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Israelische Arabistin Sarah Stroumsa neue Hans-Blumenberg-Gastprofessorin

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Forscherin der Hebrew University befasst sich am Exzellenzcluster mit
philosophischen Traditionen in der Islamischen Welt des Mittelalters –
Öffentlicher Abendvortrag in englischer Sprache am 17. Mai – Veranstaltung
im Themenjahr „Tradition(en)“

Die israelische Arabistin Prof. Dr. Sarah Stroumsa ist neue Hans-
Blumenberg-Gastprofessorin am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der
Universität Münster. „Sie befasst sich im Sommersemester an unserem
Forschungsverbund mit der Frage, wie sich Judentum, Christentum und Islam
im Mittelalter kulturell und philosophisch beeinflusst haben. Im
Mittelalter gab es Zeiträume, die von einem reichen Kultur- und
Wissenstransfer zwischen Angehörigen dieser drei Religionen geprägt
waren“, erläutern die Judaistin Prof. Dr. Regina Grundmann und der
katholische Theologe Prof. Dr. Michael Seewald. Interessierte sind am
Dienstag, 17. Mai, zum öffentlichen Abendvortrag in englischer Sprache
„Between Traditions: Philosophical Traditions in the Islamicate World and
Scholarly Traditions in Their Study“ eingeladen. Die Teilnahme ist in
Präsenz oder, nach Anmeldung, via Videoplattform „Zoom“ möglich.

„Sarah Stroumsa hat zahlreiche bedeutende und wissenschaftlich breit
rezipierte Publikationen zur Geschichte des philosophischen und
theologischen Denkens in der Islamischen Welt des Mittelalters sowie zur
philosophischen Literatur im jüdisch-arabischen Kontext vorgelegt“, führen
Grundmann und Seewald aus. „Indem sie ihre Ansätze zur Ideengeschichte des
arabischen Mittelalters präsentiert und mit Angehörigen des
Exzellenzclusters diskutiert, leistet Sarah Stroumsa einen großen Beitrag
zu unserem aktuellen Themenjahr ‚Tradition(en)‘.“

Mittelalterliche Selbstwahrnehmung oder moderne Traditionen?

In ihrem Abendvortrag am 17. Mai zeigt Sarah Stroumsa, in welche
Denkschulen spekulative Denkansätze der Islamischen Welt des Mittelalters,
vor allem in jüdischen und muslimischen Kontexten, oft eingeordnet werden.
Sie fragt, inwieweit diese Einteilungen auf die Selbstwahrnehmung der
mittelalterlichen Denker zurückgehen und welche Rolle dabei moderne
Wissenschaftstraditionen spielen.

Zum Programm der Blumenberg-Gastprofessur gehört auch eine Masterclass am
18. Mai. Unter dem Titel „The Voice of Written Texts: On the
Reconstruction of Intellectual History of the Islamicate World“ diskutiert
Sarah Stroumsa ihre Ansätze mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs des
Exzellenzclusters. Sie fragt, wie das Fehlen nonverbaler Elemente in
mittelalterlichen Texten, die von oder über Philosophen geschrieben
wurden, die spätere Deutung dieser Texte beeinflusst. Dabei untersucht sie
gemeinsam mit den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, wie
Fehldeutungen auch technisch korrekt übersetzter Texte das Studium der
Ideengeschichte prägen. Anhand unterschiedlicher Beispiele stellt Sarah
Stroumsa ihre Methodik einer Reinterpretation solcher Texte vor und fragt,
welche Bedeutung dies für eine intellectual history der Islamischen Welt
haben könnte. (sca/vvm)

Hans-Blumenberg-Gastprofessorin Sarah Stroumsa

Die israelische Arabistin Sarah Stroumsa ist Inhaberin des Alice and Jack
Ormut Chairs in Arabic Studies an der Hebrew University in Jerusalem. Zu
ihren Veröffentlichungen gehören „Maimonides in his World: Portrait of a
Mediterranean Thinker“ (Princeton 2010) und „Andalus and Sefarad: On
Philosophy and Its History in Islamic Spain“ (Princeton 2019). Sie ist
Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der
Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie der American
Philosophical Society. Sie wurde 2010 mit dem Forschungspreis der
Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet, ist Trägerin des
Verdienstordens der Italienischen Republik und erhielt 2018 den Dr
.-Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen. (exc/sca)

Die Hans-Blumenberg-Gastprofessur für Religion und Politik

Die „Hans-Blumenberg-Gastprofessur für Religion und Politik“ ist benannt
nach dem Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg (1920–1996). Sie soll
dazu beitragen, innovative Impulse aus der internationalen Forschung nach
Münster zu bringen, und die interdisziplinäre Diskussion am
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ vertiefen. Auf die Gastprofessur
werden renommierte Forscherinnen und Forscher aus wechselnden Disziplinen
berufen. In den vergangenen Jahren hatten etwa Prof. Dr. Linda Woodhead
(Lancaster University, England), Prof. Dr. Jóhann Páll Árnason (La Trobe
University, Melbourne, Australien) und Prof. Dr. Mark Juergensmeyer
(University of California, Santa Barbara, USA) die Blumenberg-
Gastprofessur am Exzellenzcluster inne. (exc/sca)

Anmeldung

Abendvortrag „Between Traditions: Philosophical Traditions in the
Islamicate World and Scholarly Traditions in Their Study“

Dienstag, 17.05.2022 | 18:15 Uhr

Teilnahme vor Ort: Hörsaal JO1, Johannisstraße 4, 48143 Münster (ohne
Anmeldung möglich)

Teilnahme per Videoplattform Zoom: Anmeldung bis zum Vortragstag unter
veranstaltungenEXC@uni-muenster.de