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„Queer und Behinderung zusammen denken“

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Bislang wird Schnittmenge Behinderung und sexuelle
Orientierung/geschlechtliche Vielfalt nicht ausreichend berücksichtigt –
Aktionswochen wollen Zeichen setzen

Bislang sei eine mangelnde Berücksichtigung der Schnittmenge
(Intersektion) Behinderung und sexuelle Orientierung/geschlechtliche
Vielfalt in aktuellen Angeboten zu verzeichnen. Diesem Thema möchte sich
die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) annehmen und
ein Zeichen setzen. Das Zusammenwirken von geschlechtlicher sowie
sexueller Vielfalt und Behinderung ist deshalb Thema der Aktionswochen
„Queer und Behinderung zusammen denken“. Sie finden vom 14. Juni bis 1.
Juli 2022 an der Hochschule statt. Hierfür holen die Stabsstelle Diversity
und der Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS gleich
zwei Projekte auf den Campus: Die Gedankenwerkstatt „community_inklusiv“
sowie die Wanderausstellung „Raum für ...! Unboxing Heteronormativität“.
Zudem gibt es ein Begleitprogramm mit drei wissenschaftlichen Vorträgen.
Eingeladen sind alle Hochschulangehörigen und die interessierte
Öffentlichkeit. Organisiert werden die Aktionswochen in Kooperation mit
dem LSBT*IQ-Netzwerk Rhein-Main, den Kommunikationsdesign-Studiengängen
und der Stabsstelle Gleichstellung und Diversity der Hochschule Konstanz -
Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) sowie dem Amt für
Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main (AmkA).
Angedockt sind die Aktionswochen an den Internationalen Tag gegen Homo-,
Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA*) und den
Deutschen Diversity-Tag, die beide im Mai begangen werden.

„Mit den Aktionswochen möchten wir für einen kritischen Umgang mit
exkludierenden Mechanismen sensibilisieren. Diskriminierung und
Ungleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen gilt es ebenso abzubauen
wie Queerfeindlichkeit. Durch die Identifikation von spezifischen Bedarfen
von queeren Menschen mit Behinderung schaffen wir eine Grundlage für
darauf aufbauende Konzept- und Maßnahmenentwicklungen. In den aktuellen
Angeboten und Strukturen zahlreicher Anbieter werden sowohl
Queersensibilität als auch Barrierearmut oder einer der beiden Aspekte
nicht ausreichend beachtet“, erklärt Dr. Vera Jost, Leiterin der
Stabsstelle Diversity der Frankfurt UAS. Die Aktionswochen sollen den
Startschuss für einen langfristigen Netzwerk-Aufbau, koordiniert durch das
AmkA, geben. Ziel ist neben dem Abbau von Behinderten- und
Queerfeindlichkeit auch eine Anerkennung von LSBT*IQ mit Behinderung als
Teil der jeweiligen Community, als Zielgruppe der eigenen Arbeit und als
Bestandteil der Stadtgesellschaft. Dieses Bewusstsein soll auch bei den
professionell in den jeweiligen Bereichen tätigen Personen sowie bei
Vertretenden von Institutionen und aus der Stadtgesellschaft geschaffen
oder ausgebaut werden.

Gedankenwerkstatt „community_inklusiv“
Unter dem Titel „community_inklusiv“ organisiert das LSBT*IQ-Netzwerk
Rhein-Main am 14. Juni eine Gedankenwerkstatt. Ziel ist, konkrete Bedarfe
an der Schnittstelle von LSBT*IQ und Behinderung aufzudecken und eine
langfristige Vernetzung zur Maßnahmenumsetzung anzustoßen. Dies soll
gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen und LSBT*IQ geschehen, mit
Fachkräften und Interessierten sowie mit Vereinen, Behörden und
Institutionen, die Beschäftigte einstellen oder öffentliche Services
anbieten. Dadurch soll sowohl inklusive LSBT*IQ-Community-Arbeit als auch
eine LSBT*IQ-sensible Behindertenarbeit eruiert und gefördert werden.
Neben fachlichen Inputs und Erfahrungsberichten bieten Workshops Raum zum
Austausch zu spezifischen Themen. Geplant sind Formate zu Arbeitswelt und
Behörden, Bildung und Hochschule, Community-Strukturen von LSBT*IQ und
Menschen mit Behinderung sowie Sexualität und Gesundheit. Es soll
gemeinsam überlegt werden, welche Bedarfe bei den einzelnen Gruppen
bestehen, was sie trennt und verbindet und welche Bedeutung das für
LSBT*IQ mit Behinderung hat, deren Lebensrealität sich an den
Schnittpunkten beider Gruppen ergibt. Bedarfe, Wünsche und Perspektiven
für eine zukünftige Angebotsstruktur für diese Zielgruppe im Rhein-Main-
Gebiet sollen formuliert werden. Die Veranstaltung wird hybrid umgesetzt.
Die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt Dr. Nargess Eskandari-Grünberg
wird ein Grußwort sprechen.

Um die Veranstaltung möglichst barrierearm zu gestalten, wird eine
ortsunabhängige Teilnahme online möglich sein und die Veranstaltung zum
Großteil per Simultandolmetschen in deutscher Gebärdensprache sowie teils
per Audiotranskription in deutsche Sprache angeboten. Bedarfe der
Teilnehmenden werden vorab erfragt und im Rahmen der Möglichkeiten
erfüllt. „Auch für unsere Institution gilt, dass wir auf einem Lernweg
sind und Vieles erst erproben müssen“, so Jost.

Wanderausstellung „Raum für ...! Unboxing Heteronormativität“
„Raum für ...! Unboxing Heteronormativität“ heißt die Wanderausstellung,
die Studierende der Hochschule Konstanz und der Universität Konstanz
gestaltet haben. In neun multimedialen Boxen, die an Telefonzellen
erinnern, sind Besuchende vom 20. Juni bis zum 1. Juli 2022 eingeladen,
sich mit Fragen zu gängigen Vorstellungen von Geschlechtsidentität und
Sexualität auseinander zu setzen. Anlässlich der Aktionswochen wird die
Ausstellung für einen barrierearmen Zugang um neue, alternative Medien und
Informationen in einfacher Sprache sowie um kleinere bauliche Maßnahmen
ergänzt. Diese Anpassungen geben dem Publikum zudem Gelegenheit, sich mit
der Frage von Hindernissen und deren technischer und künstlerischer
Überwindung auseinander zu setzen. Es werden auch Führungen angeboten in
den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und in deutscher Gebärdensprache
sowie Führungen für blinde und seheingeschränkte Menschen. Die
Öffnungszeiten der Ausstellung sind: Montag bis Freitag von 8:00 bis 21:45
Uhr, Samstag von 8:00 bis 19:45 Uhr. Mehr über die Ausstellung:
<www.raumfuer.eu/>.