Cloud-Plattformen demokratisch und effizient gestalten – Das geht! Kompass für genossenschaftlich orientierte Modelle
Bei Cloud-Plattformen denkt man zuerst an große internationale Player wie
Microsoft (MS Azure) oder Amazon (AWS), wo die starken Kernunternehmen die
Bedingungen setzen. Aber Cloud-Plattformen bieten andere Möglichkeiten,
die gerade für kleine und mittlere Unternehmen interessant sind:
Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Partizipation, gemeinsame Gestaltung.
Einfach ist das nicht, aber es ist möglich. Im Projekt SmartGenoLab hat
das ISF München die Reise eines mittelständischen IT-Netzwerks zu einem
genossenschaftlich orientierten cloudbasierten Geschäftsmodell begleitet.
Der Kompass für diese Reise ist nun veröffentlicht: das Framework
„Plattformbasierte Ökosysteme partizipativ gestalten“.
In der digitalen Arbeitswelt ist es Zeit, Neues zu wagen und Räume zu
schaffen, in denen Unternehmensführungen und Beschäftigte gemeinsam
innovative Arbeitskonzepte ausprobieren können. Das Projekt SmartGenoLab –
Mit digitalen Unternehmen in genossenschaftlichen Strukturen
Wirtschaftsdemokratie gestalten“ hat sich zum Ziel gesetzt, angesichts des
digitalen Wandels neue selbstorganisierte und beteiligungsorientierte
Arbeitsformen zu schaffen. In diesem Projekt entwickelte das Institut für
Sozialwissenschaftliche Forschung – ISF München gemeinsam mit den Partnern
CAS Software AG und SmartWe World AG ein umfassendes Modell zu einem
genossenschaftlich orientierten, plattformbasierten Ökosystem, das agile
Prozesse und Strukturen mit digitalen Werkzeugen kombiniert und eine
innovative Beteiligungsplattform zur Handhabung des Zusammenwirkens aller
Stakeholder generiert: das SGL-Modell. Hier werden Beschäftigte, Partner
und Kunden zu Miteigentümer:innen und Mitgestalter:innen in neuen
Partizipationsformen.
Nun ist ein Framework für dieses Modell verfügbar: „Plattformbasierte
Ökosysteme partizipativ gestalten“, herausgegeben von Dr. Stephanie
Porschen-Hueck und Kurt Rachlitz, zugänglich unter
https://doi.org/10.36194/SMART
Im betrieblichen Experimentierraum: Forschung am Puls der Praxis
Das Framework ist nicht am grünen Tisch entstanden, sondern in einem
betrieblichen Experimentierraum. Es lädt die Leserinnen und Leser ein, mit
den Autor:innen die Reise eines mittelständischen IT-Netzwerks über drei
Jahre bei den ersten konkreten Schritten zu einem plattformbasierten,
partizipativ ausgerichteten Ökosystem zu begleiten. Diese Reise führt
immer wieder vom Experimentierraum zu übergreifenden Fragen – und wieder
zurück zur konkreten Gestaltungstätigkeit. So bietet das Framework vielen
etwas, zuallererst aber Praktiker:innen, die sich selbst für die
Möglichkeiten plattformbasierter Ökosysteme in genossenschaftlicher
Orientierung interessieren.
Zunächst gibt das Framework einen Überblick über das Reich der modernen
Plattformökonomie, behandelt die vielgenutzten und oft missverstandenen
Begriffe der Plattform, des Ökosystems und des Netzwerks und zeigt auf,
was das für kleine und mittlere Unternehmen bedeuten kann. Der Hauptteil
dient der Entwicklung und Präsentation des SGL-Modells und der
Beschreibung des Transformationsprozesses, also der Umstellung zum
genossenschaftlich orientierten cloudbasierten Geschäftsmodell. Hier
werden Werte und Grundlagen, zentrale Funktionen, konkrete Aufgaben und
Kompetenzen der partizipativen Ökosystem-Orchestration vorgestellt.
Schließlich präsentiert das Framework konkrete, im Experimentierraum
entwickelte Werkzeuge und Verfahren: zum Beispiel den „Geno-Check“ zur
Prüfung, ob genossenschaftliche Modelle für das jeweilige Projekt geeignet
sind; den „Parti-Pro“ als Verfahren zur partizipativen Gestaltung von
Prozessen; Konzepte für IT-Werkzeuge zum Netzwerk- und
Entscheidungsmanagement mit verknüpfter Kompetenzlandkarte.
Partizipation und Effizienz
Eine entscheidende Frage partizipativer plattformbasierter Ökosysteme ist
es, wie es gelingen kann, eine Zusammenarbeit von Unternehmen und
Beschäftigten auf Augenhöhe und im Sinne guter digitaler Arbeit zu
erreichen – und zugleich „die PS auf die Straße zu bringen“, also
effiziente Entscheidungen zu ermöglichen, wie sie gerade in der
wechselhaften modernen Geschäftswelt erforderlich sind. Dazu bietet das
Framework eine breite, ausdifferenzierte Palette von Instanzen, Verfahren
und Entscheidungsstufen. Denn nicht jedem Unternehmen und nicht jedem
Projekt passt derselbe Anzug. Doch Partizipation, Demokratie und Autonomie
sind nicht nur Werte an sich, sie stellen auch wertvolle Potenziale für
eine innovative gemeinsame Praxis bereit. Das heißt nicht, dass jeder
Partner bei jeder Entscheidung beteiligt sein muss – aber es bedeutet,
dass jedem Partner die Möglichkeiten offenstehen, das Ökosystem
mitzubestimmen und mitzugestalten.
Das Projekt
Das Projekt SmartGenoLab wurde vom Bundesministerium für Arbeit und
Soziales gefördert und im Rahmen der Förderrichtlinie „„Zukunftsfähige
Unternehmen und Verwaltungen im digitalen Wandel“ unter dem Dach der
Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) durchgeführt, mit einer
Laufzeit von November 2018 bis November 2021. Projektpartner waren das ISF
München, die CAS Software AG und die SmartWe World AG.
Über INQA
Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) ist eine vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufene Initiative.
Sie versteht sich als neutrale und nicht-kommerzielle Praxisplattform, die
sich für die Gestaltung einer modernen Arbeitswelt mit attraktiven
Arbeitsbedingungen für Arbeitgeber und Beschäftigte einsetzt und
Unternehmen und Beschäftigte im Wandel der Arbeitswelt begleitet.
Dabei legt sie den Fokus auf die Bereiche Führung, Gesundheit, Vielfalt
und Kompetenz. INQA bietet eine Vielfalt an Beratungs- und
Informationsangeboten sowie ein breites Netzwerk für Betriebe und
öffentliche Verwaltungen. Die Initiative agiert nah an den Unternehmen und
hat ein Ohr für den betrieblichen Alltag. Die Angebote der Initiative
richten sich an Führungskräfte und Geschäftsführer*innen,
Personalverantwortliche, Betriebsräte und letztendlich an jede*n
Beschäftigte*n, dem an einer positiven und gesunden Arbeitskultur gelegen
ist. Denn nur durch die Bereitschaft zur Veränderung kann der
wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens gewährleistet werden. INQA ist
die relevante Praxisplattform für eine zukunftsfähige Arbeitskultur und
neue Qualität der Arbeit in Deutschland. „INQA macht Arbeit besser!“
Weitere Informationen unter https://www.inqa.de
