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Fettleibigkeit, ein gestörter Blutzuckerstoffwechsel und Bluthochdruck erhöhen bei jungen Erwachsenen und Menschen im mittleren Lebensalter das Risiko an COVID-19 zu sterben auf ein Maß, welches sonst nur bei älteren Menschen beobachtet wird. Das zeigt ei

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Fettleibigkeit, ein gestörter Blutzuckerstoffwechsel und Bluthochdruck
erhöhen bei jungen Erwachsenen und Menschen im mittleren Lebensalter das
Risiko an COVID-19 zu sterben auf ein Maß, welches sonst nur bei älteren
Menschen beobachtet wird. Das zeigt eine aktuelle Studie*, die auf Daten
des europäischen Fallregisters für Patientinnen und Patienten mit SARS-
CoV-2-Infektion (LEOSS**) basiert. Das Deutsche Zentrum für
Diabetesforschung (DZD) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sehen
in den Ergebnissen einen Anreiz, weiter auf die Prävention im Kampf gegen
nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes zu setzen.

Ältere Menschen und insbesondere Männer haben ein besonders hohes Risiko,
schwer an COVID-19 zu erkranken und daran zu sterben. (1) Auch
Fettleibigkeit und erhöhte Blutzuckerwerte gelten als potenzielle
Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe. Welchen Effekt jedoch
mehrere Vorerkrankungen in Kombination auf den Verlauf einer SARS-
CoV-2-Infektion haben, wurde bislang in Deutschland noch nicht ausreichend
untersucht. Um herauszufinden, ob Übergewicht, Diabetes und ein erhöhter
Blutdruck, die Schwere einer COVID-19-Erkrankung beeinflussen und die
damit einhergehende Sterblichkeit erhöhen, haben Forschende, unter anderem
des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des IDM (Institut für
Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an
der Eberhard-Karls-Universität Tübingen), und des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung (DZIF), Daten von insgesamt 3.163 Patienten mit einer
SARS-CoV-2-Infektion aus dem europäischen Fallregister LEOSS (2)
ausgewertet.

„Dabei zeigte sich, dass Fettleibigkeit, ein gestörter
Blutzuckerstoffwechsel und ein Bluthochdruck einen additiven Effekt auf
die COVID-19-bedingte Sterblichkeit haben – und dies vor allem bei
vergleichsweise jüngeren Erkrankten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren“,
erläutert Professor Dr. med. Norbert Stefan, Erstautor der Studie.
Weiterhin kam die Untersuchung zu dem Schluss, dass Menschen dieser
Altersgruppe mit allen drei Vorerkrankungen ein ähnlich erhöhtes
Sterberisiko haben, wie ältere Menschen (56-75 Jahre), die metabolisch
gesund und nicht fettleibig waren. „Diese Erkenntnis hat immense
Auswirkungen auf unseren Umgang mit der SARS-CoV-2-Infektion und den
sogenannten Volkskrankheiten, denn bislang gingen viele Betroffene davon
aus, dass ein jüngeres Alter weitgehend vor einer schweren Infektion mit
COVID-19 schützt“, so Stefan.

„Es ist daher besonders wichtig, die medizinische Überwachung und Therapie
von jüngeren COVID-19- Patienten zu intensivieren. Insbesondere dann, wenn
entweder Übergewicht, ein Diabetes oder ein erhöhter Blutdruck vorliegen“,
sagt Letzt-Autor der Studie Professor Dr. med. Andreas Birkenfeld,
Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV der Universität Tübingen,
Leiter des IDM und Sprecher des DZD. Aufbauend auf ihren langjährigen
Erkenntnissen zur wichtigen Rolle von Übergewicht und einer gestörten
Stoffwechsellage für die Entstehung von schwerwiegenden Erkrankungen
hatten Stefan, Birkenfeld und Kollegen schon früh im Verlauf der
COVID-19-Pandemie auf diese Risiken hingewiesen. (3), (4)

