Winzige Wichtigkeit - Humboldt-Stipendiatin in UDE-Biologie
Kieselalgen (Diatomeen) ackern, auch für uns. Die Einzeller wandeln unter
Wasser Kohlendioxid in Sauerstoff um. Danijela Vidakovic untersucht an der
Fakultät für Biologie der Universität Duisburg-Essen (UDE) bei Prof. Dr.
Bánk Beszteri ihre Gemeinschaften unter anderem mit molekularen Methoden.
Finanziell unterstützt wird ihre Forschung durch ein Postdoc-Stipendium
der Alexander von Humboldt-Stiftung.
Mit bloßem Auge sind Kieselalgen für uns Menschen kaum sichtbar. Ihre
Größe reicht von wenigen Mikrometern bis zu zwei Millimetern. Sie
besiedeln im Wasser Steine, Sand, Wasserpflanzen oder Sedimente. „Diese
Mikroalgen mit Silikatschalen sind auf der Erde enorm wichtig. Sie
produzieren bis zu 25 Prozent des weltweiten Sauerstoffs und gehören damit
zu den bedeutendsten Primärproduzenten“, sagt Vidakovic.
Seit 2013 untersucht die studierte Biologin an der Universität Belgrad,
wie die Mikroorganismen aufgebaut sind und wie viele unterschiedliche
davon in Flüssen und Seen leben. „Sie werden bei der Bewertung des
ökologischen Zustands von Gewässern nach EU-Recht einbezogen“, sagt die
gebürtige Serbin. Die Qualität des Wassers zu kontrollieren, sei für eine
nachhaltige Nutzung wichtig. Und die Einzeller helfen sie zu verbessern.
Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Vidakovic zudem mit seltenen,
salzhaltigen Lebensräumen im Binnenland, die von Pflanzen wie Queller,
Salzschuppenmiere oder -binse besiedelt sind; bei uns gibt es sie in
Thüringen, Sachsen-Anhalt, Nord- und Mitteldeutschland. Die Biologin
möchte herauszufinden, wie die Kieselalgen auf ihre Umwelt reagieren und
einwirken. „Sie könnten eine echte Unterstützung dabei sein, die
salzhaltigen Gebiete zu erhalten“, so Vidakovic.
Für die Studie, die die Humboldt-Stipendiatin bis Ende 2023 an der UDE
durchführen möchte, hat sie zwei Flüsse in Europa ausgewählt: die Save,
den wasserreichsten Nebenfluss der Donau, und die Theiß, den längsten
Zustrom der Donau und zweitgrößten Fluss in Serbien und Ungarn. Wieso
diese beiden? „Sie fließen durch mehrere Länder, sind also international.
Ich werde die Einzeller von der Einmündung in das Gebiet Serbiens bis zu
den Mündungen in die Donau morphologisch und genetisch analysieren“,
erklärt die 32-Jährige. Es sei wichtig, den Zustand von Gewässern bewerten
zu können. „Je mehr wir darüber wissen, desto eher kann die Öffentlichkeit
für einen besseren Umweltschutz sensibilisiert werden“, hofft sie.
