Sprachwandel des Deutschen - Neu an der UDE: Melitta Gil
Sprache verändert sich unablässig. Die neue Linguistik-Professorin Melitta
Gillmann untersucht an der Fakultät für Geisteswissenschaften der
Universität Duisburg-Essen (UDE) etwa, wie sich Anredepronomen in der
Sprachgeschichte gewandelt haben. Zudem erforscht sie sprachliche
Unterschiede in verschiedenen Regionen und wie sie historisch entstanden
sind.
„Das ‚Du‘ ist heute auf dem Vormarsch. Es wird in immer mehr
Zusammenhängen verwendet, es suggeriert Nähe“, sagt die Germanistin. Das
sei aber erst in der jüngeren Sprachgeschichte zu beobachten. Wieso auch
nicht? Ist doch gut, wenn’s zumindest in Unterhaltungen etwas lockerer
zugeht, oder nicht!? „Das ‚Du‘ war in der Sprachgeschichte lange Zeit mit
einem geringeren sozialen Status verbunden. Es wurde zum Beispiel genutzt,
um niedere Dienstangestellte anzusprechen. Jemanden zu duzen war praktisch
eine Beleidigung“, erklärt die 37-Jährige. Dennoch wurde im Affekt wie bei
Streitereien relativ flexibel zum Du gewechselt. „Kurioserweise wurde Gott
in Predigten und religiösen Texten immer geduzt“, so Gillmann.
Wie die Hilfsverben ‚haben‘ und ‚sein‘ in deutschen Dialekten genutzt
werden, ist weiteres Forschungsthema der UDE-Linguistin. „Mich
interessiert, welches der beiden Verben für Aussagen im Perfekt verwendet
wird. Im Norddeutschen und Westfälischen sagen die Menschen eher ‚ist
angefangen‘ statt ‚hat angefangen‘.“ Im Süddeutschen hingegen heiße es
durchgehend ‚ist gesessen/gestanden/gelegen‘. „Historisch lässt sich hier
interessanterweise in allen Regionen eine deutlich breitere Variation
beobachten. Ich untersuche, was dazu geführt hat, dass einige Verben einen
anderen Weg als die Standardsprache eingeschlagen haben.“
Melitta Gillmann studierte Germanistik, lateinische Philologie und
Pädagogik von 2005 bis 2010 auf Lehramt an der Universität Mainz und 2008
an der niederländischen Universität Antwerpen. Danach forschte sie als
wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg, wo sie 2015
promoviert wurde und bis 2022 Juniorprofessorin für Historische
Sprachwissenschaft war. Zugleich vertrat sie von 2019 bis 2020 eine
Professur für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg.
