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Jede Kilowattstunde zählt: Energiesparen trotz Umstieg auf erneuerbare Energien

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Gemeinsame Pressemitteilung vom Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung, Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung ISI und Institute for Future Energy Consumer Needs
and Behavior (FCN)

► Nach dem Umstieg auf eine eigene PV-Anlage, Ökostrom oder erneuerbare
Wärme kommt es im Schnitt zu einem höheren Energieverbrauch durch Rebound-
Effekte
► Forschende empfehlen energiesparendes Verbrauchsverhalten zu stärken:
unter anderem durch Hinweise in der Energieberatung und mehr finanzielle
Anreize
► BMBF-Projekt „EE-Rebound“ unter Koordination des Instituts für
ökologische Wirtschaftsforschung veröffentlicht Empfehlungen zur Reduktion
der Rebound-Effekte

Berlin/Karlsruhe/Aachen, 31. Mai 2022 – Private Haushalte leisten einen
wichtigen Beitrag zur Energiewende, wenn sie eine Photovoltaikanlage
anschaffen, Ökostrom oder erneuerbare Wärme nutzen. Doch beim Umstieg auf
diese umweltfreundlichen Energieträger kann es zu einem unerwünschten
Nebeneffekt kommen: Der Energieverbrauch dieser Haushalte steigt im
Schnitt an, wie das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt EE-
Rebound belegt. Dieser Mehrverbrauch verlangsamt nicht nur die
Energiewende, sondern kostet die Haushalte auch Geld. Ursachen und
Lösungsansätze haben das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
(IÖW) und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
gemeinsam mit dem Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior
(FCN) an der RWTH Aachen untersucht. Ihre Empfehlungen stellen die
Forschenden in drei Handreichungen vor.

Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach – viele Haushalte ziehen das aktuell
in Betracht, um angesichts der hohen Strompreise Geld zu sparen. „Die
Vorteile von PV-Anlagen für den Geldbeutel und für die Umwelt sind
unbestritten. Doch diese positiven Effekte nehmen deutlich ab, wenn man
anschließend weniger aufs Energiesparen achtet als zuvor“, erklärt
Projektleiterin Dr. Julika Weiß vom IÖW. In Verbrauchsanalysen zeigte das
Projektteam: Haushalte, die in den letzten Jahren eine PV-Anlage
installierten, haben im Schnitt einen höheren Stromverbrauch als
vergleichbare Haushalte ohne Solaranlage. Der Mehrverbrauch, den man auch
als Rebound-Effekt bezeichnet, hat ökonomische und psychologische Gründe:
Viele der interviewten Haushalte mit PV-Anlage achten weniger auf ihren
Verbrauch, weil sie ein gutes Gewissen haben und weil sie kaum noch
finanzielle Anreize zum Stromsparen sehen.

Energiesparen zentral für den Klimaschutz – auch bei Erneuerbaren

Mit einem bloßen Wechsel zu erneuerbaren Strom- und Wärmequellen sind die
Klimaziele nicht rechtzeitig zu erreichen. Genauso wichtig ist es, dass
der Energieverbrauch insgesamt effizienter und suffizienter, also
maßvoller, wird. Das Projekt EE-Rebound stellt Broschüren für
Energieberater*innen und Verbraucher*innen zur Verfügung, denn in
Beratungsgesprächen etwa zu PV-Anlagen werden noch häufig falsche
Botschaften vermittelt, sagt Dr. Matthias Pfaff vom Fraunhofer ISI: „Oft
wird geraten, möglichst viel vom eigenen Solarstrom selbst zu nutzen. Auch
Aussagen wie ‚die Sonnenenergie sei unerschöpflich‘ motivieren nicht zum
Stromsparen. Klimaschutzagenturen und Energieberater*innen sollten besser
über finanzielle und auch ökologische Effekte des Mehrverbrauchs
aufklären. Bisher ist noch wenigen Besitzer*innen von PV-Anlagen bewusst,
dass jede Kilowattstunde Solarstrom, die sie einspeisen, für die
Energiewende gebraucht wird.“

EEG: Solarstrom einzuspeisen muss wieder attraktiver werden

Bis 2030 soll der Anteil grünen Stroms im deutschen Stromnetz auf 80
Prozent steigen. Um das zu erreichen, muss auch der Beitrag kleinerer PV-
Anlagen wachsen. Ihre Gesamtleistung muss sich mehr als verdoppeln.
Hierbei kommt es nicht nur auf die bloße Anzahl der Anlagen an: Haushalte
sollten ihre Dachflächen möglichst vollständig ausnutzen und viel Strom
ins Netz einspeisen – doch dafür muss die Politik bessere
Rahmenbedingungen schaffen, fordert das Projektteam in einem Policy Paper.
„Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) muss eine höhere Einspeisevergütung
für PV-Anlagen verankert werden, die anteilig zum Eigenverbrauch genutzt
werden. Auch nach dem neuen Entwurf zum EEG 2023 steht der Eigenverbrauch
noch zu stark im Vordergrund“, kritisiert Dr. Julika Weiß.

Grundsätzlich ist Eigenverbrauch sinnvoll: Haushalte stabilisieren das
Stromnetz, wenn sie ihren Solarstrom gezielt zur sonnigen Mittagszeit
nutzen. „Manche Haushalte verbrauchen jedoch extra viel Strom, weil sie
Einspeisen als pure Verschwendung empfinden: Wer heute eine PV-
Eigenverbrauchsanlage installiert, bekommt für jede eingespeiste
Kilowattstunde nur 6,43 Cent – also viel weniger als man beim
Stromanbieter pro Kilowattstunde zahlt“, erklärt Weiß.

Dass ein sorgloser Umgang mit Energie trotzdem auch mit einer PV-Anlage
für die Haushalte nachteilig ist, zeigen die Forschenden an einem
Fallbeispiel: Durch einen um 20 Prozent erhöhten Verbrauch verliert ein
Drei-Personen-Haushalt jährlich circa 100 Euro.

Neben Empfehlungen zum EEG stellen die Forschenden in dem Policy Paper
weitere Handlungsfelder vor: Beispielsweise sollten auch Förderprogramme
und Gesetze im Wärmebereich stärkere Anreize für einen suffizienten
Verbrauch setzen.

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Mehr Informationen:

• Broschüre für Energieberater*innen sowie Broschüre für Verbraucher*innen
auf <https://www.ee-rebound.de/deutsch/veröffentlichungen/handreichungen-
für-die-praxis/>
• Policy Paper: Jede Kilowattstunde zählt: Rebound-Effekte beim Umstieg
auf erneuerbare Energien effektiv reduzieren
<https://www.ioew.de/publikation/jede_kilowattstunde_zaehlt_rebound_effekte_beim_umstieg_auf_erneuerbare_energien_effektiv_reduzieren>
• Infografiken und wissenschaftliche Publikationen auf <www.ee-rebound.de>

Über das Projekt:

Das Projekt EE-Rebound untersuchte mit Interviews, Befragungen und
Berechnungen, ob und wie ein Umstieg auf erneuerbare Energien den
Energieverbrauch von Privathaushalten beeinflusst und welche Auswirkungen
dies hat. Die Forschung wurde vom Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW) koordiniert und gemeinsam mit dem Fraunhofer-
Institut für System- und Innovationsforschung ISI und dem Institute for
Future Energy Consumer Needs and Behavior (FCN) durchgeführt. Gefördert
wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
in der Förderinitiative „Rebound-Effekte aus sozial-ökologischer
Perspektive“ des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung (SÖF).

<www.ee-rebound.de>