
Bedarf hinaus gekauft. Das sogenannte Hamstern betrifft beispielsweise
Speiseöl oder Mehl. Dieses Phänomen war bereits zu Beginn der Coronakrise
zu beobachten. Prof. Dr. Mira Fauth-Bühler von der FOM in Stuttgart
erklärt die psychologischen Mechanismen dahinter.

Prof. Dr. Fauth-Bühler, wir beobachten gerade die Rückkehr eines
Phänomens, das uns vom Beginn der Coronakrise bekannt ist: Wie lassen sich
Hamsterkäufe erklären?

In Krisenzeiten kann es vernünftig sein, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um
sich auf Unwägbarkeiten einzustellen. Das Hamstern allerdings geht über
das rationale Maß hinaus. Es kommt dabei zu einem Paradoxon: In der
Erwartung, dass bestimmte Produkte knapp werden, werden diese übermäßig
stark gekauft. So entsteht ein „Schneeballeffekt“, da immer mehr Menschen
das Verhalten adaptieren und so zu einer Verknappung beitragen. In der
Folge kommt es schließlich tatsächlich zu vorübergehenden Lieferengpässen.

Wir werden also Opfer unserer wahr werdenden Erwartungen?

Durch unser eigenes Verhalten begünstigen wir erst das Eintreten des
befürchteten Ereignisses. Ein Phänomen, das in der Psychologie als
„Selbsterfüllende Prophezeiung“ bezeichnet wird. Durch die Verknappung von
Konsumgütern wird bei den Verbrauchern zudem psychologische Reaktanz
erzeugt. Wir fühlen uns unserer Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der
Auswahl eines Konsumguts beraubt. Knappe Güter werden vom Kunden als
attraktiver bewertet und der Kauf wird wahrscheinlicher. Dies trägt weiter
zur Verknappung des Konsumgutes bei.

Gibt es weitere Faktoren, die bei Hamsterkäufen eine Rolle spielen?

Unkontrollierbare Situationen können Angst auslösen. Wenn wir für eine
gegebene Situation keine Vorgaben haben, wie wir uns verhalten sollen, um
mit der Bedrohung umzugehen, folgen wir unserem Herdentrieb. Wir
orientieren uns an anderen, getreu dem Motto „Was alle tun, wird nicht
verkehrt sein“. Aufgrund des Eindrucks mangelnder Selbstwirksamkeit in
einer komplexen Welt vermittelt das Hamstern den Menschen außerdem ein
Gefühl von „Kontrolle im Kleinen“. Die gefühlte Unsicherheit kann damit
ein Stück weit kompensiert werden.