Präsident Esser: „Höheres Ansehen vieler Berufe zwingend erforderlich!“
BIBB veröffentlicht Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2022
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat seinen Datenreport 2022
veröffentlicht. Er enthält umfassende Informationen und Analysen zur
Entwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland und ergänzt den
Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Dieser ist am heutigen Mittwoch
vom Bundeskabinett verabschiedet und vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) veröffentlicht worden.
Aus Anlass der Veröffentlichungen erklärt BIBB-Präsident Friedrich Hubert
Esser:
„Die berufliche Bildung steht auch in diesem nun schon dritten Corona-Jahr
vor enormen Herausforderungen. Erfreulich ist, dass sich aktuell die
Erholung bei der Entwicklung der Zahl der angebotenen betrieblichen
Ausbildungsplätze weiter fortsetzt. Denn im April wurden der Bundesagentur
für Arbeit mehr Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr. Gleichzeitig
hält aber auch der Trend weiter an, dass sich immer weniger Jugendliche
und junge Erwachsene um einen dualen Ausbildungsplatz bewerben und
akademische Bildungswege bevorzugen. Dies lässt meine Sorge um die
Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs in wichtigen systemrelevanten
Bereichen unserer Wirtschaft größer werden. Auch die wirtschaftlichen
Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sind in Deutschland
bereits deutlich zu spüren.
Die Analysen des BIBB-Datenreports zeigen, wie wichtig es ist, über die
Berufe mit Dienstleistungs- und Wissenschaftsausprägung hinaus auch die
Bedeutung handwerklicher und gewerblich-technischer Berufe für das
Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft zu erkennen und die
bildungspolitische Systemsteuerung danach auszurichten. Wenn die
Transformation gelingen soll, brauchen wir beide gleichermaßen: beruflich
und akademisch Qualifizierte. Deshalb müssen wir gerade jetzt mehr für die
Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung tun. Ziel muss es
sein, beide Gruppen durch alle Bildungsprozesse im Lebensverlauf
gleichwertig zu fördern und damit das Ansehen dieser Berufe in der
Gesellschaft, vor allem hinsichtlich ihres Bildungspotenzials und der mit
ihnen verbundenen Karriereperspektiven, wieder zu steigern.“
Nach den Zahlen und Analysen des BIBB-Datenreports hat sich im Jahr 2021
die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nur leicht entspannt. Das Niveau von vor
der Coronapandemie wurde jedoch bei Weitem nicht erreicht. So wurden nach
den Ergebnissen der BIBB-Erhebung zum 30.09.2021 insgesamt 473.100
Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 5.600 (+1,2 %) mehr als im Vorjahr.
Die Zahl fiel aber immer noch um 52.000 niedriger aus als 2019 (525.000
Verträge). Das Ausbildungsangebot lag 2021 bei 536.200. Das sind 8.800
(+1,7 %) mehr als 2020, aber 41.900 (-7,3 %) weniger als 2019 vor der
Coronapandemie.
Die Zahl der jungen Menschen, die 2021 eine duale Berufsausbildung
nachfragten, ging im Vergleich zum Vorjahr um 4.800 (-0,9 %) auf 540.900
zurück. Gegenüber 2019 ist ein Rückgang um 57.900 (-9,7 %) zu verzeichnen.
Die Ausbildungsplatznachfrage erreichte damit einen neuen Tiefstand seit
1992, als erstmals Daten für das wiedervereinigte Deutschland vorlagen.
Das Schwerpunktkapitel des BIBB-Datenreports widmet sich in diesem Jahr
dem Thema „Fachkräftesicherung und qualifizierte Zuwanderung“.
Der BIBB-Datenreport kann als vorläufige Fassung im PDF-Format unter
<www.bibb.de/datenreport-2022> kostenlos heruntergeladen werden. Die
Printversion wird voraussichtlich im Juli/August zur Verfügung stehen.
Der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung ist im Internetauftritt des
BMBF unter <www.bmbf.de/berufsbildungsber