Somit zeigt auch die COVID-19-Pandemie deutlich, dass es von Seiten der
Politik wichtig ist, weitreichende Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Dazu
gehört es auch, die Pläne zur Weiterentwicklung des
Präventionsschutzgesetzes voranzutreiben, um dem Vormarsch der nicht-
übertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht
entgegenzuwirken. „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die
gesundheitsförderndes Verhalten möglich machen und die Verhältnisse in
Bezug auf Bewegung und Ernährung so verändern, dass alle Bundesbürger
davon profitieren“, sagt Professor Dr. med. Andreas Fritsche,
Vizepräsident der DDG vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische
Erkrankungen des Helmholtz Munich an der Universität Tübingen. „Dazu
gehören insbesondere gezielte individuelle Präventionsmaßnahmen für Hoch-
Risikopopulationen, wie wir sie kürzlich in der Prädiabetes Lebensstil
Intervention Studie (PLIS) gezeigt haben.5“ Wo auch immer Fachexpertise
für die Umsetzung der künftigen Vorhaben benötigt werde, stehe die DDG und
das DZD sowie ihr Netzwerk aus Wissenschaft, Ärzteschaft, Beratungsberufen
und Patientenverbänden als Gesprächspartner zur Verfügung.

Grafik: <https://www.dzd-
ev.de/fileadmin/DZD/IMG/Veranstaltungen/News/News2022
/220511_LEOSS_Diabetes_PM-NS_Figure_web-gr.jpg
>

*Aktuelle Publikation:

Stefan, N.  Birkenfeld, A. et al.: Obesity and Impaired Metabolic Health
Increase Risk of COVID-19-Related Mortality in Young and Middle-Aged
Adults to the Level Observed in Older People: the LEOSS Registry.
Frontiers in Medicine (2022); DOI: doi.org/10.3389/fmed.2022.875430

**Zur LEOSS Studie:

Auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) wurde
gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ein
europäisches Fallregister aufgelegt, in dem klinische Daten für
Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion gesammelt werden.
LEOSS ist eine europäische nicht-interventionelle multizentrische
Kohortenstudie. Das im März 2020 gestartete Register zeichnet sich dadurch
aus, dass alle gesammelten Daten zur gemeinsamen Analyse an die
wissenschaftliche Gemeinschaft gehen. An dem Register sind u.a. auch die
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) beteiligt. Das DZD nutzt
das Register z.B. zur Untersuchung, welchen Einfluss Adipositas und ein
gestörter Stoffwechsel auf die Schwere einer COVID-19-Erkrankung haben.

Weitere Quellen und Literaturhinweise:

(1) Journal of Health Monitoring | S2/2021 | Risikogruppen für schwere
COVID-19-Verläufe (rki.de)
(<https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_S2_2021_Risikogruppen_COVID_19.pdf?__blob=publicationFile>)

(2) LEOSS – Lean European Open Survey for SARS-CoV-2 Infected Patients.
Weitere Informationen unter: <https://leoss.net>

(3) Stefan N, Birkenfeld AL, Schulze MB, Ludwig DS. Obesity and impaired
metabolic health in patients with COVID-19. Nat Rev Endocrinol. 2020
Jul;16(7):341-342.

(4) Stefan N, Birkenfeld AL, Schulze MB. Global pandemics interconnected -
obesity, impaired metabolic health and COVID-19. Nat Rev Endocrinol. 2021
Mar;17(3):135-149.

(5) Fritsche A et al. Different Effects of Lifestyle Intervention in High-
and Low-Risk Prediabetes: Results of the Randomized Controlled Prediabetes
Lifestyle Intervention Study (PLIS). Diabetes. 2021 Dec;70(12):2785-2795.

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Über das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V.:
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem
Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung,
Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen
neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur
erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des
Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz
Munich – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das
Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für
Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für
Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an
der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut
Dresden des Helmholtz Munich am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der
TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln,
Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere
Informationen: <www.dzd-ev.de>

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.