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300 Wissenschaftler*innen veröffentlichen Communiqué mit Handlungsempfehlungen an G7

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Auf dem Think7 Summit treffen sich noch bis morgen mehr als 300
Wissenschaftler*innen aus G7-Ländern und darüber hinaus, um Lösungen für
die großen globalen Herausforderungen zu präsentieren.

Berlin, 23. Mai 2022. Die Gruppe der G7 soll enger mit den Staaten der G20
zusammenarbeiten, um multilaterale Organisationen zu stärken und einem
Rückfall in eine polarisierte Welt entgegenzuwirken. Zudem ist es wichtig,
dass die G7 Maßnahmen ergreift, um das Kriegsende in der Ukraine zu
erreichen. So lauten zentrale Empfehlungen führender Think Tanks aus den
G7-Ländern – der Think7 – an die Bundesregierung als G7-Vorsitzende. Diese
Empfehlung ist Teil des Abschlusscommuniqués, das die Think7 heute in
Berlin vorgelegt haben. Auf dem Think7 Summit treffen sich noch bis morgen
mehr als 300 Wissenschaftler*innen aus G7-Ländern und darüber hinaus, um
Lösungen für die großen globalen Herausforderungen zu präsentieren.
Das Communiqué fasst rund 70 Papiere der Think7 zusammen, in denen
Politikempfehlungen für den G7-Gipfel auf Schloss Elmau vorgelegt werden.
So sprechen sich die Autor*innen in ihrer zweiten zentralen Empfehlung für
gemeinsame Standards zur Messung des menschlichen Wohlbefindens aus, die
neben wirtschaftlichen Kriterien auch den Zustand der Umwelt und den
sozialen Zusammenhalt berücksichtigen. Das sei die Voraussetzung dafür,
dass die G7 gemeinsam mit VN, OECD und G20 für einen weltweiten
Systemwechsel eintreten können, der das menschliche Wohlbefinden innerhalb
der ökologischen Grenzen des Erdsystems in den Fokus stelle, heißt es im
Communiqué.
Die dritte zentrale Empfehlung der Think7 an die G7 lautet, dass die
Arbeit der Staatengruppe künftig kontinuierlicher von Wissenschaft und
Zivilgesellschaft begleitet werden solle – bisher wechseln Zusammensetzung
und Ziele der verschiedenen G7 Engagement Groups mit jedem neuen
G7-Vorsitz.
Die russische Invasion in die Ukraine hat die geopolitische Realität, auf
der unser multilaterales System fußt, dramatisch verändert. Um die
globalen Herausforderungen zu bewältigen, ist gemeinschaftliches Handeln
dringend notwendig. Vor diesem Hintergrund fordern die Think7, sich für
die Stärkung des Multilateralismus einzusetzen und die G20 als wirksames
Forum für die Lösung globaler Probleme zu erhalten. Die G7 müsse sich in
Zusammenarbeit mit der G20 entschieden gegen einen Rückfall in eine
polarisierte Weltordnung wehren. Dazu zähle auch, dass sich die G7 zu
substanziellen Maßnahmen verpflichten und die G20 auffordern, ihre Kräfte
zu bündeln: Es gilt die zahlreichen, durch den Krieg in der Ukraine
verursachten, Krisen in den verwundbarsten Ländern zu lindern – so etwa
steigenden Lebensmittelpreise und der zunehmenden Staatsverschuldung
entgegenzuwirken.
Ausgerichtet an den Schwerpunkten der G7-Agenda der Bundesregierung geben
die Think7-Forscher*innen unter anderem folgende Empfehlungen:
1.      Nachhaltiger Planet: Gründung offener und inklusiver Klima-Clubs,
die Beendigung der Subventionen für fossile Brennstoffe bei gleichzeitiger
Ausweitung der Klimafinanzierung für Entwicklungsländer.

2.      Wirtschaftliche Stabilität und Transformation: Schaffung eines
Rahmenwerks für Entschuldung, das allen Ländern den benötigten
fiskalischen Spielraum verschafft, um auf die Folgen der COVID-19-Krise
und des Kriegs in der Ukraine zu reagieren. Außerdem sollten die G7-Länder
globale Finanzströme mit den Klima- und Nachhaltigkeitszielen in Einklang
bringen. Indikatoren zur Wohlstandsmessung sollten über das
Bruttoinlandsprodukt hinausgehen und soziale und ökologische Dimensionen
berücksichtigen – um die Wirksamkeit von Maßnahmen der wirtschaftlichen
Transformation zu bewerten.

3.      Gesundes Leben: Die Forscher*innen benennen die Notwendigkeit zur
Einrichtung eines Global Health Compact 2030. Dieser müsse sich auf die
Stärkung der globalen Gesundheitsarchitektur, Investitionen in die
Pandemievorsorge und -reaktion entlang des Leitbildes von planetarer
Gesundheit sowie den Aufbau eines globalen, auf Gerechtigkeit
ausgerichteten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationssystems im
Bereich der globalen Gesundheit konzentrieren.

4.      Investitionen in eine bessere Zukunft: Mehr Engagement der G7 bei
der Umsetzung der globalen Agenda für nachhaltige Entwicklung und
Erschließung auch weiterer finanzieller Mittel dafür aus innovativen
Quellen, etwa über eine neue globale Steuerbasis mit einem
Mindeststeuersatz, einer Mehrwertsteuer oder eine
Finanztransaktionssteuer. Eine andere Empfehlung in diesem Themenkomplex
ist es, eine Partnerschaft der G7 mit Afrika anzustreben und entsprechende
Dialog- und Kooperationsformate mit den Schwerpunkten Gesundheit, Klima
und Wirtschaftswachstum einzurichten.

5.      Starkes Miteinander: Die G7-Staaten müssen soziale Werte,
Zusammenhalt und Solidarität durch friedensschaffende Prozesse fördern,
beispielsweise durch den Dialog zwischen verschiedenen Gruppen und
Institutionen, einschließlich Bildungseinrichtungen. Gleichzeitig
empfiehlt das Think7-Communiqué eine die Rechte Bürger in der digitalen
Wirtschaft zu stärken, etwa bei der Kontrolle darüber, wer Zugang zu den
von ihnen in der digitalen Wirtschaft erzeugten personenbezogenen Daten
hat.

Alle hier genannten Empfehlungen der Think7 sowie viele weitere können im
Communiqué nachgelesen werden. Dieses kann unter www.think7.org
heruntergeladen werden.
Die Think7 sind eine von mehreren Engagement Groups der deutschen
G7-Präsidentschaft. Die Gruppe entwickelt und unterbreitet
forschungsbasierte Politikempfehlungen zur Unterstützung der
G7-Präsidentschaft. Der Think7-Prozess begann Anfang des Jahres mit einer
virtuellen Auftaktkonferenz. Er wurde in vielen Arbeitsgruppensitzungen
sowie auf dem Global Solutions Summit fortgesetzt und findet nun mit dem
Think7 Summit in den Berliner Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie
der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik seinen Abschluss. Der
Think7-Prozess wird gemeinsam von der Global Solutions Initiative und dem
Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) während der deutschen
G7-Präsidentschaft 2022 koordiniert, die dafür vom Bundeskanzleramt
mandatiert worden sind.
www.think7.org