Prominente Gäste und spannende Diskussionsthemen beim Gemeindepädagogischen Studientag an der EvH RWL
"Kirche der Zukunft": Im Rahmen des Gemeindepädagogischen Studientags 2022
kamen am Montag,9. Mai, hochkarätige Referent_innen, Studierende,
Lehrende, Pfarrer_innen, Ehrenamtliche und Diakon_innen aus ganz
Deutschland an die Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (EvH
RWL) in Bochum und dabei spannende Diskussionen zustande.
Zum Gemeindepädagogischen Studientag kamen jetzt Studierende,
Theolog_innen, Pfarrer_innen, Ehrenamtliche und Diakon_innen aus ganz
Deutschland an die EvH RWL in Bochum und spannende Diskussionen zustande.
Das Thema: Kirche der Zukunft. Mit dem Satz "Die Zukunft der Kirche...ist
auch nicht mehr das, was sie mal war" lasse sich die Tatsache
charakterisieren, dass sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland als
auch die Landeskirchen im Umbruch begriffen seien - wie die
Organisator_innen gleich zu Anfang zu bedenken gaben. Teilweise
prognostizierten alarmierende Stimmen einen weiteren
Mitgliedschaftsrückgang, sinkende Steuereinnahmen und das sukzessive Ende
der Volkskirche. Auch kirchen-soziologisch sei eine deutliche Veränderung
zu konstatieren.
Der Abschied von gewohnten Strukturen, der Verkauf von Gebäuden,
Zusammenschlüsse von Gemeinden und Kirchenkreisen, der Abbau von Personal
- all das seien Eckdaten, die anzeigten, dass sich viele Gemeinden derzeit
mit Veränderungen befassten, die viel Zeit und Kraft bänden. Initiativen,
um dem zu begegnen, seien innerkirchlich die der „Erprobungsräume“, der
„Fresh-X“-Formate, der Jugendkirchen, der liturgischen Erneuerung und der
Mitgliederorientierung.
In diesem Zusammenhang hakte der Gemeindepädagogische Studientag nach,
welche Auf- und Umbrüche in den Blick kommen müssten (wie z.B. die der
Gemeinwesen- und Sozialraumorientierung), um den drängenden Fragen nach
der Zukunft an den Schnittstellen von Kirche und Gesellschaft zu begegnen.
Dazu begrüßte Prof. Dr. Uwe Becker, Leiter des EvH-Studiengangs
Gemeindepädagogik und Diakonie, "zwei Kirchenprominente und verantwortlich
Kirchengestaltende": Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der EKD, und
Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. EvH-
Kanzlerin Iris Litty dankte für das große Interesse an der "für uns
wichtigen Veranstaltung" und verwies darauf, dass das Thema des
Studientages "Kirche der Zukunft" auch für die EvH RWL gelte, auf deren
Gelände bald das Bauprojekt eines evangelischen Campus starte.
Dass die Kirche der Zukunft von Bewegung lebt, betonte Anna-Nicole
Heinrich in ihrem Beitrag „Hinaus ins Weite", in dem sie Kirche mit einem
Bus verglich und fragte: "Welche Bewegung brauchen wir, ohne zu vergessen,
wo wir herkommen? Und in welcher Geschwindigkeit wollen wir uns bewegen?"
Bei der Antwort müsse man sich immer wieder das Ziel vor Augen führen, das
sie selbst so formulierte: "den Einzelnen im Glauben und im Christsein zu
stärken und darin das christliche Leben anzuregen und zu unterstützen."
Menschen zuhören, sie in ihrer Lebensqualität ernstnehmen und
miteinbinden. Als Kirche - wie im Bus - Halte-Schlaufen bieten, suchen und
schöpfen. Die Studierenden bezeichnete Heinrich als Beweger_innen, die im
System provozieren und motivieren sollten. Die Ausbildung dürfe dabei kein
Bremsschirm sein, sondern müsse Raum geben und: "Leute nach vorne lassen,
die Bock haben, etwas zu gestalten".
Dr. Thorsten Latzel warf mit dem Thema „E.K.I.R. 2030 – Eine Landeskirche
macht sich auf den Weg" einen Blick in die Zukunft und setzte sich
kritisch mit der Ausgangsthese "Die Zukunft der Kirche...ist auch nicht
mehr das, was sie mal war" auseinander. Er plädierte für eine mehr
optimistische Sprechart. "Sagt doch den Studierenden: Ihr habt alles
richtig gemacht. Ihr arbeitet später in einem der besten Berufe, bei einem
der besten Arbeitgeber - einer Institution, die 2000 Jahre alt ist und
sich um die Menschen kümmert!" Es gelte, "nicht ständig auf diesen
negativen Sound zu hören", sondern vielmehr, sich zu motivieren, auf neue
Möglichkeiten und Chancen wie etwa die Digitalisierung zu konzentieren.
Unter anderem warb er dafür, "Orte zu erhalten, umzubauen, zu schaffen"
und sie dadurch neu zu stärken. Beispiel für einen solch´ starken Ort sei
die EvH, von deren (Bau-)Plänen für einen evangelischen Campus er höchst
beeindruckt sei.
"Neue Schläuche? Alter Wein?", fragte Prof. Dr. Peter Bubmann vom Institut
für Praktische Theologie im Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg, im Anschluss via zoom in seiner Gegenlese
zum Thema "Theologische und gemeindepädagogische Perspektiven". Auch er
verwahrte sich darin gegen die oft zitierten Untergangsszenarien und
konstatierte, dass die Kirche von morgen schlicht drei Typen von
Reformer_innen brauche - Prophet_innen, Diakon_innen und Manager_innen.
Die Podiumsdiskussion mit allen drei Referent_innen (Motto: "Zukunft auf
gutem Grund?") ging nochmal auf alle Diskussionspunkte ein, bevor am
Nachmittag Workshops zu folgenden Themen auf dem Programm standen:
1. Interprofessionelle Pastoralteams der EKvW mit Frank Fischer, Referent
EKvW
2. Erprobungsräume/Fresh X mit Pfarrerin Rebecca John Klug, EKiR
3. Gemeindepädagogische Perspektiven in einer Kirche der Zukunft mit Prof.
Dr. Gotthard Fermor, PTI Wuppertal
4. Sozialraumorientierte Gemeinwesenarbeit mit Katharina Trimpe, Wiss.
Mitarbeiterin EvH RWL
5. Digitale Kirche mit Pfarrer Nico Buschmann, Stabsstelle Kommunikation
und Medien EKiR, bei Instagram: @einschpunk
