Wie Millionen von Gärten in Deutschland zum Schutz von biologischer Vielfalt beitragen können
Gärten können eine wichtige Rolle dabei spielen, das Artensterben
aufzuhalten: Schätzungen zufolge gibt es 17 Millionen Gärten in
Deutschland, eine riesige Anzahl kleiner Lebensräume. Bislang ist die
biologische Vielfalt in Gärten vielerorts allerdings niedrig und hat in
den letzten Jahren sogar abgenommen. Das Projekt gARTENreich möchte darauf
hinwirken, dass sich dies ändert. Um zu erforschen, wie Gärten zum Erhalt
der Biodiversität in Deutschland beitragen können, und um mit diesem
Wissen die biologische Vielfalt in Gärten zu fördern, arbeiten mehrere
Institutionen aus Wissenschaft und Praxis mit kommunalen Partnern zusammen
und werden dabei vom Bundesforschungsministerium gefördert.
Die Leiterin des Projekts, Dr. Alexandra Dehnhardt vom Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), erklärt: „Privatgärten können auf
vielfältige Weise zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland
beitragen. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, ist es entscheidend, den
Bürgerinnen und Bürgern konkrete Gestaltungsvorschläge an die Hand zu
geben, die sie vor Ort bei sich umsetzen können und die auch ihre
Bedürfnisse aufgreifen – etwa hinsichtlich ästhetischer Vorlieben oder
Pflegeaufwand. Deshalb berücksichtigen wir in unserem Projekt neben
naturschutzfachlichen Gesichtspunkten auch sozialwissenschaftliche
Faktoren bis hin zu ganz praktischen Gesichtspunkten der Gartennutzung.“
Forschung mit der Praxis
Der Projektauftakt findet in sogenannten „Reallaboren“ in der Stadt
Gütersloh in Nordrhein-Westfalen und der Gemeinde Aumühle in Schleswig-
Holstein statt. Ab Mai werden in Projektgärten gemeinsam mit
Gartenbesitzer*innen Elemente für eine naturnahe Gartengestaltung
entwickelt, umgesetzt und ihre Effekte ausgewertet. Die Projektpartner
untersuchen darüber hinaus in lokalen sowie bundesweiten Umfragen und im
Dialog mit Gartenbesitzer*innen, was sie motiviert, ihre Gärten naturnah
zu gestalten oder was sie dabei hemmt. Die Ergebnisse nutzt das
Forschungsprojekt, um konkrete Hilfestellungen, Leitfäden und Tipps für
Gartenbesitzer*innen und kommunale Akteure zu entwickeln.
NABU: „Alle Gartenbesitzer*innen können etwas gegen das Artensterben tun“
Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des NABU (Naturschutzbund Deutschland)
betont: „Der Rückgang der Biodiversität in Deutschland ist
besorgniserregend. Es ist wichtig, dass wir eine Trendumkehr in allen
relevanten Bereichen einleiten. Dazu gehören die Agrarwende und der Kampf
gegen den Klimawandel – aber auch Gärten können eine wichtige Rolle beim
Erhalt der biologischen Vielfalt spielen, insbesondere in Siedlungsräumen
als sogenannte Trittsteinbiotope. Hier können alle Gartenbesitzerinnen und
Gartenbesitzer ganz unmittelbar etwas gegen das Artensterben tun.“
Gartenbesitzer*innen, die in ihrem Garten etwas für die Biodiversität tun
möchten, sollten auf heimische Pflanzen setzen, die Nahrung für Vögel und
Insekten bieten. Auch Strukturen wie Reisig- oder Laubhaufen sind wichtige
Lebensräume für Tiere, genauso wie Flächen mit blühenden Kräutern, Gräsern
oder Blumen anstelle von Rasenflächen ohne Blühelemente. Pestizide und
versiegelte Flächen hingegen erschweren die Lebensbedingungen für
Kleinstlebewesen, Tiere und Pflanzen.
Projektpartner im Projekt gARTENreich sind das Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW) als Projektleitung, der NABU (Naturschutzbund
Deutschland), die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Hochschule für
Wirtschaft und Recht Berlin, der Verein NaturGarten, die Stadt Gütersloh
und die Gemeinde Aumühle. Das Projekt stellt sich online unter www
.gartenreich-projekt.de vor. Das Projekt ist Teil einer
Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (http://www.feda.bio),
mit der das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Untersuchung
der Biodiversität in Deutschland und die Entwicklung neuer, effektiver
Artenschutzmaßnahmen unterstützt.
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Mehr Informationen zum Projekt: http://www.gartenreich-projekt
