nternationale Konferenz für die Ostsee
Vom 30. Mai bis zum 3. Juni findet auf der polnischen Halbinsel Hel
gegenüber der Metropolregion Danzig im Ort Jastarnia die vierte Baltic
Earth Konferenz statt. Diese wird vom internationalen Baltic Earth
Sekretariat am Helmholtz-Zentrum Hereon in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-
Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und dem Institut für
Ozeanologie der polnischen Akademie der Wissenschaften (IO-PAN), Sopot
ausgerichtet.
Es werden insgesamt etwa 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem
Ostseeraum und anderen Teilen der Welt erwartet, die eine Woche lang ihre
wissenschaftlichen Ergebnisse und Erfahrungen austauschen. Den roten Faden
der Konferenz bilden die sogenannten BEAR-Berichte (Baltic Earth
Assessment Reports). Das sind wissenschaftliche Zusammenfassungen des
aktuellen Wissens zu bestimmten Themenkomplexen zum Erdsystem der
Ostseeregion.
Reiche Themenvielfalt
Die Berichte umfassen meereskundliche, meteorologische und klimatologische
Themen und sind als englischsprachige Originalveröffentlichungen kostenlos
abrufbar. Dabei geht es um die Bedingungen, die aktuell im Zuge des
Klimawandels und anderer menschgemachter Umwelteinflüsse im Ostseeraum zu
erwarten sind. Themen sind die Salzgehaltsdynamik der Ostsee, Stoffflüsse
im Einzugsgebiet, extreme Wetterereignisse, die Dynamik des Meeresspiegels
und der Küsten sowie das Zusammenspiel verschiedener Faktoren bei den
beobachteten Veränderungen im Ostseeraum. „Neben dem Klimawandel gibt es
im Ostseeraum, wie in anderen stark vom Menschen genutzten Randmeeren,
viele Faktoren wie etwa Landwirtschaft, Schifffahrt, Verschmutzung oder
Tourismus, deren Zusammenspiel sowohl untereinander als auch mit dem
Klimawandel nur unzureichend verstanden sind“, sagt Dr. Marcus Reckermann
vom Internationalen Baltic Earth Sekretariat und leitender Autor einer der
zehn BEAR-Studien, „der Klimawandel scheint jedoch alle anderen Faktoren
zu beeinflussen.“
Ein herausragender Beitrag ist die Zusammenfassung des aktuellen
Wissensstands zum Klimawandel in der Ostsee, die Aktualisierung der beiden
sogenannten BACC-Berichte von 2008 und 2015. Hierfür wurden etwa 900
Studien ausgewertet und von 47 Autoren zusammengetragen. „Die
Wassertemperaturen in der Ostsee steigen seit 100 Jahren, und das wird in
diesem Jahrhundert auch weitergehen“, sagt Markus Meier vom Leibniz-
Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Vorsitzender der Baltic
Earth Steuergruppe und leitender Autor der aktuellen Klimastudie. “Die
aktuellen Klimaprojektionen zeigen, dass die Ostsee während normaler
Winter am Ende des Jahrhunderts größtenteils eisfrei sein wird”.
Karol Kuliński vom gastgebenden Institut IO-PAN in Sopot, Vize-
Vorsitzender der Baltic Earth Steuergruppe und leitender Autor eines der
Berichte, hebt die internationale und interdisziplinäre Dimension dieser
Zusammenarbeit hervor: „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen
Ostseeländern und darüber hinaus waren an der Erstellung der Reports
beteiligt, ebenso wie Vertreterinnen und Vertreter aller für das regionale
Erdsystem der Ostsee relevanter wissenschaftlicher Disziplinen. Das
verleiht den Reports eine wissenschaftliche Breite und hohe
Glaubwürdigkeit“, so Kuliński.
Hintergrund
Baltic Earth ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und
Institutionen, mit dem Ziel, das Wissen über das regionale Erdsystem im
Ostseeraum auszudehnen, zu verbreitern und zugänglich zu machen. Es wird
vom Internationalen Baltic Earth Sekretariat mit Sitz am Helmholtz-Zentrum
Hereon in Geesthacht koordiniert. Aktivitäten von Baltic Earth umfassen
Sommer- und Winterschulen sowie internationale Workshops und Konferenzen
sowie gemeinsame Forschungs- und Publikationsprojekte. Alle zwei Jahre
findet die große internationale Baltic Earth Konferenz an verschiedenen
Küstenorten der Ostsee statt, dieses Jahr in Polen, mit dem Institut für
Ozeanologie der polnischen Akademie der Wissenschaften in Sopot als
lokalem Partner.
