Künstliche Intelligenz und Führung: Wie der Einsatz von KI-Systemen gelingt
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt – und damit auch die
Führung in Unternehmen und Institutionen. KI-Systeme können Führungskräfte
von Routinetätigkeiten entlasten und verschaffen Zeit für Personalführung
und strategische Planung. Die Automatisierung von Führungsaufgaben wirft
jedoch rechtliche und organisatorische Fragen auf und kann Beschäftigte
deshalb verunsichern. Der Mensch muss stets im Mittelpunkt bleiben, sagen
die Autorinnen und Autoren eines aktuellen Whitepapers der Plattform
Lernende Systeme. Notwendig ist eine Führungskultur, die auf
Partizipation, Offenheit und Transparenz beruht.
München, 16. Mai 2022 – KI-Systeme können Führungskräften wiederkehrende
standardisierbare Aufgaben abnehmen und Prozesse automatisieren, etwa das
Erstellen von Dienstplänen, Aufgabenzuteilung oder die Budgetkontrolle.
Mithilfe von Methoden des Maschinellen Lernens können sie in kurzer Zeit
große Mengen von Betriebsdaten oder Kennzahlen auswerten und so bei
Evaluation und strategischen Entscheidungen unterstützen. Darüber hinaus
können KI-Systeme Führungskräfte auch bei ihren Fürsorgepflichten
unterstützen, etwa indem sie vor Burnout-Belastungen warnen.
„Künstliche Intelligenz kann einen wichtigen Beitrag zu einer
menschzentrierten kooperativen Führung leisten. Indem die Assistenz- und
Automatisierungssysteme von operationalen Aufgaben entlasten, schaffen sie
Raum für gute Personalführung, Innovation und strategische Weitsicht.
Führungskräfte können sich auf ihre menschlichen Stärken und die
wesentlichen Aspekte einer modernen Führung konzentrieren: Kreative
Problemlösung, Mitarbeitermotivation und -coaching sowie eine offene und
wertschätzende Kommunikation mit den Beschäftigten“, so Rahild Neuburger,
Expertin für Kommunikation und Führung an der LMU Munich School of
Management und Mitglied der Plattform Lernende Systeme.
Was Führungskräfte bei der Arbeitsteilung mit KI-Systemen beachten müssen
Gleichzeitig setzt der Einsatz von KI-Systemen im Unternehmen
Veränderungen in Gang und stellt die Mitarbeitenden vor weitreichende
organisatorische und arbeitsrechtliche Herausforderungen, etwa auf welcher
Grundlage KI-Systeme Weisungen erteilen können. Diesen Wandel gemeinsam
mit den Beschäftigten zu gestalten, wird zu einer zentralen Aufgabe der
Führungskräfte.
Ein Risiko des KI-Einsatzes bestehe beispielsweise darin, aufgrund der
durch das KI-System verwerteten Kennzahlen und Statistiken den hinter den
Daten stehenden Menschen aus dem Blick zu verlieren, warnen die
Expertinnen und Experten in dem Whitepaper. „KI-Systeme können
Führungsaufgaben übernehmen, die zuvor alleinige Aufgabe des Menschen
waren. Beispielsweise können sie Führungskräfte dabei unterstützen,
individuelle Lehrpläne für die Weiterbildung der Beschäftigten zu
erstellen. Dazu wird die KI mit sensiblen, personenbezogenen Daten
arbeiten müssen. Die Befürchtung, dass die Berechnungen eines
Computerprogramms Einfluss auf die Personalpolitik,
Weiterbildungsmöglichkeiten oder Karrierechancen nehmen können, kann für
die Beschäftigten psychisch belastend und demotivierend sein“, sagt Sascha
Stowasser, Direktor des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft
und Mitglied der Plattform Lernende Systeme. „Wichtig ist es deshalb, dass
Führungskräfte ihren Fürsorgepflichten nachkommen, indem sie auf den
Gesundheitsschutz achten, den Einsatz des KI-Systems transparent machen,
KI-Empfehlungen kritisch hinterfragen und die Beschäftigten in die
Gestaltung der neuen Prozesse einbinden.“
Insbesondere wenn KI-Systeme persönliche oder leistungsbezogene Daten der
Beschäftigten verarbeiten, muss der Schutz der Daten und
Persönlichkeitsrechte der Menschen sichergestellt sein. So können die
Lerndaten aus der Weiterbildung das berufliche Fortkommen der
Mitarbeitenden fördern. Jedoch könnten die Führungskräfte die Daten auch
missbräuchlich zur Leistungskontrolle und Überwachung nutzen. Die
Autorinnen und Autoren empfehlen, KI-Systeme in der Führung entsprechend
ihres Risikopotenzials zu zertifizieren und nur zertifizierte Systeme
einzusetzen, um eine missbräuchliche Nutzung zu verhindern. Auf Basis
welcher Daten KI-Systeme Führungsaufgaben übernehmen, sollte in enger
Abstimmung mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen
festgelegt werden. Zudem sollten Führungskräfte auf den Umgang mit den KI-
Systemen und sensiblen Daten vorbereitet werden.
Über das Whitepaper
Das Whitepaper „Führung im Wandel: Herausforderungen und Chancen durch
Künstliche Intelligenz“ wurde von Mitgliedern der Arbeitsgruppe
Arbeit/Qualifikation und Mensch-Maschine-Interaktion der Plattform
Lernende Systeme verfasst. Es steht zum kostenfreien Download zur
Verfügung.
Mit dem Wandel der Arbeitswelt durch den Einsatz von KI-Systemen
beschäftigen sich weitere Publikationen und Anwendungsszenarien der
Arbeitsgruppe.
Über die Plattform Lernende Systeme
Die Plattform Lernende Systeme ist ein Netzwerk von Expertinnen und
Experten zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Sie bündelt vorhandenes
Fachwissen und fördert als unabhängiger Makler den interdisziplinären
Austausch und gesellschaftlichen Dialog. Die knapp 200 Mitglieder aus
Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln in Arbeitsgruppen
Positionen zu Chancen und Herausforderungen von KI und benennen
Handlungsoptionen für ihre verantwortliche Gestaltung. Damit unterstützen
sie den Weg Deutschlands zu einem führenden Anbieter von
vertrauenswürdiger KI sowie den Einsatz der Schlüsseltechnologie in
Wirtschaft und Gesellschaft. Die Plattform Lernende Systeme wurde 2017 vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf Anregung des
Hightech-Forums und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
gegründet und wird von einem Lenkungskreis gesteuert.
Originalpublikation:
https://www.plattform-lernende
systeme.de/files/Downloads/Pub
Das Whitepaper "Führung im Wandel: Herausforderungen und Chancen durch KI"
der Plattform Lernende Systeme
