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Neue Studie und geheime Tipps zum Durst bei Herzschwäche

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Erstmals untersucht eine deutschlandweite pflege-
wissenschaftliche Prävalenzstudie (Par_cHeD) den Zusammenhang von Durst
und Mundtrockenheit im Rahmen einer chronischen Herzinsuffizienz.

Dass sich sein schwaches Herz nicht mehr erholen wird, weiß Patrik Kalkuhl
schon seit vielen Jahren. Dass aber Durst dabei einmal zu einem großen
Problem für ihn werden könnte, hat er anfangs nicht geahnt. Die Qualen
sind enorm, denn der 50-jährige gelernte Tischler aus Ennepetal darf pro
Tag nicht mehr als anderthalb Liter Wasser zu sich nehmen – wasserhaltiges
Obst und Gemüse wird mitgezählt. Die strikte ärztliche Trinkmengen-
verordnung soll ihn vor zusätzlichen Wassereinlagerungen im Gewebe und in
der Lunge bewahren, die sein sehr schwaches Herz noch mehr belasten und
damit umso lebensbedrohlicher werden können. Denn Patrik Kalkuhl wartet im
Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, auf ein
Spenderherz.

„Durst ist ein klassisches Thema der Pflege“, sagt Franziska Wefer.
„Trotzdem gibt es bisher nur wenige Forschungsarbeiten dazu.“ Das soll
sich jetzt ändern: Die 34-jährige Pflegewissenschaftlerin, die seit vier
Jahren in der Stabsstelle Pflegeentwicklung am HDZ NRW arbeitet, ist in
Zusammenarbeit mit Dr.rer.cur. Stefan Köberich des Universitätsklinikums
Freiburgs Projektleiterin der ersten deutschlandweiten Studie über den
Zusammenhang von Durst und Mundtrockenheit im Rahmen einer chronischen
Herzinsuffizienz (Par_cHeD). Insgesamt sieben universitäre und klinische
Zentren sind an dem Forschungsvorhaben beteiligt: Weitere
Kooperationspartner sind neben der Uniklinik Freiburg und dem HDZ NRW Bad
Oeynhausen die Unikliniken Münster, Köln und Würzburg, das St. Josefs-
Hospital Wiesbaden sowie das Deutsche Herzzentrum Berlin.

Patienten mit Herzschwäche leiden unter Durst

„Bisher wissen wir, dass mehr als die Hälfte aller Patienten mit einer
Herzinsuffizienz Durst als Belastung empfindet“, erläutert Franziska Wefer
das Forschungsprojekt. „Wir wissen, dass entwässernde Medikamente,
sogenannte Diuretika, das Durstgefühl zum Teil immens fördern und dass es
Unterschiede gibt zwischen jungen und älteren Patienten, zwischen Männern
und Frauen, zum Beispiel die Tageszeit eine Rolle spielen kann und es
womöglich weitere quantitative und qualitative Faktoren gibt, die das
Durstempfinden beeinflussen können.“ Über 800 Befragungen von Patientinnen
und Patienten, die aufgrund ihrer chronischen Herzschwäche stationär oder
ambulant behandelt werden, wollen die Pflegeforschenden über einen
Zeitraum von 18 Monaten in dieser ersten nationalen Prävalenzstudie
sammeln und auswerten. Die erhobenen Daten sollen dazu beitragen,
Beratungskonzepte zu entwickeln, die dann als pflegerische Leitlinie zum
Thema Durst auch einrichtungsübergreifend und multiprofessionell umgesetzt
werden könnten. Mit der Förderung von Selbstpflegefähigkeiten bei starkem
Durstgefühl setzt sich Franziska Wefer auch in ihrer Doktorarbeit
auseinander, die sie derzeit am Institut für Pflegewissenschaft der
Uniklinik Köln (Universität zu Köln) bei Prof. Dr. Sascha Köpke
vorbereitet.

Patrik Kalkuhl ist zwischenzeitlich zum Experten in eigener Sache
geworden. „Mir hat sehr geholfen, dass die Pflegekräfte auf der
Transplantationsstation viele Tipps zum Thema Durst geben können. Ich habe
das ausprobiert. Und die Klinik hält einen Flyer mit ausführlichen
Informationen zum Nachlesen bereit.“ Gegen den drängenden Durst empfiehlt
Kalkuhl heiße Getränke in kleinen Schlucken, Eiswürfel oder saure Bonbons
– vor allem an heißen Tagen. Sein absoluter Geheimtipp ist aber ein Spray,
das den Mund befeuchtet und einen geradezu magischen Zitronengeschmack
besitzen soll. „Das habe ich aus Ennepetal mitgebracht und hat mir
persönlich gut geholfen.“

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Universitätsklinik der Ruhr-
Universität Bochum), mit 35.000 Patienten pro Jahr zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa. Das interdisziplinäre
Herzinsuffizienzzentrum des HDZ NRW ist ausgewiesen als überregionales,
über die Fachgesellschaften zertifiziertes Zentrum (HFU). Hier werden
jährlich 6.500 Patienten mit einer Pumpschwäche des Herzens stationär
behandelt. Mit 63 Herztransplantationen in 2021 ist das HDZ NRW das
bundesweit größte Herztransplantationszentrum. Weitere Schwerpunkte des
Herzzentrums liegen in der Behandlung des gesamten Spektrums angeborener
und erworbener Herzerkrankungen einschließlich der Therapie von
Herzrhythmusstörungen sowie künstlicher Herzunterstützungssysteme und
Kunstherzen.