Wissenschaft trifft Bürgerschaft: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) Gastgeberin des Forums Citizen Science
Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) war zwei Tage lang Gastgeberin des
Forums Citizen Science 2022. Initiativen und Projekte aus Deutschland, der
Schweiz und Österreich vermittelten am Campus Sankt Augustin ein
anschauliches Bild davon, wie die Wissenschaft und die Gesellschaft
zusammenarbeiten können. Die Fachkonferenz stand ganz im Zeichen der
Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.
Hausgärten beeinflussen das ökologische System in Wohngebieten. Aber
welchen Beitrag genau leisten private Grünflächen? Eine Fragestellung, wie
geschaffen, um Bürgerinnen und Bürger in die Forschung einzubeziehen. Die
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat 2018 mit dem Projekt Campus to World seine
Bürgerwissenschaften ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es fünf
bürgerwissenschaftliche Labore oder „CitizenLabs“ an der Hochschule.
Die Frage, welche Rolle bürgerwissenschaftliches Engagement wie die
Umweltlabore an der H-BRS für die Verwirklichung der UN-
Nachhaltigkeitsziele spielen kann, stand im Mittelpunkt des zweitägigen
Forums. „Global – Regional – Lokal: mit Bürgerwissenschaften für die UN-
Nachhaltigkeitsziele“ lautete der Titel der Veranstaltung am 12. und 13.
Mai. Akteurinnen und Akteure aus den Bürgerwissenschaften diskutierten mit
Bürgerforschenden in Workshops und bei Diskussionen über die Chancen und
Herausforderungen, die Barrieren zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
abzubauen. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ stellten
Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Museen und Initiativen ihre
bürgerwissenschaftlichen Projekte vor. Die Konferenz diente dem Austausch
und der Vernetzung und sollte lokalen sowie regionalen
bürgerwissenschaftlichen Organisationen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.
Initiativen präsentieren sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“
So stellte etwa das Helmholtz Center for Environmental Research (UFZ) auf
dem Markt der Möglichkeiten ein Projekt zum Monitoring von Fließgewässern
durch Bürgerforschende vor. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Hof und das Universitätsklinikum Frankfurt am Main zeigten, wie sich
seltene Erkrankungen bürgerwissenschaftlich erforschen lassen. Der
deutschen Sprache widmet sich die Universität Wien mit ihrem Projekt
„Wortgut - Lexikographie neu gedacht“. Das Forschungszentrum Jülich hatte
sein Bioökonomiemobil nach Sankt Augustin gebracht. In dem Tiny House aus
nachhaltigen Materialien erfuhren die Besucherinnen und Besucher, was
genau Bioökonomie ist und welche Bedeutung sie für den Braunkohleausstieg
im Rheinischen Revier hat.
Prof. Dr. Wiltrud Terlau, Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für
Nachhaltige Entwicklung (IZNE) an der H-BRS und Organisatorin des Forums,
zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir haben uns sehr
gefreut, Gastgeberin des Forums Citizen Science gewesen zu sein. Das Motto
‚Global-Regional-Lokal: mit Bürgerwissenschaften für die UN
Nachhaltigkeitsziele‘ zeigt die Bedeutung und die Möglichkeiten des
Citizen-Science-Ansatzes für die Bewältigung der großen gesellschaftlichen
Herausforderungen. Direkt vor Ort kann im Schulterschluss von
Stadtgesellschaft und Wissenschaft ein entscheidender Beitrag geleistet
werden. Nicht nur die Region Bonn/Rhein-Sieg versteht sich als ein Zentrum
der Nachhaltigkeit – auch für die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist
Nachhaltigkeit ein zentrales Leitziel.“
Hochschulpräsident Hartmut Ihne betonte die Bedeutung der
Bürgerwissenschaften: „Für Vieles brauchen wir, um es zu verstehen, die
Wissenschaft. Die Wissenschaft selbst ist aber auch oft schwer
verständlich. Es entsteht eine Spannung zwischen den Menschen und der
Wissenschaft. Bürgerwissenschaften sind ein Versuch, die Spannungen,
diesen Raum zwischen Menschen und Wissenschaft, zu überwinden.“
Die Vizerektorin der Universität der Vereinten Nationen in Europa, Dr.
Xiaomeng Shen, betonte: „Citizen Science ist eine großartige Initiative,
Citizen Science können eine Brücke zwischen Bürgerinnen und Bürgern und
Wissenschaft schlagen.“ Shen ist auch Direktorin des UNU Institute for
Environment and Human Security Professorin und Honorarprofessorin für
Kultur der Nachhaltigkeit am Internationalen Zentrum für Nachhaltige
Entwicklung (IZNE) an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Zuvor führte Dr. Roland Philippi, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen und
Strategien im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in seinem
Grußwort aus: „Die Verschränkung einer aktiven Zivilgesellschaft mit der
freien Wissenschaft – diese beiden starken Stränge der Gesellschaft - das
ist aus meiner Sicht auch gleichzeitig eine Stärkung der Demokratie. Und
gelebte Bürgerwissenschaften sind damit auch ein Teil dessen, was in
unserem Wertekanon wichtig ist und uns auch als Demokratie und als
Gesellschaft weiter resilient macht.“
Citizen Science: Bürgerschaft trifft Wissenschaft
Die Bürgerwissenschaften oder Citizen Science sind ein bewährtes Konzept,
um Bürgerinnen und Bürger an wissenschaftlichen Projekten zu beteiligen.
Interessierte können sich aktiv einbringen und zusammen mit den
Forschenden Fragestellungen entwickeln, Daten sammeln und gegebenenfalls
gemeinsam analysieren und anwenden.
Das Forum Citizen Science 2022 wurde von „Wissenschaft im Dialog“, dem
Museum für Naturkunde Berlin und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gemeinsam
ausgerichtet. Die Fachtagung ist eine Veranstaltung im Rahmen des vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Bürger
schaffen Wissen“.
Auch bei der 13. Bonner Wissenschaftsnacht, die unter dem Motto:
„nach(haltig)geforscht“ gleichzeitig am 12. und 13. Mai stattfand,
präsentierte sich die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit studentischen
Nachhaltigkeitsprojekten sowie dem CitizenLab-Umweltlabor aus den H-BRS-
Bürgerwissenschaften.
