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Kleine Wasserlinse – großes Potential für die Landwirtschaft | Rund 500.000 Euro für Praxis-Forschungsprojekt

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An Teichen und Gräben sieht man sie häufig – die Teich- oder Wasserlinsen,
im Volksmund auch „Entengrütze“ genannt. Wasserlinsen können unter
optimalen Bedingungen ihre Biomasse innerhalb eines Tages verdoppeln und
gedeihen auch auf Schmutz- und Abwässern hervorragend. Wie
(wirtschaftlich) praktikabel das funktioniert, ob die Abwässer auf diese
Weise gereinigt werden können – sodass sie eventuell einleitfähig werden –
und ob darüber hinaus ein natürliches Futtermittel enstehen kann,
untersucht das Konsortium um das Forschungsprojekt ReWali.

Am 10. Mai 2022 fand das Kick-off-Meeting des Projektes "ReWali -
Reduktion des Nährstoffeintrags in Gewässer sowie Produktion von
Futtermittel durch Wasserlinsen" bei der Firma NOVAgreen statt. Ziel des
Projektes ist es, Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft durch den
Einsatz der Wasserlinse neu zu denken. Die Wasserlinse ist innerhalb
kurzer Zeit in der Lage, dem Wasser Nährstoffe wie z.B. Nitrat und
Phosphor zu entziehen und in erntefähige Biomasse zu binden. Diese
Biomasse soll im Projekt als natürliches, proteinreiches Futtermittel
eingesetzt werden. Dadurch kann die Linse in einem Kreislaufsystem direkt
vor Ort wieder einer Nutzung zugeführt und die Nährstoffe somit „recycelt“
werden.

Im Projekt wird die bisher unterschätzte heimische Pflanze u.a. auf
sogenanntem „Schlabberwasser“, d.h. einem mäßig nährstoffhaltigen
Brauchwasser aus der Gänsehaltung angebaut und dann wieder direkt als
Futter eingesetzt. Solche niedrig und mäßig belasteten Wasser wie das
Schlabberwasser einzuleiten erfordert eine Genehmigung der Wasserbehörden
und wird nach heutigen Standards immer schwieriger umzusetzen. Alternativ
muss belastetes Oberflächen- und Brauchwasser gelagert werden, was Platz
benötigt und zusätzliche Kosten aufwirft. Die Produktion von Wasserlinsen
könnte die Problematik der Verwertung des Schlabberwassers lösen und
gleichzeitig ein lokal produziertes Futter für die Gänsezucht darstellen,
das im optimalen Fall z.B. Soja ersetzen könnte. Dieses Konzept der
Kreislaufwirtschaft könnte zukünftig auch auf andere Tierarten, wie z.B.
die Fischhaltung übertragen werden.

Technisches KnowHow für den Anbau liefert im Projekt die Firma NOVAgreen
Projektmanagement GmbH aus Vechta-Langförden. Praktisch erprobt wird das
Projekt auf dem Gänsehof der Familie Claßen aus Bakum, wo die Wasserlinse
angebaut und verfüttert wird. Die Universität Göttingen untersucht die
Fleischqualität, der mit Wasserlinsen gefütterten Gänse. Auch die Frage
"ob Wasserlinsen ebenso an Fische verfüttert werden können und ob
insbesondere Forellen (als Fleischfresser mit hohem Eiweißbedarf) die
proteinreiche Wasserlinse gut vertragen", versucht die Uni Göttingen in
diesem Projekt zu beantworten. Außerdem sollen Wege ermittelt werden, wie
die Wasserlinse lagerfähig und in Mischrationen eingesetzt werden kann.
Die Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt der Verbund
Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) bei der
Universität Vechta.

Gefördert wird das Vorhaben über drei Jahre mit rund einer halben
Millionen € von den Europäischen Innovations-Partnerschaften für
Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit.