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Spurensuche in der Kunst - Georg Forster-Stipendiatin in den Geisteswissenschaften

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Migration ist wichtig: „Ohne sie zu berücksichtigen, ist eine weltweit
nachhaltige Entwicklung nicht möglich“, sagt Raika Khorshidian. Wie sich
ein sich verändernder Alltag in verschiedenen Ländern und
Auswanderungstrends beeinflussen, erkennt die studierte Kunsthistorikerin
etwa in Gemälden oder Skulpturen. Die gebürtige Iranerin forscht derzeit
bei Prof. Dr. Birgit Mersmann an der UDE-Fakultät für
Geisteswissenschaften. Gefördert wird ihr Aufenthalt durch ein Georg
Forster-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung.

„Kunstwerke sind wunderbare Daten, um die Einstellungen von Menschen und
Künstlern zur interkulturellen Kommunikation zu interpretieren und zu
verstehen, wie sich gesellschaftliche Veränderungen vollziehen“, sagt
Khorshidian. Wie sie das herausgefunden hat? „Ich habe etwa
kulturübergreifende und kunstbasierte Studien in Brasilien, China, Japan
und verschiedenen Provinzen des Iran durchgeführt. Und außerdem im Iran
ein Projekt mit Kindern und Frauen, um ihre Kreativität und Aktivität zu
fördern“, erklärt sie.

Bei ihrer Forschung stieß Dr. Khorshidian auf ein Handbuch *, das UDE-
Prof. Mersmann mit Prof. Burcu Dogramaci (München) herausgegeben hat. „Es
ist eine wertvolle Quelle“, so die gebürtige Iranierin. Auch Mersmanns
Arbeit zur transkulturellen zeitgenössischen Kunst und zu Migration und
Diaspora spricht sie an. Bis 2023 möchte Khorshidian an der UDE iranische
Werke in einer interkulturellen, transnationalen Perspektive erforschen.
„Ich schaue, wo die Künstler:innen sie verorten bzw. ob sie sich mehreren
Orten zuordnen und wie sie ihre Identität auffassen“, erklärt die
35-Jährige. „Meine Forschung möchte den Aufbau kultureller Brücken und
interkultureller Dialoge durch Kunst zwischen dem Iran und Ländern wie
Deutschland, den USA und Australien analysieren. Es gibt dort iranische
Gemeinschaften.“ Dazu plant sie zwei Publikationen zum Thema
„Displacement, Identity, and Belonging in Contemporary Iranian Art“ sowie
die Organisation eines internationalen Symposiums und einer weiteren
Ausstellung.

Das Gefühl der Zugehörigkeit (Belonging) hält Raika Khorshidian nicht nur
in der Kunst für zentral. „Mit Entfremdung in der Kunst können wir auch
die Ent-heimatung im Iran analysieren. Kunst als soziale Praxis kann eine
Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit fördern. Vielleicht können die
Mehrfachzugehörigkeit in der Kunst und der interkulturelle Dialog auch die
globale Bürgerschaft fördern“, hofft sie.