Historische Präparate und moderne Lehrmodelle
Die Dauerausstellung in der Anatomischen Sammlung der Friedrich-Schiller-
Universität und des Universitätsklinikums Jena ist vollständig
überarbeitet und neugestaltet worden. Die Sammlung im Institut für
Anatomie am Teichgraben 7 ist im Rahmen der Langen Nacht der Museen in
Jena am 20. Mai 2022 erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen.
Die seit über 200 Jahren bestehende Lehr- und Forschungssammlung der
Jenaer Anatomie befindet sich in den historisch ältesten Räumen der
Universität, dem Refektorium des Collegium Jenense, einem ehemaligen
Dominikanerkloster. Sie war bislang nur dem Fachpublikum zugänglich und
nur in Ausnahmefällen für die Öffentlichkeit geöffnet. Die
Dauerausstellung der Sammlung, die zur Friedrich-Schiller-Universität und
zum Universitätsklinikum Jena gehört, wird vom Institut für Anatomie
betreut. Um die Sammlung für ein breiteres Publikum regelmäßig zu öffnen,
hat das Team das Ausstellungskonzept inhaltlich überarbeitet und die
Präsentation umfassend modernisiert.
In den neu gestalteten Vitrinen können ausgewählte Exponate ihre ganze
Wirkung entfalten, wozu auch die neu installierte LED-Beleuchtung
beiträgt. Im vorderen sogenannten Rolfinck-Saal wird die menschliche
Anatomie nach Organsystemen erklärt. Hier sind auch moderne plastinierte
Präparate zu sehen, die am Institut für Anatomie in den letzten Jahren
angefertigt wurden. Sie werden durch historische Trockenpräparate und
anatomische Modelle sinnvoll ergänzt. Dieser Saal soll vordergründig dem
Interesse an der Anatomie des menschlichen Körpers entgegenkommen und
eignet sich auch zu Unterrichtszwecken. Ein besonderer Bereich gibt
Auskunft über verschiedene Präparationstechniken. Ausführlich wird zudem
die Frage nach der Herkunft der Anatomieleichen zu verschiedenen Zeiten
beleuchtet.
In dem nach Goethe benannten zweiten Ausstellungsraum wird die historische
Bedeutung der Anatomischen Sammlung erfahrbar. Hier sind die ältesten
Präparate aus der Gründungszeit ebenso zu sehen wie Exponate, die an die
vergleichenden anatomischen Studien Johann Wolfgang von Goethes erinnern.
Auch die spätere Sammlungsgeschichte und die um 1857 eingerichtete
„Raçenschädel“-Sammlung werden thematisiert. Einen zweiten großen
Schwerpunkt setzt die Ausstellung in diesem Saal auf der historischen
Modellsammlung. Gezeigt wird eine Vielfalt an anatomischen Modellen,
darunter kunstvolle Wachsmodellserien zur Embryologie.
Für die öffentliche Ausstellung sind strenge juristische und ethische
Gesichtspunkte zu beachten. „Wir zeigen menschliche Körperteile nur dann
öffentlich, wenn die Körperspender zu Lebzeiten einer solchen Präsentation
zugestimmt haben oder wenn sie seit mindestens 70 Jahren tot sind“, betont
Christoph Redies, emeritierter Professor für Anatomie und Kustos der
Anatomischen Sammlung. Deshalb wurden fast alle Nasspräparate aus der
Ausstellung entfernt, da sie überwiegend aus der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts stammen. Es gehe dabei um Respekt gegenüber den Verstorbenen
und auch gegenüber ihren Angehörigen und Nachkommen, erklärt Redies. Daher
sei auch bei jedem Exponat geprüft worden, dass es nicht aus einem
kolonialen oder nationalsozialistischen Unrechtskontext stammt.
Im Rahmen der Langen Nacht der Museen in Jena am 20. Mai wird die neue
Ausstellung der Anatomischen Sammlung am Teichgraben 7 erstmals für die
Öffentlichkeit zu sehen sein. Ab Juni sind regelmäßige Öffnungszeiten am
Mittwochnachmittag von 14 bis 17 Uhr und Samstagvormittag von 10 bis 13
Uhr vorgesehen. „Natürlich bieten wir auch wieder Führungen für Gruppen
außerhalb der Öffnungszeiten an“, versichert Dr. Ulrike Lötzsch,
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Anatomischen Sammlung. Termine
können telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden.
