Kommentar Bruttoinlandsprodukt: Erholung behält Oberhand
Dr. Nils Jannsen (https://www.ifw-kiel.de/de/ex
Leiter Konjunktur Deutschland am IfW Kiel, kommentiert die aktuellen
Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach das Bruttoinlandsprodukt
(BIP) im ersten Quartal 2022 um 0,2 Prozent gestiegen ist:
„Die wirtschaftlichen Belastungen durch den Krieg in der Ukraine haben
sich bereits im ersten Quartal bemerkbar gemacht. Neben den neuerlichen
Lieferengpässen, die zu einem deutlichen Sinken der Industrieproduktion im
März geführt haben dürften, belasten vor allem die nochmals gestiegenen
Rohstoffpreise. Die dadurch versursachte hohe Inflation nagt an der
Kaufkraft der privaten Haushalte und dämpft den privaten Konsum.
Insgesamt behalten die Auftriebskräfte mit dem Nachlassen der
pandemiebedingten Belastungen aber die Oberhand. In den besonders
betroffenen konsumnahen Dienstleistungsbranchen hat bereits seit
Jahresbeginn eine kräftige Aufwärtsbewegung eingesetzt. Abgefedert werden
die dämpfenden Effekte seitens des Krieges außerdem durch die hohen
zusätzlichen Ersparnisse von rund 200 Mrd. Euro, die sich bei den privaten
Haushalten während der Pandemie aufgrund der eingeschränkten
Konsummöglichkeiten aufgestaut haben, sowie durch das dicke
Auftragspolster der Industrie.
Im Ergebnis wird das Bruttoinlandsprodukt im Sommerhalbjahr wohl recht
kräftig steigen, allerdings in deutlich geringerem Tempo als zu Beginn des
Jahres zu erwarten war. Die Wirtschaftsleistung wird ihr Vorkrisenniveau
voraussichtlich im dritten Quartal wieder erreichen.“
