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Veranstaltungsreihe mit regimekritischen russischen Intellektuellen und Künstler*innen

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   „Das andere Russland“: Das Zwetajewa-Zentrum der Universität
Freiburg lädt bekannte regimekritische russische Intellektuelle und
Künstler*innen ein
•       Konzerte, ein Film, Lesungen, Vorträge und Diskussionen finden ab
dem 18. Mai 2022 in Freiburg statt
•       Viele der Künstler*innen, die sich gegen den russischen
Angriffskrieg gestellt haben, mussten das Land verlassen

In Russland ist das Wort „Krieg“ für die Aggression russischer Truppen in
der Ukraine untersagt. Letzte oppositionelle Medien wie die Zeitung Novaja
Gazeta, der Fernsehsender Dozd oder Radio Echo sind inzwischen ebenfalls
verboten. Die Menschenrechtsorganisation Memorial musste sich schon im
Dezember 2021 nach einem Gerichtsbeschluss auflösen. Viele russische
Intellektuelle, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Journalist*innen
und Aktivist*innen, die sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg
gestellt haben, mussten das Land inzwischen verlassen.

Mit seiner Veranstaltungsreihe möchte das Zwetajewa-Zentrum für russische
Kultur an der Universität Freiburg einige Stimmen dieses „anderen
Russlands“ zu Gehör bringen – mit Lesungen und Vorträgen, Konzerten und
Filmen. Die Reihe mit dem Titel „Das andere Russland. Geschichten,
Positionen, Begegnungen“ beginnt am 18. Mai 2022. Veranstaltungspartner
sind die Universität Freiburg, das Kulturamt der Stadt Freiburg, das DFG-
geförderte Graduiertenkolleg 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle
Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“, das
Literaturhaus Freiburg, die Hochschule für Musik Freiburg, Kultur im
Freiburger Hof sowie „Happy New Ears“ Hamburg.

„Das andere Russland“: Die einzelnen Veranstaltungen
Den Auftakt macht am Mittwoch, 18. Mai 2022, ab 19 Uhr im Historischen
Kaufhaus Freiburg die Veranstaltung „Schostakowitsch. Die
Bratschensonate“. Präsentiert werden zwei Ausnahmewerke aus der
Sowjetzeit: der Dokumentarfilm „Schostakowitsch. Bratschensonate“ (1981)
der beiden Regisseure Semjon Aranowitsch und Alexander Sokurow sowie eben
die Bratschensonate (1975) von Dmitri Schostakowitsch. Entstanden sind
beide Werke unter Bedingungen sowjetischer Zensur und stehen zeichenhaft
für den Kampf gegen die Unterdrückung der freien Kultur in Russland. Es
spielen: Bratsche Tim-Erik Winzer (Ensemble Resonanz Hamburg) und Klavier
Gilead Mishory (Hochschule für Musik Freiburg).

Vladimir Sorokin liest am Dienstag, 24. Mai 2022, ab 20.15 Uhr in der
Alten Universität (Max-Kade-Auditorium 1) aus seinem Erzählungsband „Die
rote Pyramide“. Sorokin ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen
Schriftsteller Russlands – und einer der schärfsten Kritiker der
politischen Eliten des Landes. Die Veranstaltung findet in russischer
Sprache mit deutscher Übersetzung von Dr. Elisabeth Liphardt statt. Auf
Deutsch liest Heinzl Spagl, Prof. Dr. Elisabeth Cheauré moderiert die
Veranstaltung.

Am Freitag, 27. Mai 2022 ab 19 Uhr in der Aula der Universität Freiburg
ist Vladimir Tarnopolski zu Gast. Der Komponist zeitgenössischer Musik
lebt seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Exil.
In Freiburg präsentiert Tarnopolski unter anderem seine Komposition
„Chevengur“ von 2001, ein Trauerlied als Textfragment aus dem
gleichnamigen antiutopischen Roman Andrej Platonovs. Tarnopolski spricht
mit Brice Pauset, Komponist, und Johannes Schöllhorn, Komponist und Leiter
des Instituts für Neue Musik an der Musikhochschule Freiburg, über die
Kunst und Verantwortung in Zeiten des Krieges. Studierende der
Musikhochschule spielen seine Werke.

Am Dienstag, 31. Mai 2022 ab 20.15 Uhr in der Alte Universität (Max-Kade-
Auditorium 1) sprechen die regimekritischen investigativen
Journalist*innen Andrei Soldatov und Irina Borogan über ihr Buch „The
Compatriots. The Brutal and Chaotic History of Russia‘s Exiles, Emigres,
and Agents Abroad“. Die im Exil lebenden Autor*innen berichten seit 1999
über Sicherheitsdienste und Terrorismus. Die Veranstaltung findet in
russischer Sprache mit deutscher Übersetzung von Dr. Elisabeth Liphardt
statt, Prof. Dr. Elisabeth Cheauré moderiert die Veranstaltung.

Am Dienstag, 21. Juni 2022 ab 20.15 Uhr in der Alte Universität (Max-Kade-
Auditorium 1) ist der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller
Michail Schischkin zu Gast. Sein aktueller Essay vom April 2022 trägt den
Titel „Hass ist die Krankheit, Kultur die Arznei“ und thematisiert die
Rolle der Kulturschaffenden in Zeiten des Kriegs gegen die Ukraine. Um die
Chancen und Grenzen der Kultur geht es auch im Gespräch mit dem
prominenten Putin-Kritiker, das Prof. Dr. Elisabeth Cheauré moderiert.

Am Dienstag, 28. Juni 2022 ab 20.15 Uhr in der Alte Universität (Max-Kade-
Auditorium 1) liest die Schriftstellerin Olga Martynova aus noch
unveröffentlichten Texten und Gedichten. Die Autorin lebt seit 1991 in
Deutschland und schreibt seit 1999 literarische Texte auch auf Deutsch.
Das anschließende Gespräch moderiert Prof. Dr. Elisabeth Cheauré.

Am Donnerstag, 14. Juli 2022 ab 18.15 Uhr in Hörsaal 1199 der Universität
Freiburg spricht die aus Moskau stammende Historikerin, Germanistin,
Übersetzerin und Autorin Dr. Irina Scherbakowa zum Thema „Die
Zivilgesellschaft in Russland und der Ukraine-Krieg“. Sie war unter
anderem Vorstandsmitglied und Leiterin der Bildungsprogramme bei der
russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, die Ende 2021 endgültig
verboten und aufgelöst wurde. Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die
Ukraine lebt Scherbakowa im Exil.

Flyer mit Programm zur Reihe „Das andere Russland. Geschichten,
Positionen, Begegnungen“ unter: https://www.zwetajewa-zentrum.de/wp-
content/uploads/2022/05/Flyer_das-andere-russland.pdf


Ein Teil der Veranstaltungen wird live gestreamt, Links dazu unter
https://www.zwetajewa-zentrum.de

Alle Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Spenden kommen direkt der Nothilfe
für die Ukraine des Universitätsklinikums Freiburg zugute.